Der Nachtbus spuckt uns früh um halb fünf am Fährterminal in Chumphon aus. Geschlafen haben wir kaum und das Schiff nach Koh Tao legt erst in über zwei Stunden ab. Irgendein Genie zerrt Strandliegen aus einem Stapel und so kommen wir doch noch zu ein paar Minuten Schlaf, bevor die Klingel am Terminal alle zum Aufstehen und Anstellen bewegt.

Im Morgengrauen geht es aufs Schiff, das uns auf die Insel schippert. Fähren steuern hier nacheinander die drei beliebten Urlaubsinseln Koh Tao, Koh Pangan und Koh Samui an und wir lassen es uns noch offen, wie lange wir Zeit auf der kleinen Insel verbringen, ob wir danach auf dem Festland weiterreisen oder Insel-Hopping machen. Nach Felix Fieber in Chiang Mai und den unerträglich heißen Temperaturen in der Hauptstadt Bangkok freuen wir uns nun auf ein bisschen Meeresbrise.

Nach einer knappen Stunde Überfahrt legen wir am Strand in Mae Head auf Koh Tao an und suchen uns gleich ein schönes Café zum ausgiebigen Frühstücken aus, das Coconut Monkey. Nach Smoothie Bowl und Hummus-Bagel bringt uns ein Pick-Up Truck (Achtung: “Taxis” sind trotz der kurzen Entfernungen auf der Insel nicht billig!) zu unserer Unterkunft. Hier haben wir uns zum Abschluss unserer Weltreise mal etwas gegönnt: ein klimatisiertes, großes Zimmer in den Woodlawn Villas, mit sehr freundlichem Personal und guter Lage am südlichen Ende der Insel.

Die Hauptstraße, die uns zu Fuß in zehn Minuten zum Chalok Baan Ko Strand führt, ist mit Cafés, kleinen Supermärkten, Rollerverleihen und Tauchschulen gesäumt. Hier entdecken wir gleich einige potentielle kulinarischen Lieblingsorte, bevor wir uns im Sand niederlassen und erst wieder aufstehen, als unsere Mägen knurren.

Wir landen bei Ying Yang auf ein spätes Abendessen aus Curry und Nudeln und fallen schließlich müde, aber voller Vorfreude auf unsere Tage auf dieser Trauminsel, ins Bett.

Am nächsten Morgen wandern wir bei größter Hitze zum Ao Leuk Strand, der so schön ist, dass er Eintritt (150 Baht/ 4€) kostet. Das Meer in der Bucht leuchtet unwirklich türkis, der Sand ist fein und wir finden als i-Tüpfelchen auch noch ein freie Hängematte.

In einem Kiosk leihen wir Taucherbrillen und Schnorchel aus und gehen im Wasser auf Entdeckungsjagd. Koh Tao ist vor allem unter Tauchern ein beliebtes Ziel, weil die vielen Riffe und Steilküsten hier Heimat für eine große Vielfalt an Meeresbewohnern sind.

Die Insel ist weltweit die Nummer zwei für die Ausstellung von PADI-Tauchzertifikaten. Die Nummer eins ist Cairns in Australien.Wir sind da ja eher Angsthasen, wenn es ums Meer geht, obwohl wir uns in Australien mit Surfen und Schnorcheln schon echt viel getraut haben. So lange und tief wie beim Tauchen müssen wir aber nicht unbedingt unter Wasser sein. Aber hier kann man schon im knietiefen, klaren Wasser die ersten bunten Fische entdecken und wenn man ein bisschen mutiger an den Felsen entlangschnorchelt, die die Bucht einsäumen, findet man eine riesige Vielfalt, von Papagaifischen über Falterfische und sogar kleine (ungefährliche) Riffhaie. 

Hier ist mir unglaublicherweise folgender Satz über die Lippen gekommen: “Komm, lass uns nach den Haien suchen!”

Abends gibt es noch ein sehr leckeres und günstiges Abendessen bei Tukta mit anschließendem Spaziergang nach Hause.

Nach einem Frühstück bei Big Bite (weiterer Favorit!) verbringen wir ein paar Stunden am Pool, bis uns die Bauarbeiten am nächsten Ressort auf die Nerven gehen. Wir machen uns auf den Weg zum Jun Junea Beach, von wo aus man die besten Sonnenuntergänge sehen soll. Der kleine Strand ist unterhalb der steil abfallenden Küste des Südwestens der Insel gelegen.

Man läuft von Chalok Bay aus über einen langen Holzsteeg, der geradewegs in eine kleine Bar hineinführt. Danach geht es, je nach Tageszeit, trockenen Fußes oder durch seichtes Wasser die Bucht entlang. Wir passieren eine Piratenbar und müssen durch ein Luxus-Resort laufen, bevor wir einen steilen Hügel erklimmen und schließlich oberhalb von Jun Junea Beach ankommen.

Hier ist es bis auf die leisen Reaggae-Töne, die aus der zusammengezimmerten Beach Bar herüberwehen, ganz ruhig. Korallen und Muscheln hängen aufgefädelt wie Mobile aus den Bäumen und klimpern im Wind. Ein perfekter Ort für ein Sonnenuntergangsbier. Wir bekommen auch von einem verzottelten, weißen Streuner und sammeln besondere Muscheln und Korallen.

Eigentlich wäre morgen schon unser letzter Tag auf Koh Tao. Aber weil es uns so gut gefällt, wir noch einige Strände und Aussichtspunkte erkunden wollen und noch längst nicht die ganze Frühstückskarte bei South Beach durchprobiert haben, verlängern wir unseren Aufenthalt um weitere vier Nächte.

Am Freedom Beach, der auch wieder Eintritt kostet, finden wir ein halb verfallenes Hotel, wo anscheinend in der Hauptsaison wilde Parties gefeiert werden. Heute gibt es zum Glück nur das sanfte Wellenrauschen als Hintergrundmusik und reichlich kleine Bäume, an deren Wurzeln bei Flut das Wasser hinaufschwappt.

Die Flut ist an dem Tag schneller als wir und immer wieder müssen wir mit unseren Handtüchern weiter nach oben ziehen, bis es schließlich auch noch Wasser von Oben gibt. Durch den leichten Regenschauer laufen wir zurück durch den Ort und streicheln hier eine Katze und da einen Hund und gönnen uns am Abend noch eine Yin-Yoga Stunde.

Um ein bisschen Abwechslung in unseren “Alltag” zu bringen, der aus Strand, Schlafen und Essen besteht, machen wir uns am nächsten Nachmittag auf nach Mae Head, dem Hauptort Koh Taos.

Wir finden einen Laden, der halb als Keks-Bäckerei, halb als Katzentierheim funktioniert und auch wenn das nach einer sehr unhygienischen Sache klingt, ist es ganz herrlich und herzig. Wir schlendern durch die kleine Stadt, in der Restaurants, Hostels, Tauchschulen und Läden dicht gedrängt stehen und von überall Rollerknattern und Musik tönt. Zum Abendessen geht es ins tolle vegane Restaurant La Carotte Qui Rit und spazieren danach die zwei Kilometer zurück zu unserer Unterkunft.

Wir verlängern unseren Aufenthalt auf Koh Tao noch mal. Und noch einmal. Die Aussicht auf einen kalten Herbst und Winter in Deutschland, auf anstehende Jobbewerbungen und Wohnungssuche hemmt uns vielleicht ein wenig, vielleicht haben wir aber auch einfach unser Pensum an ständig wechselnden Orten erreicht.

Wir wollen die letzten Wochen dieser langen Reise nicht mehr von Ort zu Ort hetzen, nur damit wir sagen können, wir hätten ganz Thailand bereist. Lieber noch mal ein paar Momente innehalten, die letzten Monate und Erlebnisse Revue passieren lassen und dann hoffentlich ganz entspannt in das Leben zurück zuhause starten.

Und so genießen wir insgesamt 15 Tage Inselleben, mit Schnorcheln nach bunten Fischen und kleinen Haien, Nickerchen in Hängematten, Yoga und viiieel leckerem Essen.

Wir finden einen Traumstrand (Sai Nuan Beach), den wir lange Zeit nur für uns haben und wo man ganz kitschige Fotos auf einer Strandschaukel machen kann.

Wir erleben wunderschöne Sonnenuntergänge und lassen uns bei Thaimassagen durchkneten. Wir leihen einen Roller und erkunden noch weitere Strände, klettern auf Aussichtspunkte im Norden (Sunset View Point) und Süden (John Suwan) und freuen uns über diverse Tier-Bekanntschaften auf den Wegen.

Zum Abschied von Koh Tao frühstücken wir, wie bei unserer Ankunft, bei Coconut Monkey, bevor es auf die Fähre zurück zum Festland geht.

In Chumphon haben wir noch ein paar Stunden Zeit, bevor der Nachtzug nach Bangkok fährt und wir landen in einem für den schrecklichen Namen Farang Bar (“Farang” bedeutet soviel, wie “Weißer” oder “Ausländer”) überraschend gutem Restaurant. Bonus ist hier eine kleine Katze mit Glöckchen um den Hals – so einfach sind wir zufrieden zu stellen.

Die Zugfahrt ist zwar nicht halb so angenehm wie unsere erste Nachtzugerfahrung, es ist laut und irgendwie noch kälter, aber auf jeden Fall komfortabler und schneller als der Bus. Wieder erreichen wir zu einer ganz frühen und ungünstigen Zeit Bangkok, aber wenigstens dürfen wir im Hotel, das wir für unsere letzte Nacht gebucht haben, unser Gepäck schon abgeben und ein wenig später auf Frühstückssuche gehen. Völlig übermüdet schmieden wir leicht gößenwahnsinnige Pläne: wir wollen uns massieren lassen, Maniküre und Pediküre, ein bisschen shoppen, an den Pool im Hotel, Essen gehen und dann noch irgendwo Cocktails mit Aussicht trinken.

Die Massage bekommen wir in einem Laden namens “Cozy Massage”, wobei die rauhen Umgangsformen und das stetige Gekicher und Getuschel der Masseurinnen alles andere als “cozy” sind.

Trotzdem laufen wir danach ein wenig beschwingter die Straße entlang. Nachdem auch noch unsere Hände und Füße aufgehübscht sind, geht es in ein Einkaufszentrum, wo Felix eine tolle Brille findet, für die seine Augen innerhalb kürzester Zeit ausgemessen und eine Stunde später schon die Gläser fertig sind. Kostenpunkt: 30€. Ist vielleicht eine Überlegung wert, den nächsten Brillenkauf einfach auch gleich mit einer Thailand-Reise zu verbinden.

Den Nachmittag verbringen wir am Dachterrassenpool unseres Hotels, wo wir ganz dekadent Cocktails mit Schirmchen schlürfen, bevor wir uns zum Abendessen im unglaublich leckeren May Vegan Restaurant aufmachen.

Den krönenden Abschluss bildet ein letztes Date mit Phil in der Compass Sky Bar, wo uns zwar Regen einen Strich durch die Rechnung mit der Aussicht macht, die guten und lustigen Gespräche aber trotzdem den Abend perfekt abrunden.

Jetzt sind wir wirklich lange und weit weg gewesen, haben in 365 Tagen 11 Länder bereist und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Unser letztes Frühstück nehmen wir im Hotel neben einem riesigen Aquarium zu uns, wo wir noch einmal die ganzen schönen Fische identifizieren können, die wir in freier Wildbahn gesehen haben. Mit dem Taxi geht es zum Flughafen. Dort halten wir beim Einsteigen ins Flugzeug noch einmal kurz die Luft an, ob nicht doch jemand unser Handgepäck kontrolliert. Die Rucksäcke sind ja doch ein wenig schwerer geworden mit der Zeit. Aber wir haben Glück und so können wir das Experiment “Ein Jahr reisen mit Handgepäck” als erfolgreich abgeschlossen betrachten.

Nächster Stopp: Deutschland!