“Brisbane kann man sich sparen” haben wir immer wieder von anderen Australien-Reisenden gehört. Nichts besonderes, nur eine weitere Großstadt. Und wie das auf Reisen oft so ist, lässt man sich ja schon gern von den Bewertungen Anderer beeinflussen. Wir wollen uns aber ein eigenes Bild machen und geben der Zwei-Millionen-Stadt drei Tage, uns vom Gegenteil zu überzeugen. 

Zuerst landen wir in Fortitude Valley, was vor allem für seine Bar- und Pubszene bekannt ist. Weil es aber, sehr zu unserer Überraschung, morgens, halb Zehn in Brisbane nicht akzeptabel ist, sich schon zu betrinken, spitzen wir in schöne Läden und hippe “laneways”.

Diese engen Gassen beherbergen Cafés, Friseure, Tattoostudios und Kunstgalerien und laden zum Verweilen ein. Die Bakery Lane und Winn Lane sind schon fertig restauriert und bewirtschaftet, weitere Gässchen sollen folgen.

Wir lassen uns treiben und landen schließlich im Central Business District, wo gerade jeder in die Mittagspause unterwegs ist. Mittendrin finden wir am Queens Plaza eine einladende Grünfläche, wo Geschäftsleute im Anzug neben Touristen wie uns die australische “Winter”-Sonne genießen. Das Ganze wird mit entspannter Live-Musik abgerundet. So sollte immer Mittagspause gemacht werden!

Über die Victoria Bridge schlendern wir zum südlichen Flussufer, der South Bank. Entlang dem Brisbane River erstreckt sich hier eine riesige Bade- und Freizeitoase, mit öffentlichen Pools, Sandstrand, Liegewiesen, Picknicktischen, Grillstationen und einer Bar- und Restaurantmeile und das ganze vollkommen kostenfrei.

Zwar wird unser Badespaß immer mal wieder von lauten Bauarbeiten gestört, denn die South Bank Lagoon wird gerade für den nächsten Sommer weiter ausgebaut, aber wie überall in Ozeanien legen auch hier die Arbeiter gegen 16:00 ihre Werkzeuge nieder und widmen sich den angenehmeren Dingen im Leben: Bier, eine Runde schwimmen und ein bisschen Musik. Die schallt hier live von den Terrassen der Bars und auch wir können es nicht lassen, uns bei Gitarrenklängen im South Bank Surf Club ein kleines Feierabendbier zu gönnen.

Essen gehen in Australien ist leider zu teuer, als dass wir es uns jeden Tag leisten könnten.  Auch, wenn es bei der riesigen tollen Auswahl in Brisbane echt schwer fällt, gibt es die ersten beiden Abende brav selbstgekochtes Abendessen am Campingplatz.

Da trifft es sich gut, dass der Eintritt in Museen meist gratis ist. Im Cultural Center kann man wahrscheinlich mehrere Tage verbringen und immer noch nicht alle Ausstellungen gesehen haben.

Wir entscheiden uns für die Gallery Of Modern Art und das Queensland Museum, wo gerade “Otherworlds”, eine Fotoausstellung zu unserem Sonnensystem läuft.

Nach soviel Kultur bummeln wir durchs coole Viertel Westend, das gleich an South Bank angrenzt. An unserem letzten Abend in Brisbane müssen wir trotz knappem Budget unserem lang gehegten Pizza-Hunger nachgeben und landen in der leckeren Julius Pizzeria.

Danach spazieren wir am Flussufer entlang Richtung Kangaroo Point, wo wir den Blick auf die abendliche Skyline von Brisbane genießen und außerdem unerwartet auf die Nepalese Peace Pagoda stoßen, unseren ersten asiatischen Tempel (gute Einstimmung für die nächsten Monate!).

Nächtliche Spaziergänge zum Pizza-Abtrainieren sind zwar gut, aber gratis Fähren sind noch besser! So erwischen wir eine der CityHopper Ferries, die uns übers Wasser bis zur Story Bridge bringt. Auf der Fahrt entdecken wir auch die Climbing Rocks, wo man mitten in der Stadt bei Tag oder Nacht klettern kann.

Die bunt beleuchtete Brücke zu überqueren stellt sich als kompliziertes Unterfangen dar. Schuld daran sind verwirrende Schilder und meine (Lisas) Neigung, Schildern immer zu glauben. So bekommen wir doch noch ein bisschen Bewegung und der Blick auf die Stadt belohnt uns für die Anstrengung.

Brisbane hat neben seinem ganzjährig warmen Klima wirklich viel zu bieten, dazu einen coolen Großstadt-Vibe und trotzdem findet man sich leicht zurecht. Wir können die ganzen kritischen Stimmen gar nicht nachvollziehen – Brisbane bekommt von uns eine Eins mit Sternchen.

Tamborine National Park

Als nächstes Ziel entlang der Küste haben wir Surfers Paradise angepeilt, aber bevor wir den Großraum Brisbane verlassen, zieht es uns noch zum Mount Coot-tha, von dessen Aussichtspunkt man einen grandiosen Blick auf die Metropole und das Umland hat.

Nach einem kurzen Picknick dort oben juckt es Felix in den Beinen – es muss mal wieder gewandert werden! Deswegen düsen wir danach gleich noch zum Tamborine Mountain National Park und starten übermotiviert den Rundwanderweg Sandy Creek Circuit. Der Weg führt durch dichten Wald, bis die Bäume den Blick auf die Cameron Falls freigeben. Vom Aussichtspunkt oberhalb steiler Klippen können wir über das grüne Tal im Westen Mount Flinders und im Norden die Ausläufer von Brisbane ausmachen.

Der Ausblick und der Wald sind zwar sehr schön, aber die Wanderung ist mit 45 Minuten doch kürzer als erwartet und wir nehmen auf dem Rückweg lieber noch einen Rundweg mit. Hatten wir nicht eigentlich genug von Wasserfällen? Egal, bei den Cedar Creek Falls können wir Aale im klaren Wasser beobachten und über die Felsen den mehrstufigen Wasserfall weiter nach unten klettern.

North Stradbroke Island

Nachdem wir ja die größte Sandinsel der Welt, Fraser Island, links liegen gelassen und dafür von mehreren Seiten den Tipp bekommen haben, North Stradbroke Island zu besuchen, wollen wir Sandinseln doch noch einmal eine Chance geben. “Straddie” ist anscheinend ein beliebtes Urlaub- und Wochenendziel der Einheimischen, günstig mit der Autofähre zu erreichen und außerdem immerhin die drittgrößte Sandinsel der Welt. Warum also nicht? Wir können nach der großen Stadt wieder ein paar Tage Strand gebrauchen und die verlockend klingenden Orte Surfers Paradise und Gold Coast sind so voll gebaut, dass ab Nachmittags der Strand nur im Schatten der Hochhäuser liegt. Wir buchen online die Überfahrt für den nächsten Tag und gehen mit Vorfreude ins Bett.

An einem Montag Vormittag legen wir, nach kurzer Fährfahrt auf North Stradbroke Island an und navigieren unseren Van zum nördlichen Ende der 38km langen Insel. Auf Straddie gibt es zwar auch einen weiten Abschnitt, den man nur im Geländewagen erkunden kann, die beiden Orte Dunwich und Point Lookout sind aber durch eine neue Teerstraße miteinander verbunden. Bevor wir uns einen Campingplatz suchen, machen wir Mittagspause an einem der Picknicktische oberhalb von Frenchman’s Bay. Keine fünf Minuten vergehen, da bekommen wir schon Gesellschaft von zwei neugierigen Kängurus.

Die Kulisse mit blauem Himmel, türkisfarbenem Ozean und weißen Sandstränden ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Als wir am Campingplatz Adder Rock einchecken, merken wir, dass wir wirklich eine perfekte Zeit erwischt haben. Während viele Australier sich vielleicht schon in Jacken und Pullis kuscheln, ist es für uns mit 22 Grad noch angenehm warm, und da gerade keine Ferien sind oder Wochenende ist, haben wir den Platz und den Strand fast ganz für uns.

Hier verbringen wir drei wunderbare Tage in der Sonne mit Lesen, Spazierengehen und Schlafen. Der perfekte Seniorenurlaub also und wir lieben es!

Zwischendurch gibt es viele unterhaltsame Tiersichtungen, wie die große Goanna-Echse, die jeden Morgen einmal am Auto vorbeikommt, die Kookaburras, die uns auf Augenhöhe neugierig beobachten und die Curlews, witzige Vögel mit Stelzenbeinen und riesigen gelben Augen.

Nur Wale lassen sich leider nicht blicken. Im Juni beginnt die Whale Season und man kann an vielen Orten entlang der Ostküste beobachten, wie sie von Süden nach Norden ziehen.

Ein schöner Wanderpfad führt entlang der Steilküste am Point Lookout und wir treffen wieder unsere Beuteltierfreunde.

Der Gorge Walk, der sich einmal entlang der C-förmigen Küstenlinie schlängelt, belohnt mit tollem Meerblick und wilder australischer Flora.

Während die Sonne ihre letzten Strahlen über die fast schon kitschig idyllische Szenerie wirft, schauen wir noch ein paar Surfern beim Wellenreiten zu und erspähen von oben eine Schildkröte auf Abendessensjagd.

Byron Bay

Am Abend des dritten Tages kommen wir wieder in Cleveland auf dem Festland an und fahren noch zwei Stunden weiter nach Byron Bay. Dieses legendäre Surfer-Städtchen ist auch die Wahlheimat von Kat, einer ehemaligen Kommilitonin von Felix.

Sie lebt wahrscheinlich den Traum aller Backpacker und Fernweh-Leidenden: Australischen Surferboy getroffen, verliebt, dageblieben. Wir sind total dankbar, dass wir bei ihnen in der Auffahrt parken und übernachten dürfen und so für zwei Tage einen Einblick in das entspannte Leben hier bekommen.

Morgens mit dem Hund am Strand spielen, dann mit einem leckeren Kaffee über den Farmers Market schlendern. Als Kat sich mittags in die Arbeit verabschiedet, leihen wir uns Bretter und machen unsere nächsten Surf-Versuche bei The Wreck neben einem alten Schiffswrack.

Es macht immer noch Spaß und wir werden wenigstens nicht schlechter! Danach duschen wir uns schnell am Strand und laufen noch ein bisschen durch die Stadt. Byron Bay ist eine einzige Schatztruhe an coolen Cafés, trendigen Läden und Vintage-Shops und schönen Menschen mit gebräunter Haut und sonnengebleichtem Salzwasser-Haar.

Am nächsten Tag laufen wir vom Naturschutzgebiet Arakwal National Park über den Strand in Richtung Cape Byron. Auf der anderen Seite des Capes liegt The Pass, der beliebteste Surf Break Byron Bays.

Die Wellen rollen hier gleichmäßig als “right hand point breaks” in die Bucht. Auch wenn sich diese Art Wellen perfekt für Anfänger eignen, ist man hier schon sehr auf dem Präsentierteller. Wir üben lieber, wenn niemand zuschaut!

Weiter geht es in Richtung Leuchtturm. Auch hier beobachten wir wieder angestrengt das Meer und suchen den Horizont nach Walen ab, müssen uns aber fürs erste “nur” mit Delfinen zufrieden geben. Ganz neugierig nähern sie sich einer Gruppe in Kayaks und lassen sich von den Wellen mit treiben.

Hier sind wir nun am östlichsten Festlandpunkt Australiens angekommen. Die Wellen klatschen gegen die steilen Felsen und das Cape Byron Lighthouse strahlt weiß gegen den blauen Himmel.

So schön hier! Am Liebsten würden wir noch ein paar Tage bleiben, an unseren Surfkünsten arbeiten und so tun, als würden wir zu dieser lässigen Community mit dazugehören.

Kats Zeichenkünste und Anjas Drahtskulpturen bewundern und für Hündin Ruby am Strand Bälle werfen …

Aber der Abgabetermin von unserem Van in Sydney rückt langsam näher und wir haben noch fast 800km vor uns, also machen wir uns schweren Herzens auf den Weg in den Süden.