Nach unserem “Umweg” in den Norden zum Cape Tribulation machen wir uns nun südlich von Cairns auf den Weg in die Atherton Tablelands.
Aber erst mal bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, was uns in Australien bei den Gratis-Übernachtungsplätzen erwartet: Parkplätze voller Campervans und Autos direkt neben der Autobahn. Als wir uns entschieden hatten, den Camper zu mieten, sah die Ausbeute an grün markierten Campingplätzen in der CamperMate App entlang der Ostküste echt vielversprechend aus. Wir müssen allerdings feststellen, dass wir von Neuseeland super verwöhnt sind. Mit unserem Camper Heinz durften wir ständig an abgelegenen und fast unberührten Orten nächtigen. Aber wir sind ja nicht zum Schlafen nach Australien gekommen und es gibt viel zu entdecken!

Die Atherton Tablelands liegen im Landesinneren zwischen Cairns und Innisfail und sind ein grünes Hochland bedeckt mit Regenwald und Farmland.

In der kleinen Stadt Yungaburra machen wir kurz Halt, bummeln durch Secondhandshops und Künstlerläden und beobachten eine Gruppen Senioren bei einem intensiven Match Bowls (ähnlich wie Boule oder Boccia, aber mit einem festen und markierten Spielfeld und größeren Kugeln).

Gleich außerhalb der Stadt finden wir den Curtain Fig Tree. Hier ist vor langer Zeit eine Würgefeige von einem hohen Baum heruntergewachsen, hat diesen Baum so geschwächt, dass er irgendwann umstürzte und auf einen anderen fiel, den die Feige dann auch eingenommen hat. Mittlerweile sind beide “Wirts”-Bäume tot, die Feige wächst munter weiter und ihre Wurzeln hängen dicht aus 15m Höhe wie ein Vorhang bis auf den Boden herab.

Den nächsten Stopp machen wir spontan, als wir ein Schild mit “Australian Platypus Park” sehen. Schnabeltiere wollten wir schon immer mal sehen! Am Ende der kurzen Auffahrt finden wir ein Café und eine nette Mitarbeiterin, die uns eine kurze Einführung in die Welt der eierlegenden Säugetiere gibt, bevor wir auf das Gelände und uns auf die Lauer legen dürfen.

Erste Überraschung: Platypuse sind total klein! Zumindest die hier. Sie hält ein maßstabgetreues, etwa 15cm langes Stofftier in der Hand, dass sie immer wieder gedankenverloren streichelt, während sie uns vom Lebensraum und Essensgewohnheiten (“Everything with a heartbeat, like snails and small fish”) erzählt. Wir kleben uns einen neongelben Schnabeltiersticker auf die Brust und dürfen durch das niedrige Gartentürchen auf eine weitläufige Wiese treten. Links und rechts des Weges gibt es schon kleinere Teiche, aber die Schnabeltierkolonie, die an die 13 Tierchen zählt, kann man im Gelände weiter hinten finden. Uns wurde gesagt, dass wir ganz normal weiter sprechen sollen, weil die Schnabeltiere an Besucher gewöhnt sind und bei totaler Stille eher Gefahr wittern. Außerdem keine hastigen Bewegungen machen oder auf sie zeigen. Ein schmaler eingezäunter Weg führt ans dicht bewachsene Ufer des größten Teichs, der an den Rändern komplett mit Wasserpflanzen und Seerosen überwuchert ist. Wir kneifen die Augen zusammen und suchen gespannt das Wasser ab.

Und schon platscht es links von uns leise und wir sehen einen kleinen braunen, felligen Körper und einen breiten Schnabel, der sich suchend  hin und her durch die Pflanzen auf der Wasseroberfläche bewegt. Wir freuen uns wie Kinder, denn die Schnabeltiere sind einfach süß, wie sie zwischen Seerosenblättern auftauchen, herumpaddeln und dann schnell wieder abtauchen.

Wir bleiben noch eine ganze Weile stehen und zählen drei oder vier Platypuse. Oder war es am Ende immer nur das Selbe? 

Weiter geht es auf den Waterfall Circuit, einen selbstgeführten Auto-Rundweg, auf dem man nacheinander fünf Wasserfälle besuchen kann. Zuerst kommen die Millaa Millaa Falls, der meistfotografierte Wasserfall Australiens. Auch wir tragen natürlich ein paar Kameraklicks dazu bei und beobachten eine im Wasser bibbernde Touristin, die vergeblich versucht, einen werbungsreifen Haare-aus-dem-Wasser-schwingen-Shot nachzuahmen.

Es folgen die Zillie Falls und Ellinjaa Falls, aber ganz so genau können wir die beiden auch nicht mehr auseinanderhalten – es ist ein Wasserfall-Overkill! Damit ist der Rundweg zwar noch nicht komplett, uns reicht es aber und wir machen uns auf den Weg in Richtung Küste.

Wir kommen am “Goldenen Gummistiefel” in Tully vorbei, der zur Zeit regenreichsten Stadt Australiens (anscheinend wetteifern drei Städte um diesen Rekord) und steuern noch einmal ins Landesinnere zu den Wallaman Falls. Das ist der mit 268m höchste einstufige Wasserfall Australiens.

Der Parkplatz ist auf gleicher Höhe gegenüber und wir können uns erst einen Überblick über den steilen Canyon und die Wassermassen verschaffen, bevor wir über einen steilen Weg durch dichten Regenwald nach unten zum Auffangbecken steigen.

Nach einer halben Stunde kommen wir unten an, klettern über ein paar Felsen zu einem schattigen Fleckchen und genießen den sanften Sprühnebel, der vom Wasserfall zu uns herüber weht. Diese Abkühlung kommt eigentlich zur falschen Zeit, denn natürlich ist der Aufstieg um einiges anstrengender und wir sacken nach einer Stunde erschöpft und verschwitzt in die Autositze.

Nächstes Ziel: Mission Beach. Hier ist aber nix mit Strand, wir bleiben wegen starkem Regen zwei Tage auf einem großen Campingplatz (Duschen! Waschmaschine! WLAN!) hängen und schmieden von dort Pläne für die kommenden Tage.

Als der Himmel endlich wieder aufklart, machen wir uns auf den Weg nach Townsville. Die Fahrt auf der Autobahn wäre ziemlich langweilig, hätten wir nicht zwei wichtige Entdeckungen gemacht: eine Farm, die frisch geerntete Ananas verkauft (drei für 4 AUD!) und die Raststätte “Frosty Mango”, wo es leckere Smoothies gibt. Mit vitaminreichem Proviant geht es also weiter bis zum Stadtrand von Townsville. Der Schlafplatz für die Nacht ist besonders romantisch: auf dem flutlichthellen Parkplatz zwischen Tankstelle und Baumarkt.

Am nächsten Morgen parken wir unseren Van am Hafen von Townsville und nehmen eine Fähre nach Magnetic Island. Diese Insel wurde 1770 von Kapitän James Cook entdeckt. Der Kompass spielte verrückt und die Mannschaft vermutete, dass die Insel aus magnetischem Gestein besteht. Diese Einschätzung bewahrheitete sich zwar nicht, aber der Name blieb hängen.

Magnetic Island ist im Sommer ein beliebter Urlaubsort der Australier, aber gerade ist Winteranfang, es hat “nur” etwa 25 Grad und es sieht nicht sehr belebt aus, als wir am Fährhafen anlegen und loslaufen.

Wir haben uns einen der zahlreichen Wanderwege ausgesucht, die durch den Nationalpark führen und starten von Nelly Bay in Richtung Forts Junction. Auf der Insel gibt es noch zahlreiche Überbleibsel von 1945, als die australische Armee hier noch in den letzten Minuten des zweiten Weltkriegs Truppen, Munition und Bunker stationierte. Die Bunker stehen bis heute und bieten neben ihrer offensichtlichen Aufgabe als historisches Wahrzeichen tolle Aussichtsplattformen über die ganze Insel, die Küste und das Meer.

Aber wegen den Bunkern sind wir nicht hergekommen. Eigentlich wollen wir hier Koalas und vielleicht Felskängurus sehen, für die Magnetic Island außerdem berühmt ist.

Aber auch nachdem wir zwei Stunden durch das Nationalparkgelände gewandert sind, haben wir in den vielen Eukalyptusbäumen keinen einzigen Koala entdeckt. Dafür aber unsere erste australische Schlange! Laut whatsnakeisthat.com.au handelt es sich um eine harmlose Baumschlange, aber trotzdem ist es aufregend und wir stampfen ab sofort noch ein bisschen lauter durchs Unterholz, damit keine sonstigen Kriechtiere auf falsche Gedanken kommen.

Uns laufen zwar viele Eidechsen, Schmetterlinge und Vögel über den Weg, aber die Koalas haben heute keine Lust, fotografiert zu werden. Auch gut, gehen wir halt an den Strand.

Weiter gehts von der Forts Junction bis zum größten Strand der Insel in der Horseshoe Bay. Magnetic Island wäre in Queensland jetzt der erste Ort, wo wir uns im Meer nicht vor Salzwasserkrokodilen fürchten müssten. Aber giftige Quallen gibt es auch hier und so wurde ein schwimmbeckengroßes Stück am Strand mit einem Netz für Meeresbewohner “abgesperrt”.

Wir erholen uns ein paar Stunden am Horseshoe Bay von der anstrengenden Koalasuche, bevor uns ein Bus wieder zurück zur Fähre bringt.

Als nächstes Ziel entlang der Ostküste haben wir uns die Whitsunday Islands ausgesucht. Die Inseln sind mit strahlend weißem Sand gesäumt, der malerische Schlieren durchs türkisblaue Wasser zieht. Hier kann man vom mehrtägigen Cruise auf Segelyachten oder Katamaranen bis Tagesausflügen alles buchen, was das Herz begehrt und der Geldbeutel hergibt.

Wir entscheiden uns für den “Southern Lights” Tagestrip mit OceanRafting, derselben Art Schnellboot wie oben am Cape Tribulation. Um 10:00 Uhr betreten wir das gelbe Boot mit dem Namen “Thunderstruck” und düsen nach kurzer Begrüßung von Guide und Skipper zum gleichnamigen AC/DC-Song aufs Meer hinaus. In gewohnt schneller Manier erreichen wir ein Korallenriff und dürfen eine Stunde schnorcheln. Der Zyklon Debbie hat hier im April leider große Teile des Riffs vollends zerstört und verwüstet, die Sichtbarkeit unter Wasser ist wegen dem aufgewirbelten Sand deswegen noch ziemlich schlecht. Wir schnorcheln ein bisschen ums Boot herum, entdecken nochmal eine Schildkröte und ein paar Fische, die Korallenriffe sehen aber wirklich übel mitgenommen und traurig aus. Ein Teil der Gruppe erspäht anscheinend auch einen kleineren Hai, aber da sind wir zum Glück schon wieder an Bord, sonst wären wir wahrscheinlich schneller als das Speedboot in Richtung Ufer geschwommen.

Weiter geht’s zur größten Insel, Whitsunday Island und dem berühmten Whitehaven Beach. Der Sand hier besteht zu 98% aus Silicat und ist so feinkörnig, dass er angeblich mit verwendet wurde, um die Linse des Hubble-Weltraumteleskops herzustellen. Als wir am nördlichen Ende vom Boot steigen, werden wir vom Sand förmlich geblendet und müssen trotz Sonnenbrillen die Augen zusammenkneifen.

Wir folgen unserem Guide auf die Aussichtsplattform oberhalb von Hill’s Inlet, wo wir einen besseren Blick auf das schöne Farbschauspiel zwischen Sand und Meer haben. Wir können sogar ein paar Rochen ausmachen, die durchs seichte Wasser tief unter uns gleiten. Hier oben auf dem “bush trail” kann man die Zerstörungskraft des Zyklons auch aus nächster Nähe sehen: fast alle Bäume sind hier wie Streichhölzer abgeknickt.

Auf der anderen Seite steigen wir nach einem kurzen Rundweg hinunter zu einem weiteren Strand, wo auch schon unser Boot auf uns wartet. Zum krönenenden Abschluss werden wir zum Südende des Whitehaven Beach gefahren, wo wir ein Mittagessen bekommen und den Rest des Nachmittags am Strand entspannen können. Das Boot liegt im kniehohen Wasser und nachdem sich jeder Essen auf seinen Pappteller geschaufelt hat, gilt es, einen interessanten Hindernis-Parcour aus Bootstreppe, Wasser und hungrigen Möwen zu bewältigen. Andere Leute zu beobachten, wie sie ihre Teller vor den aufdringlichen Vögeln verteidigen, ist fast der unterhaltsamste Teil des Tages.

Wäre da nicht noch die Rückfahrt mit der “Thunderstruck”. Der Skipper gibt nochmal alles uns jagt uns über Wellen, fährt scharfe Kurven und spielt dazu die passende Playlist auf voller Lautstärke. Durchgeschüttelt und voller schöner Eindrücke kommen wir am späten Nachmittag wieder in Airlie Beach an.

Um diesen tollen Tags gebührend abzuschließen, genießen wir Campingkocher-Tortillas und gekühltes Bier aus unserem Mini-Kühlschrank. Natürlich auf einem romantischen Parkplatz.