In Luang Prabang kommen wir abends an, als es schon dunkel ist. Der Fahrer lässt uns irgendwo im Zentrum raus und zum Glück haben wir es nicht weit zu unserer Unterkunft zu laufen. Das ThaviSouk Family Home haben wir vorher über Agoda gebucht und werden total nett empfangen. Da es in der Stadt einen großen Night Market gibt und wir noch nichts zu Abend gegessen haben, stellen wir nur schnell die Rucksäcke ab und laufen gleich wieder zurück ins Zentrum. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt gleich schon ziemlich ruhig, ordentlich und sauber.

Auf dem Nachtmarkt, der aus mehreren langen Gassen aus überdachten Ständen beladen mit Kissenhüllen, Decken, Taschen, Kleider in allen Farben und Formen, Geschnitztem und Getöpfertem, Geknüpften und Gewobenem, besteht, finden wir nach etwas Suchen auch den wuseligen Essensbereich, wo die Stände große Buffets anbieten.

Super Auswahl, aber wahrscheinlich sollte man nicht ganz so spät wie wir hier zuschlagen, um 21 Uhr ist nämlich das meiste Essen schon kalt. Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, treffen wir unsere englischen Roller-Freunde vom Thakek Loop, Meg und Will, wieder und trinken mit ihnen noch ein Bier in ihrem nebenan gelegenen Hostel.

Am nächsten Morgen leihen wir uns mithilfe unserer netten Pensionsbetreiberin einen Roller aus und düsen los in Richtung Kuang Si Waterfalls. Wir sind ungefähr eine dreiviertel Stunde über eine sich durch die hügelige Landschaft schlängelnde Landstraße unterwegs, bevor wir auf den großen Parkplatz bei den beliebten Wasserfällen rollen. Hier müssen wir eine kleine Parkgebühr bezahlen und gönnen uns gebratene Nudeln zu Mittag an einem der vielen kleinen Restaurants aus Imbissbuden und Gartenstühlen, die hier um den Parkplatz aufgebaut sind.

Nach dem Eingang führt der Weg an einer Bärenauffangstation vorbei. Hier werden Kragenbären gehalten, die aus dem illegalen Tierhandel gerettet wurden. Vor allem in China wird zB. der Magensaft(!) der Bären als Potenzmittel gehandelt und sie werden deshalb immer noch oft gejagt. Die Bären, die zugegeben ziemlich lustig aussehen mit ihrem dichten Fellkranz um den verhältnismäßig kleinen Kopf, haben hier ein großes Gelände inklusive Bachlauf und Klettergerüsten.

Manche der schwarzen Tiere liegen entspannt herum, andere jagen sich und spielen miteinander und es wirkt, als ob sie wenigstens ein halbwegs ungestörtes Leben hier haben. Nichtsdestotrotz ärgern wir uns über die Umstände, die solche Auffangstationen überhaupt nötig machen.

Als wir endlich zu den Wasserfällen kommen, sind wir uns unsicher, ob das Rauschen des Wassers oder die vielen Touristen lauter sind. Zum Glück sind die meisten faul oder mit schlechtem Schuhwerk ausgestattet und bleiben im unteren Bereich der Kuang Si Falls, so dass sich der Besucherandrang nach oben hin ausdünnt.

Wie immer hätte man ganz früh und nicht so wie wir, mitten am Nachmittag, kommen sollen, um die Umgebung hier ein wenig ungestörter genießen zu können. So bleiben uns die malerischen Fotos von einsamen Steinbecken im Wasserfall verwehrt, die wir aus anderen Reiseblogs und auf Instagram gesehen haben. Denn hier planscht, kichert und klickt es aus allen Ecken. Trotzdem sind dieser Wasserfälle ein tolles Naturschauspiel und einen Besuch wert.

Nach einem anstrengenden Aufstieg über glitschige Stufen kommen wir an einem größeren Becken an, in dem wir eine Runde schwimmen wollen. Das Wasser ist eiskalt und bietet eine herrliche Erfrischung, aber man muss ständig in Bewegung bleiben, um nicht von den vielen kleinen Fischen angeknabbert zu werden.

Nach der Abkühlung wagen wir uns an das grob zusammengezimmerte Geländer an der Kante des Wasserfalls. Von hier kann man wunderbar den Blick ins ewig grüne laotische Hinterland schweifen lassen oder den Wassermassen zuschauen, wie sie sechzig Meter in die Tiefe stürzen.

Den Rückweg nehmen wir schließlich über einen matschigen Waldweg, vorbei an unzähligen Schmetterlingen, grüßen noch einmal die Kragenbären und schwingen uns wieder auf den Roller.

Am Abend bummeln wir am Flussufer entlang zur Ortspitze und genießen den Sonnenuntergang über dem Mekong bei leckerem indischen Essen. Dann heißt es Anstoßen: mit unseren englischen Freunden und anderen netten Leuten aus ihrem Hostel treffen wir uns, um Megs Geburtstag zu feiern.

Mit dem Songthaow geht es zu einer beliebten „top secret“ Partylocation Luang Prabangs: einer Bowlingbahn außerhalb der Stadt. Wir rumpeln durch dichten Regen gefühlt ewig durch die Nacht, bis wir an einer ziemlich einsamen Auffahrt stehen bleiben.

Aber tatsächlich begrüßt uns ein gut gelaunter Laote und bittet uns in das Etablissement herein. Wir bowlen, trinken und feiern bis in die frühen Morgenstunden und versuchen uns, nach einigem hochprozentigem Zielwasser, sogar am Bogenschießen.

An unserem zweiten Tag in Luang Prabang nehmen wir uns die Unesco-Weltkulturerbe-gekürte Innenstadt vor. Genau im Zentrum liegt der Hügel Mount Phousi, auf dessen Gipfel ein kleines Wat, also ein Tempel thront.

Über 300 Stufen gilt es, zu bewältigen und dabei zwischendurch verschiedene Stationen im Leben des Buddha zu bewundern.

Oben angekommen, umrunden wir das Gebäude und genießen die angenehme Brise und die Aussicht über die Stadt, das Umland und die beiden Flüsse Mekong und Nam Khan, die vor der Spitze der Altstadt zusammenfließen. Wenn man nur oberflächlich hinsieht, erinnern manche Teile der Stadt an Europa, weil wir sonst noch nirgends in Südostasien so viele rötliche Ziegeldächer gesehen haben.

Neben dem Tempel werden winzig kleine, geflochtene Weidenkörbchen mit ebenso winzigen, flatternden Vögeln darin verkauft. Wir fragen nach und scheinbar kauft man die Vögel, wünscht sich etwas und lässt den Vogel dann symbolisch frei.

Als wir vom Tempelberg wieder in die Stadt herabsteigen, werden wir von einem Regenschauer erfrischt und nutzen das als Grund für eine kurze Café-Pause im schönen Big Tree Cafe.

Danach lassen wir den Royal Palace links liegen und steigen dafür die Stufen zumWat Xieng Thong hinauf. Diese weitläufige Tempelanlage glitzert und glänzt und zeigt, was Laos Handwerkskunst zu bieten hat: Fein geschnitzte Türen, Spiegel- und Glasmosaiken und prachtvolle, goldene Verzierungen an allen Ecken und Enden.

Bis 1975, als die Monarchie in Laos abgeschafft wurde, fanden hier auch die Krönungszeremonien der laotischen Royal Family statt.

Die Anlage verlassen wir durch ein Tor auf die Sakkaline Road und finden uns in einer breiten Straße wieder, die von hübschen Häusern im französischen Kolonialstil gesäumt ist. Hier kommen wir an einigen schönen Läden, Bäckereien, die Baguettes und Croissants verkaufen und kleinen Boutique-Hotels vorbei.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erstreckt sich ein Klostergelände, wo gerade ein paar junge Mönche fegen und Wäsche aufhängen. Über der Stadt liegt, trotz der vielen Touristen, eine gewisse Ruhe und Unaufgeregtheit, die sich auch auf uns überträgt. Wir schlendern noch eine Weile durch die Straßen, bevor wir langsam wieder Hunger verspüren.

Am frühen Abend treffen wir uns noch mal mit Will und Meg, die uns das kleine Bamboo Garden Restaurant zeigen, wo wir das (nach Lisas Meinung) allerbeste Pad Thai genießen, dass wir je gegessen haben (und auch in den letzten Wochen in Südoastasien essen werden!). Das Restaurant hat gerade mal drei Tische und der Laden wird alleine von einer munter auf ihre Kinder einschnatternde Köchin geschmissen. Danach trinken wir noch ein paar leckere Cocktails im LaoLao Garden und verabschieden uns fürs Erste wieder voneinander. Vielleicht werden sich unsere Reiserouten in Thailand noch einmal kreuzen.

Der nächste Tag ist verregnet und wird genutzt, um den Blog zu pflegen und die Weiterreise zu planen. Unser letztes Ziel in Laos, bevor es nach Thailand geht, ist Nong Khiaw. 140 km nördlich von Laos am Fluss Nam Ou gelegen, ist Nong Khiaw umgeben von Karstbergen und beliebter Ausgangspunkt für Touren mit dem slow boat zu kleinen Dörfern, Höhlen (was sonst?) und Wasserfällen (eh klar!) in der Umgebung.

Ein Kleinbus holt uns am Tag darauf ab und gemeinsam mit ein paar Touristen und zwei jungen Mönchen, die wir auf dem Weg aufgabeln, geht es durch die regennasse Landschaft. Am Vormittag kommen wir am Busbahnhof von Nong Khiaw an und laufen anschließend gemeinsam in die Stadt, begleitet von einem penetranten Nieselregen.

Auf der Suche nach einer Unterkunft klappern wir erst ein paar Häuser am Fluss ab und beobachten ein paar spielende Kinder, die uns kleine Blumensträuße schenken und landen schließlich im Delilah’s auf den Klassiker: Kaffee und WLAN. Wir merken, dass wir außerhalb der Hauptreisezeit unterwegs sind. Zwar gibt es an jeder Ecke einen Touranbieter oder Guesthouses, aber die Stadt ist wie leergefegt und wir sehen auch kaum andere Reisende.

Dabei ist gerade Nong Khiaw den Umweg absolut wert. Wie die Stadt zwischen den riesigen Bergen liegt, verbunden durch eine alte Brücke die sich über den Nam Ou Fluss spannt, ist einfach phänomenal.

Hier begegnet uns auch wieder der Pragmatismus, mit dem die Laoten mit den Überbleibseln des Krieges umgehen. Bombenhülsen findet man hier fast in jedem Café als Bank, an der Brücke als Wegpfeiler und in den Vorgärten als Blumenbeet. Wir quartieren uns im Bamboo Guesthouse ein, zwar nicht mehr als eine einfache Bretterbude, dafür direkt am Fluss gelegen mit Blick auf die große Brücke.

Am nächsten Tag buchen wir eine Slowboat-Tour auf dem Nam Ou, um uns das Umland vom Wasser anzusehen und die kleinen umliegenden Dörfer zu besuchen. Dass Felix in seinem früheren Leben wohl eine Disney-Prinzessin war, wird uns spätestens auf der Bootsfahrt klar: Die Schmetterlinge nehmen mit Vorlieb auf seiner ausgestreckten Hand Platz.

Unser Kapitän schippert uns fachmännisch über den braunen Fluss, entlang an grünen Bergen und dichtem Dschungel. Nach einigen Flussschleifen manövriert er uns auf eine Sandbank, bittet uns auszusteigen und deutet in Richtung Dickicht.

Wir entdecken einen schmalen Pfad, dem wir folgen und der uns direkt in die Arme einiger kleiner Kinder führt, die gerade mit einem alten Motorradhelm Superheld spielen.

Der Weg wird immer breiter und endet in einem kleinen Dorf mit Holzhütten. Anfangs wirkt die Stadt wie im Western zu High Noon – kein Mensch ist zu sehen.

Doch als die ersten Bewohner uns zwei Westerners sehen, öffnen überall die Türen und bunt gemusterte Schals und Decken werden zur Ansicht hinaus gehängt.

Wir schauen einer jungen Frau zu, die zarte Goldfäden in einen filigranen Schal webt und versuchen, die Reihenfolge für das aufwendige Muster nachzuvollziehen. So ein Schal ist auch nicht schwer und passt schon noch irgendwie in unseren Rucksack …

Auf dem Rückweg halten wir noch in Muang Ngoy. Der Ort besteht, soweit wir das beurteilen können, lediglich aus einer langen Hauptstraße, an der es gerade aus allen Höfen brutzelt und brät. Musik schallt aus Boxen in einem geschmückten Garten und ein paar festlich gekleidete Leute huschen uns über den Weg. Ein Geburtstag oder eine Hochzeit wahrscheinlich. Eine Stunde hat uns der Bootsführer in diesem kleinen Ort angekündigt und so kehren wir schließlich noch im Phetdavanh für einen Kleinigkeit zu Essen ein.

Eine Stunde später, zurück in Nong Khiaw, sind wir vom eintönigen Motorenknattern des Bootes und der Hitze richtig kaputt und machen erstmal einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf. Also zumindest versuchen wir es, werden aber von einem Straßenfest um die Ecke wach gehalten.

Halbwegs erholt nehmen wir uns zum Sonnenuntergang noch den Aussichtsberg Padheng Peak vor. Der Eintritt kostet uns je 10.000 Kip und gleich zu Beginn wird man per Schild ermahnt, auf den Wegen zu bleiben, da die Gegend um Nong Khiaw eine der am stärksten bombardierte war und vermutlich noch sehr viele Unheil bringende “bombies” in den dichten Wäldern bereit hält. Wir finden gleich zu Beginn des Anstiegs eine Sonnenbrille auf dem Boden und kurze Zeit später auch den Besitzer dazu: Peter aus Neuseeland, der mit seiner Freundin Bri auch gerade den Anstieg begonnen hat. Gemeinsam bestreiten wir den steilen Weg, unterhalten uns über unsere bisherigen Reiseerfahrungen in Südostasien und weisen einander auf potentiell giftige Kriechtiere auf Boden und Bäumen hin. Die beiden machen gerade Freiwilligenarbeit in einem deutsch-laotischen Projekt, der Bambusschule, einem gemeinnützigen Verein, der sich für die Verbesserung der Schulbildung und der Gesundheit in Laos einsetzt.  Nach einer knappen Stunde kommen wir oben auf dem Aussichtspunkt des Peaks an.

Wunderschön liegen die Flussschleife des Nam Ou, die grünen Hügel und die Häuser Nong Khiaws vor uns im goldenen Licht. Ein paar Spanier haben die hölzerne Aussichtshütte in Beschlag genommen und ihre Ausrüstung aus Hängematten und Decken lässt darauf schließen, dass sie hier übernachten werden. Sicher auch ein spektakulärer Ausblick zum Aufwachen!

Die Sonne verschwindet bald hinter dem gegenüberliegenden Berg und wir warten noch ein paar Fotoknipser ab, bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machen.

Mit Stirnlampen ausgerüstet leuchten wir den Weg und folgen gleich unten angekommen, der Empfehlung von Bri und Peter ins indische Restaurant Deen. Neben leckeren Naan-Broten, Curries und Mangolassies bietet sich hier für uns, die einzigen Gäste, eine besondere Sehenswürdigkeit: Ein Huhn hat es sich mitten auf dem Tisch neben uns bequem gemacht und lässt sich auf keinerlei Scheuch-Versuche der Kellner ein. Jedes Mal, wenn sich jemand dem Tier nähert, plustert sie sich auf und gackert empört, weicht jedoch nicht von der Stelle. Als wir gerade am Zahlen sind dann der Höhepunkt: Die Henne positioniert sich andersherum auf dem Tisch und gibt ein Ei zum Vorschein, dass sie anscheinend gerade gelegt hat. Wir wären gerne noch länger geblieben, um das Schauspiel weiter zu betrachten, uns fallen aber schon fast die Augen zu und so verabschieden wir uns von unseren Wandergefährten und kehren zurück in unsere Holzhütte.

Am nächsten Morgen genehmigen wir uns auf dem Weg zum Busbahnhof noch ein Frühstück in einem kleinen Café, als sich ein deutsches Paar zu uns gesellt. Eigentlich kann es sich nur um die “other Germans” von der Bambusschule handeln, von denen uns Bri und Peter erzählt haben. Klaus und Silke, ungefähr im Alter unserer Eltern, sind mit dem Fahrrad in Laos unterwegs. Sie haben gemeinsam schon einige internationale Tourenfahrten unternommen und ihr nächstes, großes Ziel ist es, mit dem Rad von Laos bis nach Deutschland zu fahren. Die genaue Route steht zu dem Zeitpunkt noch nicht fest und hängt stark von Wetter- und Einreisebedingungen der einzelnen Ländern ab, aber im nächsten Jahr soll es losgehen.

Am Busbahnhof dann ein kurzer Schock: im Minibus ist nur noch ein Platz nach Luang Prabang frei. Wir müssen dringend zurück, weil wir noch für denselben Abend einen Nachtbus nach Thailand gebucht haben. Es wird ein bisschen hin- und her diskutiert, Klaus und Silke helfen mit, und wir dürfen uns am Ende zu zweit auf einen Platz quetschen. Natürlich zum regulären Preis für zwei Passagiere.

Die Fahrt ist unbequem, heiß und stickig, aber wenigstens haben wir nette Gesprächspartner und schaffen es rechtzeitig nach Luang Prabang, um unser restliches Gepäck aus dem Guesthouse zu holen und zu duschen, bevor es mit dem TukTuk wieder zurück zum Busbahnhof geht. Hier sind wir natürlich viel zu pünktlich und können noch einige Zeit lang die Beladungskünste der laotischen Busfahrer beobachten. Es werden sogar Mopeds und Roller auseinandergeschraubt und in die Gepäckräume gestopft.

Dann heißt es, einsteigen und es sich in den wirklich lächerlich engen “Doppelbetten” so bequem wie möglich machen. Es wird eine anstrengende Nacht, aber wir freuen uns auf Thailand, unser letztes Ziel auf dieser Reise, und sind so froh, dass wir Laos eine Chance gegeben haben.

Es hat sich gelohnt!