Moderne Architektur, ein Mix der Kulturen und Straßen, die so sauber sind, dass man für Kaugummikauen verhaftet wird – so hatten wir uns Singapur vorgestellt. Das Versprechen einer asiatischen Metropole klingt verlockend, auch wenn wir gerne noch länger in Bali geblieben wären.

Mit dem Shuttle-Bus geht es spätabends vom Flughafen in die Stadt und ins Viertel Little India, wo wir für drei Nächte im Hostel untergebracht sind. Durians sind in der Unterkunft zum Glück verboten.

Am nächsten Morgen machen wir uns zu Fuß auf Entdeckungstour. In Little India finden wir alle 100m einen bunten Hindu-Tempel mit großem Schuhsalat vor der Tür und waberndem Räucherstäbchenduft. Dazu ist das Viertel natürlich geprägt von indischen Restaurants, ein Paradies für Vegetarier! Besonders toll ist das MTR, wo man sich nicht von der ewigen Warteschlange vor der Tür abschrecken lassen darf.

Ein paar Straßen weiter finden wir die riesige Masjid Sultan Moschee, ein Traum aus 1001 Nacht. Leider sind wir gerade in den letzten Tagen des Fastenmonats hier und für die Feierlichkeiten von Eid al-Fitr ist die Moschee für Besucher geschlossen. Schade, hier kann man sich nämlich normalerweise von Freiwilligen herumführen lassen und Fragen zur Geschichte, Religion und dem Gebäude stellen.

Von der Moschee führt die passend fürs Viertel benannte Arab Street weg, mit vielen einladenden Cafés und Kebab-Restaurants. Aber noch hält sich der Hunger in Grenzen und wir schlendern die benachbarte Haji Lane entlang. Hier reiht sich ein buntes Häuschen ans nächste, es gibt Juice Bars, trendige Boutiquen, Fahrradläden, Yoga-Studios.

Der größte Anteil der Einwohner Singapurs (fast 75%) ist chinesischer Herkunft, deswegen können wir uns natürlich auch Chinatown nicht entgehen lassen. Wir treten aus der U-Bahn ans Licht und werden von kuriosen Gerüchen und bunten Laternen entlang der Ladenzeilen begrüßt.

Nach kurzem Blättern durch die Speisekarten der (überteuerten) Restaurants finden wir ein chinesisches Einkaufszentrum mit einem unglaublich wuseligen Food Court. Überall dampft es aus den kleinen Garküchen und dazwischen drängen sich die Leute auf unbequeme Plastikstühle und an dreckige Tische. Aber soweit das Auge reicht nur Einheimische, und da isst man bekanntlich am besten. Das Essen kostet hier auch nur einen Bruchteil von den Angeboten draußen in der Touristenstraße.

Bevor wir Chinatown wieder verlassen, machen wir noch einen Abstecher in den Buddha Tooth Relic Temple. Mit seinen ausladenden Pagodendächern über vier Stockwerke ragt er majestätisch über die umliegenden Gebäude. Ein mutmaßlicher Zahn Buddhas, der dort aufbewahrt wird, ist Namensgeber und Alleinstellungsmerkmal unter den Tempeln. Passenderweise gibt es hier auch fertige Opfergaben-Pakete mit Zahnpasta zu kaufen.

Es ist wahnsinnig heiß und stickig in der Stadt, deswegen fahren wir bald nur noch U-Bahn und folgen einer Route durch unzählige Shopping Malls um von A nach B zu kommen. So legen wir etwa zehn Blocks über ein angenehm heruntergekühltes Netz an Einkaufszentren und überdachten Verbindungsbrücken zurück, um zur Esplanade an der Marina zu kommen. Singapur scheint überhaupt zum großen Teil aus Einkaufszentren zu bestehen.

Als wir zwischen den Malls Bugis Junction und Marina Square kurz aus unserem Klimaanlagenparadies an die Oberfläche tauchen müssen, stoßen wir auf das National Design Center. Dort findet gerade eine Ausstellung der Abschlussarbeiten von Studenten im Fach Design statt und wir schlendern neugierig durch die Reihen an App-Entwürfen, kreativen Verpackungsideen und Print-Medien. Abschließend gönnen wir uns noch einen teuren, aber sehr leckeren Kaffee im Museumsshop und wappnen uns wieder für die Hitzewand vor der Tür.

Das wohl bekannteste Wahrzeichen Singapurs, neben dem putzigen, wasserspeienden Meerlöwen “Merlion”, ist das Luxushotel Marina Bay Sands. Im Untergeschoss gibt es natürlich wieder eine weitläufige Mall, mit venezianisch inspirierten Wasserkanälen, einer Eislauffläche und unzähligen Designer-Läden. Das ArtScience Museum befindet sich in einem blumenförmigen, futuristischen Gebäude direkt daneben.

Auf der Dachterrasse, die die drei wolkenkratzerähnlichen Gebäude des riesigen Hotelkomplexes miteinander verbindet, kann man nobel Cocktails schlürfen und die Aussicht über Singapur genießen.

Wir fühlen uns in unseren verschwitzten Klamotten und Birkenstocklatschen aber alles andere als nobel und ersparen uns kurzentschlossen die Schmach, wahrscheinlich an der Türe abgewiesen zu werden.

Jeden Abend findet an der Marina eine Licht- und Wassershow statt und wir schnappen uns vor Sonnenuntergang an der Promenade bei Marina Square einen Platz in der ersten Reihe.

Bevor die Show beginnt, dürfen wir noch ein gratis Konzert des National University of Singapore Alumni Orchestra (NAO) in einem Amphitheater genießen. Wir hören eine Auswahl bekannter Filmmusikstücke, von Fluch der Karibik über Harry Potter bis zu Sound of Music. Kurz nachdem der letzte Paukenschlag verklungen ist, startet ein Feuerwerk auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens. Das kommt unerwartet, aber wir freuen uns natürlich trotzdem! Das wäre doch nicht nötig gewesen!

Wir warten dann noch eine weitere volle Stunde auf die Lasershow, nur um dann zu merken, dass man die eigentlich von der anderen Seite des riesigen Hafenbeckens anschauen müsste.

Die weitere offensichtliche Attraktion der Stadt sind die Gardens by the Bay, die sich auf einem weitläufigen Areal hinter dem Hotel erstrecken. Dieser riesige botanische Garten beherbergt neben unzähligen Themengärten und Skulpturen die sogenannten Super Trees, den Cloud Forest und den Flower Dome.

Die Super Trees, 25-50 Meter hohe Baumskulpturen, sind rund um Ihren “Stamm” mit Blumen, Farnen und Moos bepflanzt und ihre “Baumkronen” dienen als Belüftungsschächte für die Gewächshäuser, Regenwasserspeicher und sind teilweise mit Solarzellen ausgestattet. Abends bunt beleuchtet prägen sie so das moderne Stadtbild Singapurs.

Im Cloud Forest, der von außen wie ein riesiges muschelförmiges Gewächshaus aussieht, finden wir eine komplett andere Welt. In der Mitte türmt sich ein 35 Meter hoher Nebelberg inklusive Wasserfall auf, der das feuchte Klima tropischer Berglandschaften imitiert.

Hoch auf die Spitze geht es mit dem Aufzug, runter über einen breiten Steg, der sich wie eine Spirale um den Berg windet. Wir finden Farne, Orchideen, fleischfressende Pflanzen und exotische Bäume, ständig eingehüllt von einem ganz feinen Sprühnebel. Dieser bringt die Temperatur auf angenehme 23-25 Grad Celsius und wir lassen uns Zeit und genießen den Weg nach unten mit Ausblick auf die Stadt.

An jeder Ecke und Biegung des Stegs fallen uns neue Zusammenspiele aus der organischen Pflanzenwelt und den geometrischen Formen des Daches auf. Im Inneren des Berges treffen wir schließlich noch auf glitzernde Salzkristalle, bevor wir die letzte Kurve der Gangway betreten.

Nachdem wir noch einmal komplett um den Hügel herumgeführt wurden, kommen wir in den “Keller”, in dem nochmals gefühlt weitere tausend neue Pflanzenarten auf uns warten.

Um der Stadt zu entfliehen, fahren viele Einwohner Singapurs am Wochenende “raus” nach Sentosa Island. Diese künstlich angelegte Vergnügungsinsel zehn Kilometer südlich der Stadt ist mit Zugstrecke und einer Brücke an das Festland angebunden und leicht erreichbar. Dort findet man künstliche Strände, den Universal Studios Freizeitpark, Hotels, Kinos, einen Tierpark und Aquarium. Wir interessieren uns nach dem Trubel der Stadt vor allem für den Strand und marschieren nach zehnminütiger Zugfahrt dorthin los.

Auch hier ist einiges los und nach kurzer Einschätzung der Schlange an Leuten, die sich vor der Hängebrücke zum “südlichsten Punkt Kontinentalasiens” anstellen, teilen wir uns auf. Lisa sitzt am Strand, Felix geht auf Fotojagd. Das Wasser hält leider keine Erfrischung bereit, sondern hat eher Badewannentemperatur und obwohl die Landschaft zum Plantschen einlädt, stehen die Containerschiffe und Frachter, die in nicht allzu großer Entfernung ankern, im krassen Kontrast zum künstlichen Inselidyll.

Leute zu beobachten ist auch sehr unterhaltsam, zum Beispiel eine Gruppe, die eine Art “Blinde Kuh” im hüfthohen Wasser zu spielen scheint. Wir beobachten das Schauspiel gute zehn Minuten, können aber bei bestem Willen die Spielregeln nicht nachempfinden.

Als es zurück in die Stadt gehen soll, stehen wir scheinbar mit halb Singapur am Zuggleis an und verbringen dann die Rückfahrt zwischen Kinderwägen und Kühlboxen eingequetscht im Waggon.

An unserem letzten Abend in der Millionenstadt verschlägt es uns zum Clarke Quay, einem belebten Ausgehviertel, wo sich Bars und Restaurants aneinander reihen. Die Auswahl ist also riesig und macht die Entscheidung bekanntermaßen qualvoll. Am Ende schrecken uns an den meisten Orten die Preise ab und wir landen auf der gegenüberliegenden Seite in einer Pizzeria mit Happy Hour.

Drei Tage in Singapur haben uns auf jeden Fall gereicht. Auf der einen Seite sind der Kulturen-Mix und die architektonische Vielfalt wirklich sehenswert, auf der anderen Seite tut das Preisniveau dem Reisegeldbeutel weh. Die Stadt ist auf jeden Fall ein Paradies für Shoppingliebhaber, aber wir reisen ja mit leichtem Gepäck.