Das nächste und bereits vorletzte(!) Land auf unserer Reise ist Laos. Es ist uns noch gänzlich unbekannt und nur aus Erzählungen von anderen Reisenden und herumliegenden Lonely-Planet Büchern in Hostels haben wir eine ungefähre Idee von dem, was uns erwartet. 

Aber erstmal sind wir es, die warten müssen. Ein kleiner Bus holt uns morgens von der Nature Lodge in Mondulkiri ab und bringt uns über vier Stunden bis in die Stadt Kratie. An einem staubigen Platz im Stadtzentrum steigen wir in einen größeren Bus und fahren, als es endlich losgeht, schnurstracks in eine Werkstatt. Dort wird irgendetwas festgezurrt während im Bus alle schwitzen, dann geht es weiter. Immer noch in der Stadt, halten wir gefühlt an jedem Gartenzaun und laden, als wirklich jeder Platz besetzt ist, noch zwei Französinnen und ihre Fahrräder ein, bis wir endlich über holprige Straßen aus der Stadt tuckern.

Auch hier wird aufgesammelt und abgeladen, was das Zeug hält und so ist es bereits später Nachmittag, als wir in Stung Treng, dem kleinen Städchen an der Grenze zu Laos, ankommen.
Hier ist offensichtlich Endstation. Nur, einen Grenzübergang sehen wir nicht. Beim Aussteigen und Nachfragen stellt sich heraus: Wir sind drei Stunden zu spät, der letzte Bus zur Grenze ist schon lange weg. Ziemlich genervt nehmen wir das Angebot der nächsten Pension an, neue Tickets für den nächsten Tag zu kaufen und eine Nacht dort zu schlafen.

Wir werden das Gefühl nicht los, dass die angegeben Zeiten bewusst sehr knapp gehalten sind, aber wie zur Entschädigung beglückt uns beim Spaziergang entlang des Flussufers der Himmel mit spektakulären Farben und alles Andere ist vergessen.

Am nächsten Tag ist es dann endlich soweit und wir dürfen mittags mit drei Neuseeländern in einen Van in Richtung laotischer Grenze steigen. Der Fahrer verlässt uns hier, versichert aber, dass ein Kollege auf der anderen Seite wartet. Es wird noch schnell Geld zu einem für uns komplett ungünstigen Kurs gewechselt, dann stapfen wir auf die verlassen wirkenden Gebäude der Grenzbehörden zu. Erst müssen wir offiziell aus Kambodscha ausreisen und dafür eine “Stempelgebühr” zahlen, dann dürfen wir nach Laos einreisen. Quasi im Niemandsland zwischen Kambodscha und Laos treffen wir noch einen Amerikaner ohne Bargeld, dem Felix kurzerhand die Einreise nach Kambodscha auslegt (25 US$, prompt zwei Wochen später zurücküberwiesen – Backpacker müssen zusammenhalten!). 

Auf laotischer Seite werden wir tatsächlich schon erwartet und den kurzen Restweg zur Ablegestelle in Ban Nakasang gefahren, wo uns ein schmales, schaukelndes Motorboot auf dem Mekong zu den 4000 Islands bringt.

Unser Ziel dort ist Don Det, eine der größeren Inseln, wo es keine Straßen oder Autos gibt, dafür zahlreiche Unterkünfte in kleinen Stelzenhütten, wo die meisten Gäste in Hängematten auf der Veranda liegen und höchstens von zu laut knatternden Booten auf dem Fluss gestört werden. Der Reiseführer hat eine verschlafene Dorfidylle versprochen und nach den langen Busfahrten und der Aufregung mit der Grenze ist es genau das Richtige für uns.

Für den Anfang haben wir uns in Mr. Tho’s Bungalows auf der Westseite der Insel eingemietet, wo wir den Rest des Tages lesen in der Hängematte lesen und uns schließlich vom alten Ventilator vor unserem Bett in den Schlaf rattern lassen.

Am nächsten Morgen leihen wir uns beim kleinen Restaurant Crazy Mama Piang nebenan zwei klapprige Räder und eiern über die Lehmwege in Richtung Süden auf der Suche nach Frühstück. Fündig werden wir bei Mama Leuha, einer verträumten kleinen Bungalowanlage mit Hunden, Kühen und einer Horde schlappohrigen Kune-Kune Schweinen, die übers Gelände wuseln.

Nach dem Essen fahren wir weiter und kommen bald bei der Old French Railway Bridge an, die Don Det mit der Nachbarinsel Don Khon verbindet. Die Brücke hat eigentlich keine herausragenden Eigenschaften, außer dass man von ihr einen guten Ausblick über den breiten Fluss und das Geschehen an den Ufern hat, aber trotzdem wird sie in sämtlichen Blogs und bei Tripadvisor als Sehenswürdigkeit erwähnt. Für uns ist sie heute aber einfach Mittel zum Zweck, um auf Don Khon die Wasserfälle und vielleicht noch den alten französischen Hafen zu besichtigen.

Nach einem geringen Wegzoll dürfen wir die Brücke queren und brauchen etwa 20 Minuten, bis wir den Eingang zu den Wasserfällen erreichen. Durch lichten Bambuswald gelangen wir auf eine Grasfläche, die zu großen Teilen unter Wasser steht. Über einen Pfad aus Brettern bahnen wir uns den Weg zum Ufer in Richtung Li Phi Falls.

Wenn man hier einen schön vor sich hin plätschernden Wasserfall erwartet, staunt man nicht schlecht über die braunen Wassermassen, die sich über die zackigen Felsen ergießen. Es sind eigentlich eher Wasserstufen, kein Fall, die sich hier mitten im breiten und schnell fließenden Mekong befinden.

In der Trockenzeit anscheinend ein recht idyllischer Anblick. Dann kann man sich hier vielleicht auch am Ufer niederlassen und in einem der Liegestühle entspannen, die gerade bis zur Hälfte im Wasser versunken sind.

Wir kehren zurück zu den Rädern, stocken noch mal unseren Trinkwasservorrat auf und fahren weiter in den Süden der Don Khon Insel. Zum Glück führt der Weg meist durch schattigen Wald, wo wir immer wieder grasende Wasserbüffel passieren, deren Besitzer geduldig am Straßenrand auf sie warten.

Nach etwa einer halben Stunde sind wir am Old French Port angekommen, der mit einer rostigen alten Lok und einigen Infotafeln von seiner Kolonialvergangenheit erzählt. Der Mekong stellte Ende des 18. Jahrhunderts eine vielversprechende Handels- und Transportroute zwischen den Ländern Indochinas dar. Wären da nicht die unmöglich mit schweren Schiffen zu navigierenden Stromschnellen und Wasserstufen um die Inseln hier im Süden Laos. Deswegen dachte sich ein britischer Ingenieur eine Eisenbahnstrecke über Don Khon aus, die später um Don Det erweitert wurde, um hier unten am French Port speziell für den Transport designte Schiffe auseinanderzunehmen, über die Insel zu fahren und weiter im Norden wieder zusammenzubauen und zu Wasser zu lassen. Ein sehr aufwändiges und umständliches Unterfangen, das nicht länger als 40 Jahre in Betrieb war und spätestens seit dem zweiten Weltkrieg nicht weiter genutzt wurde.

Angeblich soll man hier im Fluss auch manchmal die rosa Irrawaddy Delfine zu sehen bekommen, in der Regenzeit mit dem hohen Wasserstand ist es aber sehr unwahrscheinlich. Die drückende Mittagshitze hat uns müde gemacht und so schwingen wir uns nach einer kleinen Pause wieder auf die Räder und treten den Rückweg nach Don Det an. Die Hängematte ruft!

Zum Sonnenuntergang wollen wir auf der westlichen “Sun Set Side” der Insel sein und uns irgendwo ein gutes Abendessen und Beer Lao schmecken lassen.

Am frühen Abend brechen wir also auf und sind sofort gebannt von der unglaublich schönen Kulisse im Inselinneren. Die Abendsonne glitzert im Wasser der Reisfelder und immer wieder begegnen wir aufgeregt winkenden Kindern, die laut “hello” rufen.

Wir erreichen eine Tempelanlage, wo gerade orange gekleideten Mönche Wäsche aufhängen und den Rasen mähen.
Am westlichen Ufer angekommen fahren wir vorbei an verlassenen Hütten und Bunglalows zum kleinen Restaurant
Garden of Nang, das leider zu hat (aber wenn ihr auf Don Det seid, müsst ihr da hin – es sieht so schön aus!).

Nach kurzer Suche finden wir dann die Easy Go Bar wo wir den goldenen Sonnenuntergang über dem Fluss und die Anwesenheit zweier winziger Katzenbabys genießen. Später geht es in der Dunkelheit über die Felder zurück zu unserer Unterkunft.

Unseren letzten vollen Tag auf Don Det genießen wir gaaaaaaanz entspannt auf der Terrasse von Mama Piang, die wir inzwischen näher kennengelernt und ins Herz geschlossen haben. Viel Englisch spricht sie nicht, dafür lacht sie ganz laut und hat ständig irgendeine Katze auf dem Arm. Sie organisiert uns auch für den nächsten Tag einen Bootstransfer mit Busanschluss und macht, unter anderem, den besten Coconut Coffee.

Der erste Eindruck macht uns schon mal sehr froh, dass wir Laos trotz Unwissen nicht aus unserer Route weggelassen haben. Am nächsten Morgen geht es nach einem Pfannkuchenfrühstück bei Piang mit ihrem Mann zurück zum Hafen von Ban Nakasang. Als wir ablegen, steht sie oben am Terrrassengeländer, winkt und ruft uns noch “Dankeschön” hinterher, während Sie sich eine schwarz-weiße Katze um ihren Hals schlingt. Ein schönes Bild zum Abschied von der keinen Insel im Mekong.

Am Busbahnhof treffen wir auch die Neuseeländer wieder und betreten mal wieder einen vollen Bummelbus, der uns über Pakse nach Thakek bringt.