Ninh Binh und Phong Nha –  zwei Orte, die uns vor unserer Vietnamreise noch gänzlich unbekannt waren, stehen nach der Großstadt Hanoi und der grünen Reisfeldkulisse von Sapa auf dem Programm. Was uns dort erwartet? Ninh Binh wird von vielen als “Ha Long Bucht zu Land” beschrieben und Phong Nha hat unheimlich viele Höhlen (unter anderem die größte Höhle der Welt) zu bieten. Genug Kurioses also, was uns per Open-Bus-Ticket in die beiden Regionen lockt.

Das Open-Bus-Ticket ermöglicht es, Vietnam einmal komplett der Länge nach zu bereisen und an den wichtigen Sehenswürdigkeiten Halt zu machen. Dabei muss man den Reisetermin immer ein bis zwei Tage im Voraus bei einem Touroffice vor Ort bestätigen. Je nach Distanz fährt man über Nacht in einem Sleeper Bus oder für kürzere Strecken in einem Minibus mit normalen Sitzen. Für unser Open-Bus-Ticket von Hanoi im Norden bis Ho Chi Minh City im Süden mit zehn Stopps zahlen wir ca. 50 USD pro Person. Weil wir zur Zeit der Buchung nicht wussten, dass es einige verschiedene Busanbieter gibt, haben wir einfach genommen, was uns angeboten wurde. Erst eine spätere Google-Suche ergibt, dass unser Anbieter Camel Bus mit einem von fünf Sternen der am schlechtesten bewertete Anbieter ist. Ups! Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass die anderen Anbieter im Internet auch nicht besser abschneiden.

Als unser Bus nach vier Stunden von Hanoi anhält, stellen wir erstmal fest, dass wir nicht in Ninh Binh, sondern in einem Ort namens Tam Coc gelandet sind. Aber die beiden Orte sind nicht weit voneinander entfernt und so suchen wir uns schnell eine Unterkunft, bevor wir die Gegend erkunden.

Zuerst steht eine Bootstour in Trang An auf dem Programm. Zwischenzeitlich haben sich Dan und Vicky wieder zu uns gesellt und auf zwei Rollern düsen wir in Richtung Trang An Ecotourism Complex. Die Besonderheit hier: man paddelt auf einem ruhigen Fluss, der sich durch die schöne Karstberglandschaft schlängelt und fährt dabei durch mehrere Höhlen hindurch.

Navigiert wird das Ruderboot von drahtigen Vietnamesinnen. Wahnsinn, wie diese kleinen Frauen ganz alleine die schmalen Boote mit bis zu vier Touristen die Windungen des Flusses entlang rudern. Aber lange staunen wir nicht, denn sobald wir aus dem Blickfeld der Bootstelle verschwunden sind, animiert unsere Kapitänin, auch Ruder in die Hand zu nehmen und mitzumachen. Zum Glück gibt’s nur zwei extra “Paddel” (kurze Bambusstöcke mit Plastikkellen) und so wechseln wir untereinander ab.

Die langen Ruder hinten am Boot bedienen die Frauen zwischendurch immer mal wieder mit den Füßen, das muss man sich dann eher wie Fahrradfahren vorstellen.

Funktioniert aber gut und sie bringt uns sicher durch alle Höhlen, an einigen Tempeln vorbei und wir haben so unfreiwillig auch noch ein kleines Arm-Workout bekommen.

Am nächsten Morgen steht der Aufstieg auf den Mua Cave Aussichtspunkt auf unserem Programm. Wir fahren an einem plätschernden Bach entlang und beobachten hunderte flauschiger gelber Entchen, wie sie sich am Ufer aneinanderkuscheln und mutige Schwimmversuche unternehmen.

Wir parken den Roller auf dem vorgesehen Parkplatz, bezahlen den Eintritt (100.000 VTD) und stapfen los durch die gepflegte Garten- und Tempelanlage. Am Fuße des Berges finden wir eine Teich-und Kanallandschaft vor, die an den chinesischen Teil in botanischen Gärten erinnert und bereiten uns mental auf die fast 500 steilen Stufen vor, von denen uns schon Dan und Vicky vorgeächzt haben.

Beschwingt geht es los und nicht ganz so beschwingt kommen wir nach 20 Minuten oben an. Der Schweiß fließt, die Beine zittern, aber der Ausblick ist wirklich schön. Wenigstens zur anderen Seite hinunter, wo sich der Ngo Dong Fluss durch die dramatischen Karstfelsen hindurchschlängelt.

Zur anderen Seite ist die Landschaft flach bis auf ein paar Felsen, die hier und da aus der Erde sprießen und ansonsten von Ackerland und einigen hässlichen Fabriken geprägt. Oben auf dem Aussichtspunkt befindet sich eine kleine Pagode mit Altar und auf dem Bergkamm wacht ein langer, weißer Drache über die Szenerie.

Am Nachmittag macht sich Felix mit Vicky und Dan auf den Weg zur Bai Dinh Pagode, der größten Tempelanlage Vietnams, die bis auf einen alten kleinen Tempel erst 2010 komplett fertig gestellt wurde.

Die Ausmaße der ganzen Anlage sind wahnsinnig. Auf über 700 Hektar können hier Buddhisten ihrem Glauben nachgehen, allerdings erst, nachdem sie vom ähnlich großen Parkplatz mit Elektro-Shuttles zum Eingang chauffiert wurden. Wir nehmen den Fußweg und klettern die zahlreichen Stufen entlang von hunderten Statuen von Gelehrten und Heiligen.

Viele der Statuen sind an manchen Stellen schon ganz abgegriffen und speckig von den vielen Händen der Gläubigen. Den kleinen Turm mit einer riesigen Glocke können wir noch besichtigen, bevor sintflutartige Regengüsse herunterprasseln und uns eine gute Stunde zum Warten verdonnern.

Mehrmals überlegen wir, kurze Teilstücke des Weges durch den Regen zu rennen, um wenigstens die überdachten Teile der Anlage anschauen zu können, aber es haut das Wasser nur so literweise runter.

Irgendwann hört es dann doch endlich auf und wir können uns die große Halle mit ihren drei goldenen Buddhastatuen ansehen. 34m hoch und 59m lang erstreckt sich das Gebäude und alles glänzt und glitzert nur vor Gold und Silber.

Natürlich finden wir auch hier wieder jede Menge Opfergaben vor den Statuen, inklusive Wasserflaschen und Kekse, allerdings mengentechnisch an die Größe der Statuen angepasst.

Zum Schluss gönnen wir uns dann noch gegen einen schmalen Obulus die Aufzugfahrt auf den hohen Turm. Am Eingang bekommen wir witzige Schuhschoner ausgeteilt um den empfindlichen Marmorboden nicht zu zerstören. Die Eingangshalle strahlt uns wieder in prunkvollem Gold entgegen.

Oben angekommen, schleichen wir durch eine weitere Halle mit prachtvollen Verziehrungen und einer weiteren Buddhastatue, bevor wir hinaustreten und den grandiosen Panoramablick genießen.

Zurück in Ninh Binh geht es am Abend wieder in einen Nachtbus, 400km südlich und landeinwärts nach Phong Nha. Hier haben wir uns auf Empfehlung zu viert ins Easy Tiger Hostel eingebucht.

Weil der Bus hier immer früh um fünf ankommt, bietet das Hostel seinen Gästen an, in den zahlreichen Hängematten am Pool zu chillen, bis man zu humaneren Zeiten dann einchecken kann.

Ziemlich gerädert von der Busfahrt schleichen wir danach zum Frühstück im Hostelrestaurant und da werden sofort die Lebensgeister wieder geweckt, die Auswahl ist nämlich riesig und das Essen sehr lecker. Burger, Falafel, Pizza, Pancakes, French Toast, Smoothies …
Der Pool sieht auch super aus und ab 17 Uhr gibt es Freibier solange der Vorrat reicht. Alle sind selig und nach dem Frühstück hören wir uns einen Info-Talk darüber an, was man alles in der Gegend machen kann. Höhlen sind die offensichtliche Attraktion, aber es gibt auch einen weitläufigen Nationalpark, den man mit Rollern oder Jeep-Touren erkunden kann. Am skurillsten ist wohl das Restaurant, wo man sich eigens ein Huhn aussuchen und es sogar schlachten darf, bevor es frisch für einen zubereitet wird.

Wir fangen erst mal mit der Phong Nha Höhle an, die mit Motorboot über den Son Fluss erreicht wird. Nach einer halben Stunde fahrt gleiten wir auf den imposanten Eingang der Höhle zu und verrenken uns beim Hineinfahren die Hälse nach den unzähligen Tropfsteinformationen an der hohen Decke.

Im Vietnam-Krieg wurde die riesige Höhle genutzt, um Munition zu lagern. Das Boot dreht eine kleine Runde und entlässt uns dann im Inneren auf einer Sandbank, von wo aus wir selbstständig auf Entdeckungstour gehen dürfen.

Wir bewundern die haushohen Stalagmiten und Steinsäulen und kommen nach etwa zehn Minuten wieder am Höhleneingang ans Tageslicht. Steile Treppenstufen führen rechts vom Eingang nach oben zu einer weiteren Höhle. Es ist heiß und wir überlegen lange, ob wir uns schon wieder so einen Aufstieg antun sollten, aber wenn wir schon mal hier sind … fluchend und schwitzend geht es hinauf, vorbei an unzähligen Verkaufständen, wo wir immer wieder atemlos “Nein, danke” keuchen müssen.

Wegen der Hitze und der großen Anstrengung kommen nicht viele Leute hier hoch und dabei verpassen sie wirklich etwas. Die obere Höhle ist fast noch eindrucksvoller, denn man steigt hier von oben über eine Treppe ins Berginnere und kann die Höhle über Stege, die einen Rundweg bilden, begehen.

Zwischendurch muss man sich sogar zwischen zwei Stalagmiten durchquetschen, um auf die andere Seite zu gelangen. Die ganze Höhle ist mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, was auf der einen Seite wunderschön aussieht, auf der anderen Seite das natürliche Wachstum der Tropfsteine behindert und offensichtlich sämtliche Tiere vertrieben hat, wie uns ein Schweizer Höhlenexperte in der Mitte des Rundgangs erklärt.

Wir lassen unseren Blick noch einmal durch die Höhlenlandschaft schweifen, bevor es wieder hinunter zum Boot und zurück nach Phong Nha geht.

Der nächste Vormittag ist für Entspannung am Pool reserviert, bevor wir uns am späten Nachmittag zwei Fahrräder ausleihen und in Richtung Fluss losradeln. Wir fahren durch Wohnsiedlungen und vorbei an Reisfeldern, in denen sich die Wasserbüffel abkühlen.

Aus den Häusern kommen Kinder gerannt, um laut “Hello” zu rufen und dann kichernd wegzurennen, wenn man ihnen antwortet. Es ist nicht leicht, die Fahrräder über die mit Schlaglöchern gespickte Straße zu navigieren, vor allem wenn es so viel zu sehen gibt.

Der Himmel ist wolkenverhangen und die Sonne will schon langsam untergehen, als wir am Phong Nha Farmstay ankommen, einem Restaurant am Rande von Reisfeldern. Mit Blick auf die Wasserbüffel, die Berge im Hintergrund und untermalt von stimmiger Live-Musik genießen wir hier leckere Pho Suppe und zwei kühle Feierabendbier, bevor es in der Dunkelheit wieder zurück zum Hostel geht.

Am nächsten Tag trennen sich für uns – zum ersten Mal auf dieser Reise – die Wege für mehr als 24 Stunden. Lisa hat ein Date mit dem Pool und einem Buch, Felix geht auf große Höhlenexpedition. Fortsetzung folgt!