Wer an Australien denkt, hat neben den ganzen (gefährlichen) Tieren bestimmt vor allem Sydney mit seinem ikonischen Opernhaus vor Augen. Und auch uns führt der Weg zum Ende unseres Ostküsten-Roadtrips in die berühmte Metropole.

Aber erst müssen wir noch die lange Strecke von Byron Bay aus bewältigen. Der Weg führt uns vorbei am kleinen Städtchen Yamba, das von einigen Leuten als das nächste Byron Bay bezeichnet wird (können wir so nicht bestätigen, vielleicht haben wir aber auch einen extrem ruhigen Tag dort erwischt). Weiter geht es durch Port Macquarie nach Crescent Head, wo wir eine Nacht auf dem coolen Waves Campground bleiben und uns am nächsten Tag nochmal mit Brettern ins Meer wagen. Die Wellen sind wild, aber der Ehrgeiz packt uns, als kleine Kinder, die gefühlt gerade erst Laufen gelernt haben und ältere Männer mit beachtlichen Bierbäuchen elegant an uns vorbei surfen.

Danach machen wir nochmal Strecke und übernachten auf der Parkfläche eines Golfplatzes. Wenigstens werden wir am nächsten Morgen mit einer Horde grasender Kängurus für die lange und recht eintönige Fahrt entschädigt!

Als die Schilder auf dem Highway schon die verschiedenen Vororte und Stadtteile von Sydney ankündigen, biegen wir vorher noch ins Landesinnere in Richtung Blue Mountains ab. Hier haben wir uns schöne Wanderungen ausgesucht und es herrschen nun auch wirklich die winterlichen Temperaturen, die von Einheimischen schon die ganze Zeit auf dem Weg hier runter prophezeit wurden. Lange Hosen und Jacken werden von ganz unten aus dem Rucksack gekramt und wir starten gespannt den National Pass Rundweg.

Der Track ist als schwierig ausgezeichnet, zum einen, weil man unzählige Stufen ins Tal hinunter steigen muss (und irgendwie muss man ja auch wieder hoch kommen) zum anderen vielleicht auch, weil die steile Treppe entlang der Felswand nichts für schwache Nerven ist. Auf halber Höhe geht es über einen Pfad aus Steinen quer über die Wentworth Falls, die nur ein paar Meter rechts von uns in die Tiefe stürzen und nur durch ein Geländer gesichert sind.

Sicher auf der anderen Seite angekommen, stehen wir vor der Giant Stairway, eine vor über hundert Jahren von ein paar mutigen Männern mit Schaufeln, Pickeln und ein bisschen Dynamit erbaute Treppe, die uns hinunter ins Jamison Valley führt. Noch sind wir nicht ganz unten und so wandern wir weiter entlang der Kante des Canyons. Rechts von uns Abgrund und links, beziehungsweise manchmal auch über uns die Steilwand der Schlucht.

Dem altbekannten roten Sandstein, den wir bereits aus dem Outback kennen, kommt man hier ganz nah, muss man sich bei den steilen Stufen doch manchmal daran festhalten. Unten angekommen, erreichen wir das Valley of The Waters, äußerst kreativ benannt ob der vielen Wasserfälle, Bachläufe und den andauernd tropfenden Felswänden.

Der Weg führt uns durch noch engere Stellen zurück zur anderen Seite des Canyons, an manchen Stellen müssen wir uns unter der überhängenden Felswand tief bücken. Aber die wirkliche Plagerei steht uns noch bevor: der Aufstieg Richtung Conservation Hut.

Dort angekommen haben wir aber noch nicht genug von der Schönheit der Blue Mountains und wählen, nach kurzer Verschnaufpause, nicht etwa die Abkürzung über den shortcut track, sondern den Overcliff Track, der uns entlang der Kante des Canyons entlang führt und grandiose Blicke auf verschiedenen Aussichtspunkten parat hält.

Bei “Blue Mountains” stellt man sich vielleicht eine Art Gebirge vor, es handelt sich aber vielmehr um eine dicht bewachsene Schluchten-Landschaft, soweit das Auge blicken kann. Über den Tälern liegt die meiste Zeit ein blauer Dunst, erstaunlicherweise ein Nebel aus dem Öl der Eukalyptusbäume. Die meisten Wanderwege werden an einem oberen Rand begonnen und führen hinunter ins Tal oder oberhalb der steilen Felskanten entlang.

Bevor die Sonne untergeht, werfen wir noch einen Blick auf die “Three Sisters”, eine Felsformation, die über dem endlos scheinenden Tal am Rande von Katoomba thront. Natürlich darf auch hier nicht eine Meute asiatischer Touristen, jede Menge Selfie-Sticks und eine brummende Drohne fehlen, der Ausblick ist aber so phänomenal, dass man diese Umstände schnell ausblendet.

Im letzten Tageslicht finden wir unseren gratis Campingplatz im Wald in Blackheath mit wenigen kleinen Nischen für Zelte und Vans zwischen den Bäumen. Neidisch beäugen wir das Lagerfeuer unserer Nachbarn. Hatten wir nicht auch mal gelernt, wie man ein Feuer macht? Aber Boden und Holz sind zu feucht und obwohl wir alle Pappkartons, Taschentücher und sonstiges Brennmaterial aus dem Van opfern, will einfach nichts draus werden.

Am nächsten Morgen nehmen wir schnell bibbernd ein Frühstück zu uns, bevor wir zu Evans Lookout fahren. Hier hat man schon wenige Meter vom Parkplatz aus einen gigantischen Blick über das Grose River Valley.

Der Grand Canyon Track führt von hier aus zuerst über viele Stufen nach unten in die Schlucht und Schritt für Schritt wird es immer grüner. Hier sind wir mal wieder fast alleine unterwegs und genießen neben der schönen Kulisse das Rauschen des Windes in den Bäumen und das Plätschern der Bäche. Unten angekommen geht es ebenerdig durch den Regenwald, vorbei an zahlreichen Wasserfällen, die mal zaghaft von den steilen Sandsteinwänden tröpfeln, mal kräftig über die Steine rauschen.

Mehrmals müssen wir das Flussbett überqueren und auch hier gibt es dafür vorgesehene Pfade, auf denen wir fröhlich von Stein zu Stein hüpfen. Zum Abschluss im Tal führt der Wanderweg durch einen stockdunklen Tunnel und dann geht es an den Aufstieg.

Die Oberschenkel brennen und wir schwitzen durch unsere Winter-Schichten. Gleich müssten wir es geschafft haben, da treffen wir einen älteren Parkranger, der uns ermutigt: “You´re halfway there!”. Also nochmal Zähne zusammenbeißen und weiter gehts.

Nach dieser dreistündigen Tour haben wir ordentlich Hunger und fahren zurück nach Katoomba zum Yellow Deli. Diesen Tipp haben wir von zwei Mädels auf der Outback Tour bekommen, mit der Aussage “It’s a cult, but their food is delicious.”

Im Yellow Deli werden wir sehr freundlich von langhaarigen Männern in Flanellhemden begrüßt und bekommen einen kleinen Tisch im hinteren Raum zugewiesen. Das Deli sieht im Inneren aus wie eine Mischung aus Baumhaus und Hasenbau und ist so beliebt, dass die Leute bis raus auf die Straße stehen, um einen Platz zu bekommen.

Das Essen ist zum großen Teil vegan oder vegetarisch, stammt aus eigenem Anbau und ist wirklich super lecker. Während man aufs Essen wartet, kann man sich in die Philosophie der Glaubensgemeinschaft einlesen, muss man aber nicht. Danach bummeln wir noch durch das beschauliche Katoomba, das mit seinen Häuserfronten wie eine alte Goldgräberstadt wirkt. 

Wir machen es ja gerne spannend und nach den Blue Mountains fahren wir um Sydney herum noch einmal einen Umweg in den Süden. In Kiama gibt es an der Küste eine besondere Felsformation, die Cathedral Rocks und ein großes Blowhole, einen alten Hafen und schöne Strandabschnitte. Aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Sintflutartige Regenschauer sorgen dafür, dass man nicht weiter als zwei Meter sehen kann und wir geben uns mit der Kiama Library (Internet!) und dem Public Pool (Duschen!) zufrieden. An unserem letzten Tag mit dem Spaceship Campervan lässt sich die Sonne aber tatsächlich für eine Stunde blicken und wir können wenigstens noch einen kurzen Blick auf die Cathedral Rocks werfen, bevor es in die große Stadt geht.

Dann müssen wir packen, das Auto sauber machen und uns vom Van “Steamrunner” verabschieden. Dabei sind wir nicht ganz so emotional wie bei unserem Heinz, aber die Abgabe markiert auch das Ende von #Vanlife für diese Reise. Wir werden die Freiheit und unsere kompakten, rollenden Zuhause auf Zeit sicher vermissen!