Hoi An wurde uns vorher von vielen anderen Reisenden und Freunden als schönste Stadt Vietnams angekündigt, wir haben also große Erwartungen. Es hat sich in der Nacht ausgeregnet und so machen wir uns am nächsten Morgen den mit klapprigen Fahrrädern, die unsere Unterkunft zur Verfügung stellt, auf den Weg in die Altstadt.

Zuerst landen wir beim Central Market, wo es überall dampft und duftet und viele Einheimische mit klassischem asiatischen Kegelhut unterwegs sind. Hier finden wir auch die für Hoi An berühmten Cao Lau Nudeln, die angeblich mit Wasser aus einer geheimen Quelle zubereitet werden.

An jeder Ecke des Marktes wollen uns findige Geschäftsleute in die Schneidereien und Schuhläden von Cousine, Schwager oder Schwiegersohn entführen. Glücklicherweise können wir uns in ein kleines Café in einer Seitenstraße flüchten, wo wir unseren chilenischen Freund Pablo treffen.

Wir freuen uns über die Ruhe an diesem schönen Ort, wo wir zur Abwechslung mal die einzigen Touristen sind. Nach einem Eiskaffee fühlen wir uns wieder bereit für den Stadtbummel und erkunden weiter die Altstadt.

Auf Fotos von Hoi An sieht man immer hübsche Straßenzüge, über denen bunte Laternen baumeln und auf der Suche nach diesem Bild sind wir auch, als wir uns am Abend mit Vicky und Dan auf einen Drink auf einer kleinen Insel im Fluss treffen. Touristen strömen in Massen über die Brücke und die Läden sind bis spät geöffnet, um der Shoppinglaune keinen Abbruch zu tun.

Für den nächsten Tag haben wir gemeinsam mit Vicky und Dan einen vietnamesischen Kochkurs gebucht. Doch bevor wir in die hohe Kunst der Pho-Suppe und der Frühlingsrolle eingeführt werden, geht es mit Lehrerin Linh auf den Markt, um Zutaten einzukaufen. Zu unserem größten Widerwillen werden der ganzen Gruppe diese vietnamesischen Reishüte ausgeteilt.

Wohl als Gag, oder um die Gruppe von anderen Kochschulen zu unterscheiden, aber wir fühlen uns wie die letzten Touristenhorste. Mit beschämt eingezogenem Kopf geht es also durch den Markt, wo uns Linh die verschiedenen Gewürze, Kräuter und Gemüse erklärt. Zum Glück eignet sich der Hut auch hervorragend als Fächer oder als Sichtschutz in der Fleischabteilung des Marktes.

Nachdem wir fertig eingekauft haben, werden wir mit einem Van zur Kochschule Golden Lotus gebracht. Die Küche ist überraschend modern und erinnert ein wenig an ein Fernsehkochstudio.

Wir werden sofort in Schneide- und Hackarbeiten eingespannt und jeder werkelt an seinem ausgewählten Rezept. Für uns sind das Pho Bo Suppe, Aubergine im Tontopf und vegetarisches Cao Lau. Mit uns kocht eine fünfköpfige italienische Familie und jeder wuselt herum und bemüht sich, dass nichts anbrennt oder überkocht.

Jedes Mal, wenn ein Gericht fertig ist, werden alle von ihren Posten abgezogen und es geht ans Probieren. Wir starten mit vietnamesischen Reispfannkuchen und selbstgemachten und -gerollten Frühlingsrollen. Es folgen diverse Stir Frys, gebratener Reis und Suppen.

Mittlerweile dampft es auf jeder Kochplatte und wir alle kommen richtig ins Schwitzen. Da wir jeweils ein Gericht auswählen durften und neun Personen zählen, sind wir nach den ersten sechs Gängen schon richtig voll, aber Linh ermutigt uns immer wieder das nächste Gericht zu probieren. Als Felix Pho Suppe endlich fertig ist, hat die Hälfte der Gruppe bereits aufgegeben und er löffelt sie ganz alleine und die restlichen vier Liter Brühe finden ihren Weg ins Tiefkühlfach.

Teilweise läuft in der Küche so viel gleichzeitig ab, dass man ein bisschen den Überblick verliert, wer gerade was macht und kann so kaum nachvollziehen, wie die Rezepte funktionieren. Aber kann man ja alles Zuhause nochmal nachlesen.

An unserem letzten Tag in Hoi an nehmen wir uns noch ein wenig Kultur vor. Es gibt in der Altstadt einige “Ancient Houses”, die quasi den ursprünglichen Wohnraum einer vietnamesischen Familie zeitlich eingefroren haben. Der Eintritt ist gratis, aber natürlich hat jede Familie mindestens auch einen Silberschmied, eine Schneiderin und einen Schreiner parat, die ihre Kunstwerke bei den Führungen an den Mann und die Frau bringen wollen.

Wir werden durch die verschiedenen Räume geführt und bewundern vor allem die detaillierten Drechselarbeiten an den Türen und Holzmöbeln. Ein witziger Mann erklärt uns die verschiedenen Holzwerkzeuge und zum Abschluss bekommen wir sogar noch Tee und Kekse serviert.

Nebenan finden wir ein kleines Familienrestaurant, das sehr gutes Banh Mhi serviert, Phi Banh Mhi. Hoi An soll nämlich noch bessere Banh Mhis als Hanoi haben und der beliebteste Imbiss Banh Mhi Phuong hat jeden Tag eine ewig lange Schlange vor der Türe.

Dann steht noch die Precious Heritage Art Gallery auf dem Programm, ein kleines Museum, das die Fotografien des Franzosen Réhahn ausstellt, der über fünf Jahre durch die entlegensten Gegenden Vietnams und Laos gereist ist, um indigene Volksstämme aufzuspüren und deren Traditionen und Handwerkskünste für die Öffentlichkeit und die Nachwelt zu bewahren.

Hoi An ist wirklich eine hübsche Stadt, klein und überschaubar, mit vielen engen Gassen und toller Esskultur. Und wer zum Shoppen herkommt, ist hier sowieso gut aufgehoben. Wir waren von den ständigen Verkaufsmaschen an jeder Ecke schnell genervt und haben uns lieber an ruhigere Orte zurückgezogen – hier ein großes Dankeschön an Pablo für seine Tipps und Ortskundigkeit!