Bangkok Main Railway Station, 6 Uhr morgens. Zwei Eiszapfen steigen aus dem Zug.
Die thailändische Hauptstadt empfängt uns erst noch verschlafen blinzelnd, dann schnell immer lauter werdend. “Taxi? TukTuk? Where you go?” Wir sind zu müde zum Verhandeln und umgehen den ganzen Tanz, indem wir uns einen Uber bestellen. Die Zugfahrt von Chiang Mai nach Bangkok war die bislang angenehmste Art, über Nacht zu reisen. Gegen 21 Uhr kam ein netter Schaffner vorbei und hat alle Sitze in Liegeflächen umgebaut. Von der Decke darüber wurde jeweils das obere Stockbett heruntergeklappt und die Decken und Bezüge waren weich und frisch gewaschen. Das Ruckeln des Zuges und die Vorhänge vor den Kojen haben uns mindestens sieben Stunden erholsamen Schlaf beschert. Daumen hoch für thailändische Nachtzüge! Der wirklich einzige “Nachteil” sind die gefühlten Minusgrade, auf die das Zugabteil heruntergekühlt wird. Da loben wir uns unsere All-Wetter-Garderobe, die wir nun ein Jahr mit uns herumschleppen und bemitleiden die vielen anderen Reisenden im Zug, die sich in Top und Hotpants einen abfrieren.

Unser kleines PanPan Hostel liegt in einem Hinterhof im Stadtteil Silom und hat so früh noch gar nicht offen. Wir stärken uns in einem nahe gelegenen Café und machen uns später, nach dem Einchecken auf die erste Entdeckungsreise durch diese riesige Stadt, von der wir schon so viel gehört haben.

Es ist super heiß und mal wieder scheint die Flucht in Läden und Einkaufszentren die einzig kluge Lösung. Mit der Metro fahren wir ein paar Stationen bis zum großen Siam Shopping Center, wo wir uns einige Male fast verlaufen. Davon abgesehen, das die meisten käuflichen Dinge hier sehr teuer sind, haben wir ja weiterhin keinen Platz um großartig shoppen zu gehen und so rauschen die Läden, Boutiques und kleinen Verkaufsstände dazwischen nur so an uns vorbei. Am Ende stehen wir vor dem Bangkok Design Center, wo wir auf mehreren Stockwerken Ausstellungen, Galerien und Läden mit hochwertigen, handgemachten Souvenirs vorfinden. Im gegenüber gelegenen Siam Square geht es nach einer Stärkung durch Pad Thai und Ingwer-Eistee weiter. Hier findet man hunderte kleiner Klamotten-Lädchen, bunt und bis zum Rand gefüllt mit den neuesten Trends, meist aus Südkorea. Am Abend sind wir ganz erschlagen von den Eindrücken, dem vielen Laufen und der Hitze. Weil uns eine Lust auf Eis umtreibt, gehen wir aber trotzdem nochmal los durch die nächtlichen Straßen, ohne Plan, links, rechts, links, bis wir schließlich in einer Cocktailbar landen.

Am nächsten Morgen suchen wir uns unser Frühstück auf einem Straßenmarkt um die Ecke zusammen: süßes Gebäck, Obst und frisch gepresste Säfte, die wir anschließend in der kleinen Hostel-Lobby verspeisen. Danach machen wir uns auf zum Royal Palace. Auf dem Weg folgen wir dem Tipp von Phil, einem High School Freund von Lisa aus Colorado, der seit einigen Monaten in Bangkok arbeitet und lebt. Statt sich mit der Metro, einem Uber oder TukTuk durch die Stadt zu kämpfen, nehmen wir eines der schwankenden Linien-Boote. Das Ufer des Chao Phraya Flusses erreichen wir nach einem zehnminütigen Fußmarsch und müssen an der Anlegestelle nicht lange warten. Wichtige Info: für das Bootsticket braucht man den Preis passend in Kleingeld!

Das Boot wird bis auf den letzten Stehplatz vollgestopft, dann legen wir ab und schippern unter lautem Motorengeknatter flußaufwärts. Das Wasser hat eine bräunliche Färbung und es treibt darin viel Grünzeug herum. Die Flussufer sind gesäumt von Bretterbuden auf Stelzen, die so gar nicht zu den modernen Hochhäusern und goldenen Tempelkuppeln dahinter passen wollen.

Wir legen kurze Zeit später beim Royal Palace an, dessen Mauern und Türmchen wir schon vom Wasser aus sehen konnten. Hier werden wir mit hunderten Leuten durch einen dunklen Gang aus Verkaufsständen, die frisches Obst, Blumen und Getränke anpreisen, geschoben, bis wir auf einer breiten Straße ausgespuckt werden, die zum Haupteingang führt.

Wir binden unsere Sarongs um die Hüften, werden aber direkt von einer streng dreinblickenden Dame abgewiesen. Die Kleiderordnung wird hier sehr genau genommen: Männer müssen lange Hosen, keine “Röcke” tragen. Wie praktisch, dass die Verkaufsstände um den Palast sich dieser hohen Nachfrage bewusst sind und so kommen wir gezwungenermaßen doch noch zum Shoppen für Felix. Beim zweiten Anlauf dürfen wir den Palast betreten und sind von all dem Glanz und Gold ganz geblendet.

Das Gelände ist in mehrere Höfe unterteilt, darin ein Gebäude prachtvoller als das andere. Am auffälligsten ist sicher der Tempel des Smaragd-Buddhas im zentralen Hof. Der besagte Smaragd-Buddha, der eigentlich aus Jade ist, misst etwa 60cm an Höhe und hat drei wechselnde Gewänder, in die das nationale Heiligtum je nach Jahreszeit (Hitze, Kälte oder Regenzeit) gekleidet wird.

In den Säulengängen, die den zentralen Hof umgeben, stehen hunderte schwarz gekleidete Menschen in einer Schlange, die sich, wie wir später herausfinden, bis weit vor die Palasttore zieht. Die Trauergemeinschaft wird in Schichten durch den Palast geschleust und darf sich nach stundenlangem Anstehen ins Kondolenzbuch des Königs eintragen und einer kurzen Aussegnungsfeier beiwohnen, die den ganzen Tag in Dauerschleife im Palast geboten wird.

Dabei kommen die Thais aus dem ganzen Land und auch aus dem Ausland, um ihrem geliebten König Bhumibol die letzte Ehre zu erweisen. Wir haben bei unserem Aufenthalt in Bangkok genau den letzten Monat der einjährigen Staatstrauer erwischt und hatten schon die unzähligen schwarzen Plakate bemerkt. König Bhumibol war bis dato der am längsten regierende Monarch in der Geschichte Thailands und der Welt. Wer sich ein Bild vom Prunk und der Menschenmassen machen möchte, kann hier Eindrücke von der Prozession, die einen Monat später stattgefunden hat, bekommen.

Wir gehen noch in das Queen Fashion Museum, das die Kostüme und Roben der Königin Sirikit, Bhumibols Frau, im Laufe der Zeit ausstellt. Das Museum ist sehr schön aufbereitet und gibt in detaillierten Exponaten und einfachen Beschreibungen einen Einblick in die öffentlichen Auftritte des Königspaars, aber auch hinter die Kulissen.

Als wir den Palast verlassen, kommen wir am Ende der Schlange an, sehen Zelte, in denen Menschen, denen die Hitze und das lange Anstehen, von Krankenschwestern behandelt werden und viele ernste Gesichter.

Im Schatten der hohen Gebäude laufen wir ein paar Blocks, bis wir die berühmte Khao San Road erreichen. Hier reiht sich eine Bar an die nächste und die Hostels verheißen schlaflose Nächte.

Weil hier so viele Touristen verkehren, ist es auch ein guter Ort, um die Weiterreise zu buchen und Reiseanbieter zu vergleichen. Wir finden bald, was wir suchen und beenden dann den Nachmittag im schönen Ethos Vegetarian Restaurant.

Nach einem erholsamen Nachmittagsschlaf im Hostel treffen wir Phil und zwei Freundinnen. Er will mit uns “richtig gutes Essen” in Chinatown probieren. Gesagt, getan und eine kurze Taxifahrt später steigen wir an der Yaowarat Street aus. Wir werden empfangen von exotischen Düften, dampfenden Kochtöpfen und vielen Menschen, denn hier reiht sich ein vielversprechender Imbiss an den nächsten.

Bei diesem nächtlichen Street Food Markt kann man sich durch alle Variationen der chinesischen Küche futtern. Dabei vegetarisch zu essen ist schwierig, aber nicht unmöglich! Turnip Cake und Oyster Omelett stehen auf Phils Liste der “Must Do’s”, aber auch Grass Jelly, Esskastanien und Kokosnusseis.

Wir probieren von allem ein bisschen und freuen uns, auch ein paar Worte Thai von den anderen zu lernen. Der wichtigste Satz, den wir inklusive Gesten und Intonation mit auf den Weg bekommen: “Wie viel kostet das? Wieviel? Wirklich? Ist das dein Ernst?” (Tau rai na ka/kap? Na ka/kap? Ching ching? Ching lao!?), dazu noch “Ja” (chai) und “Nein” (mai chai) – jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Zum Abschluss des lustigen Abends landen wir in einer dunklen Bar, wo wir uns noch auf der Wand verewigen, bevor es zurück ins Hostel geht.

An unserem vorerst letzten Tag in Bangkok frühstücken wir ganz edel und hipsteresk bei Luka, bevor wir uns mit Phil treffen, der gleich weiter nach Essen jagen möchte. Heute steht Rice Porridge auf seiner Wunschliste und wir irren durch die Straßen, bis wir vor einer verschlossenen Ladentüre  stehen. Dann eben ein kleiner Snack auf der Straße. Miang Kam, ein buntes Allerlei, das in ein Pfefferblatt gewickelt wird, bevor es verspeist wird, haben wir schon an vielen Straßenecken neugierig beäugt. Unter der fachmännischen Beratung von Phil trauen wir uns auch, die kleinen Happen zu probieren. Geröstete Erdnüsse, Chilis, Limette, Ingwer, Galgant, Reis – es schmeckt ganz bunt und hervorragend!

Weiter geht es in Richtung Chatuchak Market, dem größten Markt Thailands. Als wir aus der Metro steigen, haben wir aber erst mal eine Wand aus Regen vor uns. Zum Glück finden wir auch hier Unterschlupf in einem Einkaufszentrum. Wir bummeln und trinken Kaffee, bis der Regenschauer vorbeigezogen ist, dann geht es weiter. Der Chatuchak, oder JJ Market, ist wirklich ein riesiges, nicht enden wollendes Meer aus Verkaufsständen. Kleidung, Spielzeug, Brillen, künstliche Blumen, Teppiche und Haushaltswaren soweit das Auge reicht und dazwischen überall kleine Köstlichkeiten.

Hier verbringen wir ein paar lustige Stunden und verabschieden uns fürs Erste von Phil. Wir fahren zum Hostel zurück und von dort gleich weiter in die Khao San Road, zum Treffpunkt für den Nachtbus. Nach so viel Großstadt-Trubel sind wir reif für die Insel. Es geht nach Kho Thao!