Nach dem grünen Dschungel Ubuds ziehen wir um ans Meer. Von Canggu (sprich: Dschangu) hatten wir viel Gutes gehört, denn es soll trotz riesigem Angebot nicht so überlaufen und touristisch sein wie die Nachbarorte Kuta und Seminyak.

Unsere neue Unterkunft kann sich auch sehen lassen: die kleine Bungalow-Anlage steht mitten im Reisfeld, mit Pool und Badezimmern unter offenem Himmel. Dazu noch der immer breit grinsende Gastgeber Nengah, der uns für 50.000 Rupiah pro Tag (3,30 €) auch gleich den Rollerschlüssel in die Hand drückt.

Zu Fuß sind wir zwar in zehn Minuten am Echo Beach, um in den Ort zu kommen, müssen wir aber mit dem Roller außen herum eine Landstraße entlang brausen, die wir bald schon wie im Schlaf navigieren können.

Am ersten Abend in Canggu laufen wir über den Strand in den Ort und stoßen am Batu Bolong Beach auf eine herrliche Reggae-Band. Die Lautsprecherboxen sind fast größer als die ganze Bühne und “We jammin’…” schallt in charmant indonesisch-Jamaika-Akzent über den Strand.

Nach einem Sonnenuntergangsbier streifen wir noch ein bisschen durch die Hauptstraße und sind von der Auswahl an Restaurants, Cafés und schönen Läden fast schon überfordert. Hier wird es uns bestimmt nicht langweilig, wir könnten uns morgens, mittags und abends einmal kulinarisch um die ganze Welt essen und hätten trotzdem noch nicht alles probiert. Außerdem gibt es viele kleinere Warungs, die sehr günstig indonesische Gerichte anbieten. Wir können auch endlich Nasi Campur ausprobieren, das wie ein indonesisches Buffet funktioniert. Reis ist die Basis und dann lässt man sich einfach auf den Teller legen, was lecker aussieht und zahlt 1,20-2,50 € pro Teller.

Irgendwie haben wir uns in Canggu gleich wohl gefühlt. Zum Einen natürlich wegen der frischen Luft, die vom Meer her weht, zum Anderen, weil es so vertraut wirkt. Also westlich. Expats, also Auswanderer aus aller Welt, haben sich hier in Scharen niedergelassen und Läden, Surfschulen oder Restaurants eröffnet. Schon komisch, dass man zwar in der Ferne das Fremde und Ungewohnte sucht und doch immer wieder zum Vertrauten zurückkehrt.

Und was macht man sonst so in Bali, bei Hitze und Luftfeuchtigkeit von gefühlten 200 Prozent? Genau, Sport! Wir holen uns bei CrossFit Wanderlust einen Wochenpass und lassen uns ab sofort jeden Morgen quälen. Bei der ersten Session müssen wir uns noch fast übergeben, aber man gewöhnt sich an alles und die nächsten Tage steigen wir trotz ständig wachsendem Muskelkater motiviert aus dem Bett und auf den Roller in Richtung Wanderlust.

Nach der einfachen Logik “mehr Sport = mehr Essen” folgen wir dem harten Training brav jeden Tag und nach getaner Arbeit folgt das Vergnügen. Und Canggu ist ein reinstes Frühstücks- und Brunch Paradies!

So vergeht die Woche mit Sport, Essen und anschließendem Lesen oder Dösen am Pool oder Strand – es ist herrlich! Canggu ist auch einer der beliebtesten Surf-Spots Balis, aber mit unseren Armen und Beinen aus Wackelpudding ist an Surfen nicht zu denken. Die Wellen sind hier aber auch ganz schön wild und wir schauen lieber von der Strandliege aus zu.

An unserem vorletzten Tag gehen wir aber wenigstens einmal auf Entdeckungstour in Richtung Bukit Halbinsel. Erst müssen wir uns durch den Verkehr in Canggu und dem Nachbarort Seminyak schlängeln, dann rollern wir über die breite Hauptverkehrsader durch Balis Hauptstadt Denpasar.

Von vielen anderen Reisenden oder auf Blogs hatten wir bereits gehört, dass die Polizisten in Indonesien bei Touristen auf Rollern gerne abkassieren, auch wenn man gegen keine Verkehrsregel verstoßen hat. Bis jetzt wurden wir verschont, aber scheinbar ist unser großer Tag gekommen. An einer großen Kreuzung werden wir aus dem Verkehr gewunken, zwei Polizisten haben vor einem kleinen Wachhäuschen nur auf uns gewartet. Uns wird vorgeworfen den Stopstreifen überfahren zu haben. Kostenpunkt 1.000.000 Rupiah, die wir im Verkehrsministerium bezahlen sollen. Felix hatte vorher recherchiert und schiebt dem englischsprechenden Wachmann 150.000 Rupiah mit seinem Führerschein zu. Aber so einfach läuft es nicht, der Polizist ist hartnäckig und besteht auf mindestens 500.000 Rupiah. Wir zeigen ihm unser komplettes Bares (zumindest, was wir nicht versteckt hatten) und wir kommen mit 300.000 Rupiah (umgerechnet 20 €) davon. 

Danach sind wir ein bisschen gefrustet, korrupte Polizei fühlt sich irgendwie nicht so toll an. Wir fahren weiter, erleichtert darüber, dass wir unsere erste Bestechung hinter uns haben.

In der nächsten Kurve gleich die nächste Kontrolle. Diesmal zeigen wir nur kurz den Führerschein, deuten hinter uns und sagen, dass wir gerade erst überprüft wurden und können weiterfahren. Vielleicht ein guter Trick fürs nächste Mal?

Auf dem langen Weg in Richtung Küste rauschen kleine Dörfer, Tempel und Felder an uns vorbei und die Luft riecht nach heißem Asphalt. Nach einer Stunde kommen wir oberhalb vom Bingin Beach an der Westküste der Bukit Halbinsel an. Den Roller parken wir gegen eine kleine Gebühr und laufen die steilen Treppenstufen zum Strand hinab. Unser Timing ist mal wieder unschlagbar, denn die Mittagssonne brennt vom Himmel und es ist kein Schatten in Sicht. Wir schlagen den Weg nach links ein, weg von Hotels und Strandrestaurants und finden hinter ein paar Felsen ein ruhiges Fleckchen Sand unterhalb der steilen Küstenwand.

Nachdem wir uns mithilfe unserer Klamotten, langer Äste und Steine provisorischen Schatten gebaut haben, wird die Strandidylle von lautem Gekreische gestört. Eine Horde Affen bricht plötzlich aus dem Dickicht der bewachsenen Felswand und führt einen erbitterten Revierkampf um ein verlassenes Haus neben uns.

Die Verlierer ziehen bald ab und stolzieren über den Strand an uns vorbei. Von Felsen im Wasser aus fischen sie nach kleinen Krabben und Schnecken und jagen sich danach wieder die Felswand hinauf. Was für eine Show – nur für uns!

Bevor wir später die Heimfahrt antreten, machen wir noch einen Abstecher zu Pantai Uluwatu, einem Strandabschnitt mit einer riesigen, höhlenartigen Felsformationen in der Nähe des berühmten gleichnamigen Uluwatu Tempels. Wieder geht es unzählige Treppenstufen und abenteuerliche Brücken hinunter, vorbei an kleinen Warungs, Läden und Verkaufsständen, bis wir mit den Füßen wieder auf Sand stehen.

Über rutschige Steine klettern wir aus der Höhle heraus auf den Strand, der jetzt gerade bei Flut quasi nicht existiert. Dafür gibt es viele kleinere und größere Felsbecken, die das Meer mit Wasser gefüllt hat und wo die Leute wie in Whirlpools relaxen. Ein Sonnenuntergang wäre hier bestimmt super schön, wir wollen aber den verrückten Roller-Verkehr durch Denpasar lieber bei Tageslicht manövrieren. An jeder Ampel ein riesiger Schwarm aus Scootern und bei Grün ein ohrenbetäubendes Brummen und Knattern um uns. Bevor wir zurück zur Unterkunft fahren, wird der Roller natürlich noch asiengerecht an der Straßenseite aus alten Wodkaflaschen betankt.

Am letzten Tag, bevor es abends zum Flughafen geht, drehen wir nochmal unsere Runde nach Canggu, stopfen uns mit leckerstem Frühstück bei Crate Café voll und gönnen uns anschließend eine Ganzkörpermassage bei Tiara Spa. Ganz unscheinbar in einem kleinen Studio abseits der Geschäftsstraßen gelegen, finden wir hier eine Stunde himmlischer Entspannung für umgerechnet 10,72€.

Da himmlisches Frühstück und Massage noch immer ein paar Stunden zum verbummeln übrig lassen, gönnen wir uns noch einen Cocktail im schicken Beachclub The Lawn. Der Rasen ist allerdings zu unserer Enttäuschung nicht echt.

Unser Gastgeber Nengah drängt, dass wir mehr Zeit einplanen für die Fahrt zum Flughafen, heute kommt nämlich Barack Obama nach Bali und in Denpasar sind viele Straßen gesperrt. Schade, mit Obama hätten wir auch gerne am Strand mit einem Bintang Bier angestoßen.

Wir verlassen Bali mit tollen Erinnerungen an wunderschöne Landschaft, nette Einheimische und leckeres Essen und werden sicher mal für längere Zeit hierher zurückkehren.

Unsere Tipps für Canggu:

  • Sisterfields Café: Hipper und immer voller Ort in Seminyak, Wahnsinns-French Toast!
  • Roti Canai: Roti-Wraps, riesige Frühstücksplatten und leckere Shakes zu sehr günstigen Preisen!
  • Betelnut Café: Falafel, Hummus und angenehm luftige Dachterrasse
  • Nüde: Trendige Fusion-Küche in schönem Ambiente
  • La Barraca: Wenn der Pizza-Hunger kommt