Die indonesische Insel Bali hat uns schon lange mit ihren Reizen aus der Ferne gelockt. Sonne, Strände, Yoga, Massagen, Tempel … die vielen digitalen Nomaden, die Bali zu ihrem zweiten Zuhause gemacht haben, wissen schon, wo es sich gut aushalten lässt.
12 Tage haben wir in Bali, was natürlich viel zu wenig Zeit ist, die ganze Insel kennenzulernen. Da allerdings gleich im Anschluss die australischen Winterferien beginnen und da Bali quasi das Mallorca der Australier ist, machen wir uns vorher schon wieder aus dem Staub. Als wir am Abend aus Sydney ankommen und aus dem Flughafen in Denpasar treten, treffen uns aber erst einmal Hitze und Luftfeuchtigkeit wie ein Schlag. Dann der sofortige Kälteschock im Taxi nach Ubud. Dieses unnatürliche Temperaturgefälle hat zur Folge, dass Lisa erst mal drei Tage lang hustet und schnieft. Erkältung im Tropenparadies, wunderbar!

Unser erstes Ziel Ubud ist ein Mekka für Auswanderer, angehende Yoga-Meister und Touristen auf der Suche nach Erleuchtung oder wenigstens Entspannung. An jeder Ecke werden Massagen, Maniküre oder sonstige Spa-Leistungen angeboten. Die Homestays, bei denen man hier übernachtet, betritt man durch kunstvoll geschnitzte Türen in hohen Mauern und mit ihren Statuen, Koi-Karpfen-Becken und Räucherstäbchen an jeder Ecke ähneln sie kleinen, aufwendigen Tempelanlagen. Jeden Morgen wird eine kleine Opfergabe in Form eines Bananenblatts gefüllt mit Reis, ein paar Blüten, vielleicht Keksen, einer Zigarette oder einem Geldschein vor die Haustür gelegt. Bali ist die Insel der Götter und um diese milde zu stimmen und Dämonen fernzuhalten, darf dieses Ritual zum Tagesbeginn nicht fehlen.

Wir sind für vier Nächte im Homestay mit dem klanghaften Namen Den Den Mushi untergebracht, wo 12 Familienmitglieder um das Gästehaus herum wohnen. Jeden Morgen bekommen wir Frühstück auf unserer Terrasse serviert und fühlen uns wie Gott in Frankreich.

Ubud ist zwar nicht groß, aber die beiden Hauptstraßen, die zwischen Monkey Forest und Royal Palace verlaufen, sind immer voll und geschäftig. Schon in der Nacht als wir ankamen, haben wir uns gefragt, wie der Verkehr mit den ganzen wild durcheinander fahrenden Rollern funktionieren kann. Bei Tag ist es noch um ein Vielfaches verrückter. Aber, Felix macht es vor, man muss einfach nur selbstbewusst auf die Straße treten (bevorzugt bei Rollern, Autofahrer haben weniger Ausweichmöglichkeiten) und die Roller-Armada teilt sich, die Fahrer schlängeln sich an uns vorbei und wir kommen jedes Mal sicher auf die andere Straßenseite.

Nach sechs Monaten Camping-kochen in Australien und Neuseeland freuen wir uns schon lange darauf, dass wir es uns in Asien leisten können, jeden Tag Essen zu gehen. Die Auswahl an Cafés und Restaurants ist endlos. Dabei kann man noch wählen, ob man ein Warung, also ein kleines Restaurant mit traditionell indonesischen Gerichten probiert oder sich lieber dem Komfort westlichen Essens verschreibt. Wir finden, im Einklang mit den gesundheitsorientierten Freizeitangeboten wie Yoga, Meditation und Massagen, vor allem frisch gepresste Säfte, riesige frische Kokosnüsse, Chia-Puddings und Smoothie-Bowls in allen Farben des Regenbogens.

Typisch indonesisch gehören Tempeh, Saté-Spieße oder Nasi Goreng auf jede Speisekarte. Wenn wir in Ubud nicht gerade auf Nahrungssuche sind, gönnen wir uns eine Paar-Massage mit Kaffee-Peeling und anschließendem Bad mit Blütenblättern, eine Pediküre oder eine Yogastunde und bummeln durch die Stadt.

Dabei stoßen wir auch eines Abends auf den Ticketverkauf zu einer traditionellen Tanzvorstellung. Eigentlich wollten wir den Feuertanz Kecak sehen, an diesem Abend gibt es aber den Legong, mit Tänzerinnen und Tänzern, einem friedlichen Drachen und einem Kampf zwischen Gut und Böse. Wir bekommen ein Programmblatt in die Hand gedrückt, damit wir der Story auf der Bühne folgen können. In einem hohen Raum finden wir eine große Bühne und etwa 20 Stuhlreihen, die nur im vordersten Drittel besetzt sind. Wir nehmen Platz und das Spektakel beginnt. Das Gamelan-Orchester haut in die sprichwörtlichen Tasten und alle zucken ob der Lautstärke kollektiv zusammen.

Die Geschichte beginnt mit Shiva, der auf die Erde kommt und seine Frau, die Göttin Durga, trifft. In einem anderen Akt genießt ein magisches Fabelwesen in Form eines Drachen die Stille im Wald, bis es von einem frechen Affen gestört wird.

Danach wird es konfus und wir können der Geschichte weder auf der Bühne, noch in der kreativen Übersetzung auf Papier so recht folgen. Aber trotz kompletter Verwirrung finden wir die Tänzer*innen mit ihren komplizierten Handbewegungen und ständig wechselnder Mimik bewundernswert.

Und auch, wenn wir der ohrenbetäubenden, repetitiven Musik wenig abgewinnen können, ist es schön zu sehen, mit welcher Hingabe die Musiker ihre Instrumente spielen. Eine Tripadvisor-Bewertung beschreibt es ganz treffend: “Endure the pain and enjoy!”

Auch den Monkey Forest müssen wir uns mal anschauen, obwohl wir schon viele Horrorgeschichten von aggressiven Affen und dummen Touristen gehört haben. Schilder warnen davor, Essen oder raschelndes Plastik mit sich zu führen oder die Affen mit auffälligem Deuten, Kameras oder Selfie-Sticks aufzuregen. Aber trotzdem hören wir durch den Wald immer wieder erschrockene Schreie von Besuchern, die wahrscheinlich gerade von einem Affen angefallen werden.

Wir halten Sicherheitsabstand und spazieren zwischen hohen Bäumen hindurch und an moosbewachsenen Tempelmauern entlang. Über 500 Javaneraffen leben hier, vom Baby bis zum alten Affen-Boss ist alles dabei.

Wir laufen bis in den hintersten Teil, wo es ganz still ist, weil alle Affen vorne auf Essen lauern. Nur ein einsamer, blinder Affe sitzt in einem Käfig. Isoliert von den anderen lebt er hier unter Aufsicht, weil er ohne Betreuung und regelmäßige Fütterung nicht überleben würde.

Auf dem Weg zum Ausgang werden wir noch Zeugen einer balinesischen Feuerbestattung,  mitten im Monkey Forest vor einem der Tempel! Dort gibt es anscheinend auch einen kleinen Friedhof, rechts vom Weg erkennen wir einige kleine, moosüberwachsene Grabsteine.

Irgendwann werden wir doch etwas rastlos und wir wollen ein bisschen Abwechslung vom ganzen Essen und Entspannen. Also mieten wir uns einen Roller und düsen los in Richtung Reisterrassen. Als wir erst mal aus dem Trubel der Haupteinkaufstraßen raus sind, ist das Rollerfahren auch gleich entspannter. Die Straße aus der Stadt heraus ist kilometerlang gesäumt von Werkstätten und es stapeln sich kitschige Skulpturen, Holzmöbel jeder Art, Vasen, bunte Kissen, Paravents und sonstige Souvenirs vor den Läden.

Nach etwa einer halben Stunde kommen wir bei den Tegallalang Rice Terraces an, die bestimmt zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten auf Bali gehören. Wir haben Glück, denn noch halten sich die Touristenströme in Grenzen und wir können nach kleinem Wegzoll, gezahlt an zwei zornige Zahnlose, die Reisterrassen erklimmen.

Man könnte meinen, die Reisterrassen dienen einem rein touristischen Zweck, aber es wird an manchen Stellen tatsächlich gepflügt, an anderen gerade Reis geerntet. Was für eine Arbeit es gewesen sein muss, diese Terrassen in den Hang zu graben! Stufenweise folgen wir den Terrassen nach oben und genießen das satte Grün um uns herum. Immer wieder werden wir von Reisbauern, die dem Touristenweg nahe sind, angeraunzt, ob wir nicht ein Foto gegen eine Spende eintauschen wollen.

Eigentlich ist es viel zu heiß, jemals vom Roller abzusteigen und freiwillig auf den Fahrtwind zu verzichten. Trotzdem schaffen wir es bis ganz nach oben, wo ein seltsames Holzgebilde in Form eines Boots thront. Eine Rice-Titanic!

Der Besitzer kommt auch schon angerannt, um uns Eintrittstickets für seine Attraktion zu verkaufen – “Good picture!”, aber wir lehnen dankend ab und machen uns wieder auf den Weg nach unten.

Als nächstes stehen Tempel auf dem Programm. Erst müssen die nackten Beine noch in Sarongs gewickelt werden, dann kann die Entdeckungstour im Pura Gunung Kawi Sebatu losgehen. Es handelt sich um eine ruhig gelegene Quellentempelanlage mit mehreren Becken, in denen (heilige?) Fische schwimmen.

Über ein paar Stufen erreichen wir einen eingemauerten Bereich, wo gerade an verschiedenen Altaren geschnitzt und gehobelt wird. In einem abgeschirmten Bereich finden rituelle Waschungen statt und wir hören freudige Kinderstimmen, die in den geheiligten Pools zu planschen scheinen.

Ob es sich wirklich um religiöse oder rein hygienische Maßnahmen handelt, wissen wir nicht, sehen wir doch auch mehrere Leute, die erfrischt mit ihrem Duschkörbchen und Badehaube aus dem Bereich treten und auf ihre Roller steigen.

Der zweite Tempel, Gunung Kawi ist um einiges größer und touristischer. Wir müssen eine Rollerparkgebühr zahlen und werden den kompletten Stufenweg hinunter in den Tempel von Souvenir-Verkäufern genervt, die einfach kein “Nein, danke.” akzeptieren wollen.

Gunung Kawi ist der älteste Hindu-Komplex auf Bali und ist mehr Gedenkstätte als Tempel. In die steilen Felswände, die sich auf beiden Seiten eines Flusses erheben, sind insgesamt zehn 7-Meter hohe Schreine zum Andenken an eine Königsfamilie von vor fast 1000 Jahren eingemeißelt.

Im hinteren Teil, werden weitere kleine Tempel gebaut und mit bunten, fein geschnitzten Verziehrungen versehen.

Aller guten Tempel sind drei, also machen wir am frühen Nachmittag auch noch bei Goa Gajah halt. Auch als Elephant Cave bezeichnet, finden wir hier am Fuße einer langen Steintreppe eine weitläufige Tempelanlage mit tiefen Becken für rituelle Waschungen, Brunnen, in Fels geschnitzte Gottheitsbilder und den Eingang zur Höhle, die wohl zum Meditieren und für Opfergaben gedacht war.

Die Höhle wird durch den Schlund eines fratzenartigen Gesichts betreten und im Inneren finden wir Symbole aus Stein für Ganesha und Shiva. Wir stecken kurz die Köpfe in einen kleineren Tempel im unteren Teil und können gar nicht schnell genug protestieren, da werden wir schon von einer alten Dame mit Frangipani-Blüte und Reis auf die Stirn und das Schlüsselbein versehen. Danach deutet sie auf einen kleinen Haufen Geldscheine und zwinkert uns zu. Gekonnt getrickst, aber wenigstens sind wir jetzt gesegnet oder so. 

An unserem letzten Abend in Ubud, als sich der allnachmitttägliche Regenschauer verzogen hat, machen wir uns auf zum Campuhan Ridge Walk.

Der Weg beginnt unscheinbar und nur durch ein kleines Schild ausgezeichnet an der Mauer des Pura Gunung Lebah Tempels und nach kurzem Anstieg laufen wir auf dem Kamm eines langen Hügels entlang.

Was für eine Wohltat, der stickigen Luft an Ubuds Straßen zu entfliehen. Umgeben von grünen Hügeln, Reisfeldern und Dschungel laufen wir hier über den gepflasterten schmalen Pfad und bewundern die Häuser an den gegenüberliegenden Hängen. Neben ein paar Touristen treffen wir hauptsächlich balinesische Teenager, die hier in Grüppchen rumhängen, Selfies machen, tuscheln und kichern.

Irgendwann kommen wir durch eine kleine Siedlung mit Cafés, Wohnhäusern und der ein oder anderen Kunstgalerie bis wir das Karsa Café erreichen, wo wir uns in unheimlich malerischer Kulisse in einem kleinen Hüttchen auf Stelzen im Seerosenteich Saft und Kokosnuss schmecken lassen.

Wir entdecken eine Horde Küken, die sich außerhalb der Reichweite eines großen Hundes mit ihrer Mama ausgerechnet auf einen schmalen Ast zwängen, sodass immer wieder eins herunterfällt, sich kurz schüttelt und wieder den Baum nach oben klettert. 

An diesem traumhaften Ort würden wir gerne länger entspannen, vielleicht noch für eine Massage bleiben, aber das angeschlossene Karsa Spa ist zwei Wochen im Voraus ausgebucht.

Als es schon recht dunkel ist, finden wir im Schein der Handy-Taschenlampe unseren Weg zurück in die Stadt.

Am nächsten Vormittag sagen wir Ubud “Selamat tinggal” und ziehen weiter an die Küste, nach Canggu.

Unsere Empfehlungen für Ubud:

Fancy: The Elephant
Budget: Warung Biah Biah
Mini-Budget: Warung Sen San
Was Süßes hinterher: Tukies – KokosEis