Wenn man ein Jahr auf Weltreise ist, kommt es auch mal vor, dass man seinen Geburtstag an ungewöhnlichen Orten feiert. Für Felix Ehrentag hat er sich gewünscht, rein gar nichts zu tun. Gesagt, getan! Als schönen Ort fürs Nichtstun haben wir uns Cape Hillsborough rausgesucht.

Hier trifft Nationalpark auf Sandstrand und angeblich spielt sich jeden morgen ein ungewöhnliches Szenario ab: Kängurus und Wallabies hüpfen im Morgengrauen aus dem Busch auf den Strand, trinken ein paar Schlücke Salzwasser und sehen dem Sonnenaufgang zu. Sobald es hell ist, verschwinden sie alle wieder. Um kurz nach 05:00 Uhr quälen wir uns also raus und tuckern von unserem Schlafplatz die restlichen 20km bis zum Cape Hillsborough.

Pünktlichkeit ist auch auf dieser Reise nicht unsere Stärke und so erreichen wir den kleinen Campingplatz am Strand erst, als die Sonne eigentlich schon komplett aufgegangen ist. Keine Kängurus in Sicht. Nur eine Gruppe deutscher Camper, die sich offensichtlich auch mit Kameras auf die Lauer gelegt hatten. Da hilft nur weiterschlafen und von Beuteltieren träumen.

Zum Frühstück gibt es geheimen Geburtstagskuchen, Croissants und Nutella und nach diesem Zuckerschock müssen wir uns gleich wieder hinlegen. Lesend und dösend verbringen wir den ganzen Tag hier.

Als es auf den Sonnenuntergang zugeht, beschließen wir, den Kängurus noch eine Chance zu geben und schauen mal auf der anderen Seite des Capes nach. Zwar entdecken wir gleich beim Parken ein Wallaby auf der Wiese, das sich durch nichts vom Fressen abbringen lässt, aber auch hier finden wir am Strand nur Menschen, keine Kängurus. Wir warten noch den Einbruch der Dunkelheit ab, dann fahren wir weiter in die 50km entfernte Stadt Mackay, um den Tag noch mit einem schönen Essen abzuschließen. Das gelingt dem Restaurant leider nicht, aber wir haben trotzdem Spaß.

Am nächsten Tag ist mal wieder Regen angesagt, als wir nachmittags am nächsten Ziel ankommen. Die beiden Nachbargemeinden Agnes Water und 1770 sind besonders bei Surfern beliebt und wir spielen schon länger mit der Idee, das endlich auch mal zu lernen. Aber da wäre wieder die Sache mit der Angst vor Meerestieren und der Abneigung vor Salzwasser. Schwierig! Außerdem wird das hier mit dem Wetter wohl nichts. Dafür finden wir einen schönen Campingplatz im Wald und eine kleine Bibliothek mit schnellem Internet zum Blog schreiben. Sonst gibt es hier wirklich nicht viel zu sehen.

Als wir am nächsten Tag schon wieder die Stadt verlassen wollen, entdecken wir noch Horizons Kangaroo Sanctuary & Camp Ground. Wir nehmen mit viel Schwung eine steile Auffahrt und kommen nach 50m gleich wieder zum Stehen. Zwei Kängurus blicken uns neugierig von der Wiese entgegen, weiter hinten sehen wir noch mehr zwischen Bäumen hervorspitzen.

Oben beim Campingplatz angekommen trifft uns fast der Schlag: hier stehen, liegen und hüpfen bestimmt 30 ausgewachsene und kleinere Kängurus herum. Anscheinend ist gerade Fütterungszeit und schon bekommen wir Karotten und Süßkartoffeln in die Hände gedrückt und dürfen mithelfen.

Aus nächster Nähe sind Kängurus ganz schön komische Tiere. Vor allem der riesige spitze Zahn im Unterkiefer und die scharfen Krallen an der mittleren Zehe sehen gefährlich aus. Aber die Tiere hier sind quasi Waisenkinder und wurden von klein auf von Menschen aufgepäppelt und großgezogen. Die Besitzer Garry und Denise betreiben die Auffangstation seit über zehn Jahren und finanzieren sich durch Spenden, die Gebühren für den Campingplatz und die tägliche Führung, die sie für Besucher veranstalten.

Neben den hüpfenden Hauptattraktionen bietet Horizons außerdem einen wunderschönen Ausblick über dichten Regenwald bis zur Küste. Hier kommen wir also doch noch in den Genuss eines Sonnenuntergangs mit Kängurus!

Schon in Neuseeland sind wir auf den Geschmack von Bundaberg Ginger Beer gekommen und jetzt liegt die Herkunftsstadt dieser herrlichen Limonade sogar auf unserer Strecke. Ein Gebäude in Form eines riesigen Holzfasses beherbergt die True Brew Experience Tour. Hier wird in einer Art interaktiven Museum die Entstehungsgeschichte und der Herstellungsprozess von Ginger Beer erzählt und wir rätseln, puzzlen und spielen uns durch zwei kleine Räume, bis wir beim eigentlichen Highlight, der Verkostung, ankommen.

14 verschiedene Limonadensorten dürfen wir probieren, neben unserer Lieblings-Ingwerlimonade zum Beispiel Burgundee Creaming Soda, Pink Grapefruit oder Guava. Unser Favorit heißt Lemon, Lime & Bitters, was wir zuhause unbedingt mal “nachbrauen” müssen. Als Souvenir nehmen wir uns einen kleinen Misch-Sixpack mit und der Zuckerrausch reicht, um uns für die Weiterfahrt wach zu halten.

Das nächste Ziel heißt Rainbow Beach und eigentlich könnte man von hier aus aufs berühmte Fraser Island übersetzen, die größte Sandinsel der Welt. Wir haben so viele verschiedene Meinungen, von “Must-Do” bis “überfüllter Party-Ort” gehört und sparen uns nach langem Überlegen schließlich die teure Fähre und Tour dahin.

In Rainbow Beach gibt es aber noch eine riesige Sanddüne, auf der man sich zum Sonnenuntergang trifft (scheint ein wiederkehrendes Thema dieses Abschnitts zu sein!) und sandboarden kann. Endlich haben wir Verwendung für unser geschenktes Body-Board! Durch einen kurzen Waldabschnitt geht es bergauf, bis sich die Bäume lichten und wir mitten auf der Düne stehen.

Wir machen einen kläglichen Sandboardversuch (es will nicht so richtig in Schwung kommen und wir finden erst später den eigentlichten Abfahrtshügel) aber können das Brett wenigstens als Sitzunterlage verwenden, während wir uns mit Ginger Beer zuprosten.

Ausblickstechnisch hat man die Qual der Wahl: Wir könnten auf der linken Seite die dichten rosa-gefärbten Wolken über dem Ozean beobachten und auf der rechten Seite bewegt sich die Sonne langsam auf den Horizont zu und taucht das Tal mit seinen grünen Wäldern und glitzernden Meeresarmen in goldenes Licht.

Übernachtet wird diesmal zur Abwechslung auf einem Acker neben der Straße. Es regnet auch schon wieder, aber wenigstens leisten uns Frösche in der Toilette Gesellschaft. Am nächsten Tag lassen wir das Regenwetter endlich hinter uns und bewegen uns jetzt dazu passend entlang der Sunshine Coast.

Hier haben wir Noosa angepeilt, ein weitläufiges Stadtgebiet auf einem Kanalsystem zwischen Noosa River und Meer. Mit dem Kayak erkunden wir erst den Fluss mit seinen Mangrovenufern und kleinen Inseln, parken das Boot für ein kleines Strandpicknick und bestaunen dann auf dem Rückweg die spektakulären Grundstücke entlang der Wasserstraßen.

Noosa wirkt wie eine Mischung aus Ferienresort und Rentnerparadies. Sicher aber für Besserverdiener, deswegen sind Übernachtungen auf dem Campingplatz hier auch ganz schön teuer. Aber wir haben Glück und bekommen einen Stellplatz auf dem Grundstück der Noosa Sea Scouts (Meeres-Pfadfinder) für 25 AUD die Nacht. Außerdem gibt es hier in Australien auch ALDI, was beim sparsamen Reisen viel hilft. Eingedeckt mit Einkäufen planen wir nach einem leckeren Abendessen die Weiterreise und nehmen uns für den nächsten Tag den Noosa National Park vor, der sich hier malerisch entlang der Küste erstreckt.

Das größte Hindernis dabei ist, einen Parkplatz zu finden. Drei Runden drehen wir zwischen der Strandpromenade und dem Eingang vom Nationalpark, bis wir durch Zufall hoch oben auf einem Hügel den Laguna Lookout entdecken. Von hier bietet sich uns schon mal ein grandioser Ausblick über Noosaville und Noosa Heads, ihre Fluss- und Meeresarme und die Küste.

Mehrere Wanderwege führen durch den Park und wir laufen zuerst den Coast Track an der Küste entlang, bis wir zu einem schönen Strand am Winch Cove ankommen. Auf dem Weg begegnen uns Surfer jeden Alters, die ohne mit der Wimper zu zucken mit dem Surfboard unterm Arm barfuß über die spitzen Schottersteinchen laufen und eine ewige Coolness und Gelassenheit ausstrahlen. Vom Strand aus sehen wir eine ganze Weile zu, wie sie raus paddeln, den richtigen Moment abwarten und die nächste Welle nehmen.

Wir müssen uns mal wieder eingestehen, dass es schon ziemlich cool aussieht und wir das eigentlich auch gerne probieren wollen. Und bevor wir es uns noch groß anders überlegen können, googlen wir schnell nach einem Surfkurs für den nächsten Tag und reservieren zwei Plätze. Sieht eigentlich auch gar nicht so schwer aus. Abwarten …

Ein wenig genießen wir noch die Nachmittagssonne am Strand, dann geht es wieder zurück auf den Wanderweg in Richtung der vielversprechend benannten Punkte Hell’s Gates und Devil’s Kitchen. Die Steilklippen sind aber zum Glück mehr beeindruckend als beängstigend und danach geht es von der Küste wieder landeinwärts durch den Busch. Ein Wallaby hüpft an uns vorbei durchs Dickicht und wir verrenken uns die Hälse nach einem Vogel, dessen Ruf wie eine Laserpistole klingt.

Die Website von Learn to Surf Noosa verspricht die weltbesten Surfcoaches und garantiert, dass man im ersten Kurs gleich auf dem Brett steht. Trotzdem sind wir ganz schön aufgeregt, als wir am nächsten Morgen am Parkplatz von Noosas Main Beach auf unseren Surflehrer Anthony treffen. Mit uns nehmen noch drei Kanadier und eine Schweizerin am Kurs teil und nachdem wir uns alle in kurze Neoprenanzüge gequetscht haben, bekommt jeder ein riesiges Schaumstoff-Board und es geht im Gänsemarsch an den Strand.

Die Dimension der Bretter macht ein lässiges “Unter-den-Arm-klemmen” unmöglich, deswegen wird es über den Kopf gelegt. Wenigstens können wir so unsere Nackenmuskeln endlich mal wieder trainieren. Bevor es ans Eingemachte geht, gibt uns Anthony eine kurze Trockeneinweisung in die Bewegungsabläufe und informiert über potentielle Gefahren. Wie verlaufen die Wellen? Wie kann man vermeiden, auf einen Rochen zu treten? Was tun, wenn man von der Strömung raus getrieben wird? Das Herz rutscht gleich noch ein bisschen tiefer in die Neoprenhose, aber da geht es auch schon los. Im seichten Wasser schlurfen wir mit unseren Füßen über den Meeresboden (Anti-Rochen-Tanz) und ziehen unsere Bretter hinter uns her. Im hüfthohen Wasser machen wir die ersten Versuche, indem Anthony unsere Boards festhält und im richtigen Augenblick das Kommando “1-2-3-up!” gibt und loslässt. Irgendwann sind dann auch die Meeres-Ängste vergessen, müssen wir doch an so viele andere Dinge gleichzeitig denken. Welle anvisieren, aufs Brett legen, Standbein anwinkeln, paddeln, hochdrücken, Füße platzieren, Arme ausbreiten, stehen bleiben. Atmen. Und das ganze möglichst lässig aussehen lassen.

An der B-Note müssen wir sicher noch feilen, aber wir schaffen es beide tatsächlich ein paar mal, auf dem Brett zu stehen und die Wellen für ein paar Meter mitzunehmen.

Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und obwohl wir immer wieder fallen, von Wellen umgeworfen werden und reichlich Salzwasser schlucken, haben wir so viel Spaß wie lange nicht mehr. Wann war das letzte Mal, dass wir etwas Neues gelernt haben? Der Ehrgeiz hat uns gepackt und obwohl wir nach dieser ersten Stunde total erschöpft sind, wollen wir uns so bald wie möglich wieder Bretter ausleihen und weiter üben.

Aber fürs Erste sind wir platt und schaffen es gerade noch so, durch die hübsche Einkaufstraße Hastings Street zu bummeln und uns mit einem leckeren Burger zu belohnen, bevor es weiter nach Brisbane geht.