Wir haben es geschafft! Nach einem Monat und über 3.000km entlang der Ostküste kommen wir in Sydney an. Erst müssen wir das Mietauto (bei Regen!) sauber schrubben und abgeben, dann können wir in unser AirBnB zwischen Newtown und Surry Hills einziehen. Dachten wir zumindest. Die Mitbewohner sind aber noch alle ausgeflogen, also müssen wir die Wartezeit wohl oder übel im nahe gelegenen Rose Pub totschlagen. Zum Glück ist gerade Happy Hour und nach einer Stunde stellen wir uns leicht angetrunken unseren Gastgebern vor. Der erste Eindruck zählt schließlich.

Um auszunüchtern, planen wir gleich noch eine abendliche Entdeckungstour. Der Regen hat zum Glück aufgehört, als wir durch Sydney laufen und erste Eindrücke sammeln. Wir laufen durch Chinatown und zum Darling Harbour und haben Glück, denn zur Zeit findet in Sydney das Lichtfestival “Vivid statt und die Wahrzeichen der Stadt sind nachts kreativ und bunt beleuchtet.

Im Darling Harbour, einem großen Hafenbecken zwischen glänzenden Hochhäusern und dem riesigen International Convention Center, laufen wir durch einen Lichtergarten, einen Tunnel mit Kunstwerken in UV-Farbe und sehen eine laute und verwirrende Hologram- und Lasershow auf dem Wasser.

Felix wird noch kurz als Statist in einer Feuer-Jonglier-Show gecastet und nach ausgiebigem, wohlverdienten Applaus verabschieden wir uns in Richtung Opera House.

Als wir den First Fleet Park direkt am Hafenbecken betreten, wissen wir erst mal gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen. Links von uns werden psychedelische bunte Muster auf die Vorderseite des Contemporary Art Museums projiziert, weiter vorne erblicken wir die Harbour Bridge, die rhythmisch ihre Beleuchtungsfarbe ändert, und rechts von uns thront das berühmte Opernhaus mit seinen Flügeldächern, ebenfalls in wilde Muster und Formen getaucht. Komplette Reizüberflutung!

Wir laufen an der Hafenmole entlang und an The Rocks vorbei, dem historischen Hafenviertel mit kleinen Kopfsteinpflastergassen und renovierte Lagerhäusern. Überall leuchtet und blinkt es. Wir schaffen es noch bis zum riesigen Brückenpfeiler der Harbour Bridge, aber fürs Hoch- oder Hinübergehen fehlt uns heute die Energie. Das wird die nächsten Tage nachgeholt.

Das Wetter ist am nächsten Morgen noch auf unserer Seite und das trifft sich gut, weil wir den Coogee to Bondi Coastal Walk laufen. Nach einem kurzen Coffee Date am Coogee Beach geht es los, immer an der Küste entlang.

Der Weg ist sehr schön angelegt und führt auf und ab an tollen Häusern und Grundstücken vorbei. Ungefähr ab der Hälfte geht es allerdings wegen Renovierungsarbeiten über einen Friedhof. Nach dieser kurzen, etwas morbiden Umleitung windet sich der Weg weiter um die felsige Küste.

Immer wieder kommen wir an schönen Strandabschnitten vorbei, die jetzt zum Winteranfang aber verwaist sind. Am Ende tut sich der berühmte Bondi Beach vor uns auf. Der Name verheißt gute Wellen, coole Surfer und knappe Bikinis. Die coolen Surfer frieren trotz Neoprenanzüge bestimmt im Wasser, dennoch sind bestimmt hundert draußen auf den Wellen unterwegs. Ansonsten passiert hier am Strand nichts spannendes. Nur der Bondi Icebergs Pool, ein türkis schimmerndes, öffentliches Schwimmbecken, das in den Fels oberhalb des Strandes gebaut ist, ist heute noch einen ausgiebigen Blick wert.

Gleich hinter dem Strand befindet sich eine lange Parkpromenade und auf der gegenüberliegenden Seite unzählige Cafés und Shops. Die sind extrem lässig und trendy, so wie wir uns das bei einem Surf-Hot-Spot vorgestellt hatten. Nach dem Coastal Walk haben wir uns eine Pause verdient und verbringen diese im Preach Cafe mit dem passenden Motto “Essen ist menschlich, gut essen ist göttlich” an der Wand.

Mit dem Bus fahren wir zurück in die Stadt, um die coolen Viertel Surry Hills und Darlinghurst zu erkunden. Zwischen viktorianischen Reihenhäusern mit bunten Türen, kleinen Parks, schicken Läden und Cafés lässt sich gut ein Nachmittag verbummeln. Leider fängt es dann wieder wie aus Eimern zu schütten an und wir machen uns auf den Heimweg.

Am Abend treffen wir uns mit Ash und Anna, einem Pärchen, das wir im Hostel in Mendoza kennengelernt hatten. Die beiden wollen uns offenbar mit Sydneys Barkultur beeindrucken, denn sie haben einen regelrechten PubCrawl vorbereitet. Wir starten im uns bereits bekannten Rose Pub und arbeiten uns durch drei weitere Bars, deren Namen uns kurz danach entfallen. Mit der Bahn geht es noch zu einer coolen Craft Beer Bar und in einen Club, wo sich aus zwei gegenüberliegenden Ecken des Raumes eine Live-Band und laute 90er-Musik beschallen. Alles in allem ein gelungener Abend!

An unserem letzten Abend in Sydney peilen wir noch einmal die Harbour Bridge an, sind aber leider zu spät dran, um auf die Aussichtsplattform Pylon Lookout hochzusteigen. Der Ausblick von der Brücke reicht aber auch schon aus. Der ganze Hafen ist wieder in buntes Licht getaucht und es fühlt sich irgendwie unwirklich an, diesen ganzen ikonischen Wahrzeichen der Stadt so nah zu sein. Als es uns auf der Brücke zu windig wird, kämpfen wir uns durch die Menschenmassen zurück in Richtung Opera House.

Nachdem wir das faszinierende Gebäude ausgiebig bewundert haben, lassen wir uns vom Besucherstrom mit in die Royal Botanic Gardens treiben. Hier sind ebenfalls für das Vivid Festival Lichtbilder und leuchtende Kunstwerke installiert. Neben viel Kitsch gibt es auch richtig tolle Installationen, wie riesige, leuchtende Kokons oder eine Lichtprojektion auf einen riesigen, knorrigen Baum, der dadurch wirkt, als würde er wachsen 

Bei Tageslicht ist das Ganze natürlich auch einen Besuch wert. Wir haben vorher gehört, dass es wohl der einzige botanische Garten weltweit ist, der seine Besucher dazu einlädt, barfuß über seine gut gepflegten und perfekt getrimmten Rasen zu streifen. Leider haben wir dafür die falsche Jahreszeit erwischt. Vor dem ersten Regenschauer finden wir in The Calyx Unterschlupf. Die Ausstellung “All About Flowers” zeigt ein riesiges vertikales Blumenbeet aus Begonien, Poinsettien, Moos und Sukkulenten und drum herum Gerberas, Hortensien und Orchideen.

Weil wir Sydney am Nachmittag schon verlassen, sind wir voll bepackt mit unseren Rucksäcken hergekommen. Trotzdem laufen wir noch weiter im Nieselregen durch die Gärten, vorbei an der “Fernery”, Gewächshäusern und einem großen Kakteengarten.

Zum Abschluss gibt´s unten am Wasser noch einen Abschiedsblick auf Opera House und Harbour Bridge und dann sagen wir “Bye, bye, rainy Sydney”. Irgendwann kommen wir mal im Sommer vorbei!

Außerdem ist Australien einfach zu riesig, um es in so kurzer zeit vollständig abzudecken. Australien, du Land Down Under, du hast uns gut gefallen und oft positiv überrascht!

Jetzt geht es für uns weiter nach Bali!