Nach einer langen und schlaflosen Nacht am Flughafen von Christchurch kommen wir an einem Sonntag Morgen in Melbourne an. Schnell (Handgepäck sei Dank!) sind wir vom Flughafen in die City gefahren und können in unserem Hostel Home at the Mansion in einer alten viktorianischen Villa unser Gepäck schon mal abgeben.

Unsere müden Gehirne können nur einen Gedanken formulieren: Frühstück! Und so schlurfen wir halbwach durch die trendige Brunswick Street im Viertel Fitzroy auf der Suche nach Kaffee und etwas Essbarem. Oft arten solche Restaurant-Suchen bei uns in Streit aus, vor allem, wenn der Hunger groß und das Angebot noch viel größer ist. Das sind echte Luxusprobleme! Aber diesmal werden wir beide gleich magisch von der Auslage und der gemütlichen Einrichtung im Stagger Lee’s angezogen und nicht enttäuscht. Das leckere Frühstück weckt unsere Lebensgeister wieder und wir schlendern weiter durch die Straßen, vorbei an coolen Designshops, Second-Hand Läden, schönen Hipstern und jeder Menge Cafés und Bars.

Am zweiten Tag machen wir uns morgens gleich auf zu einer Walking Tour. Langsam sollten wir für diese Rundgänge ein Sammelheft starten. Die Führung beginnt an der imposanten State Library of Victoria und der Guide bringt uns durch Melbournes Chinatown, vorbei am Federation Square und über den Yarra River, durch italienisch anmutende Einkaufsarkaden und schmale Gässchen (laneways) mit Street Art und untermalt das Ganze mit vielen Facts zu Geschichte und Kultur der Stadt. Melbourne gefällt uns auf Anhieb gut, die Mischung aus Großstadt und entspanntem Küstencharakter macht’s.

Am Abend sind wir ganz kaputt vom vielen Durch-die-Stadt-Gelaufe und wollen uns ein bisschen entspannen. Da trifft es sich gut, dass wir in Fitzroy ein Yogastudio mit angeschlossenem veganen Restaurant (oder anders herum) entdeckt haben. Bei Desire Tree Yoga gibt es unter der Woche jeden Abend zwei Kurse und für 15 AUD bekommt man eine Yogastunde im kleinen Studio über dem Restaurant Radhey und danach ein leckeres veganes Gericht.

Weil wir bis zur letzten Minute in Neuseeland unseren Vanverkauf und dann schnell die Weiterreise nach Melbourne organisiert haben, liegt Australien noch ziemlich ungeplant vor uns ausgebreitet. Was tun in diesem riesigen Land? Oder besser gesagt: Was wollen wir sehen und wie können wir das sinnvoll und möglichst günstig verbinden? Uns wird schnell klar, dass wir bei der Planung Hilfe benötigen und besuchen auf Empfehlung OneStopAdventures, eine kleine Reiseagentur im Urban Central Hostel. Man hört sich unser Gestammel (“Ostküste! Oder lieber Westküste? Auf jeden Fall Outback! Tasmanien wäre auch cool…”) etwa 20 Minuten lang an und bietet dann ein paar Lösungsvorschläge an.

Irgendwann feuern wir aus allen Rohren, wir beide buchen die Flüge auf unseren Handys, während Paul Mietwagenanbieter durchtelefoniert und Touren auf freie Plätze überprüft. Und nach drei Stunden treten wir aus dem Hostel wieder ans Tageslicht und haben erstens sehr viel Geld auf einmal ausgegeben und zweitens unsere komplette Zeit in Australien durchorganisiert. Am Ende der Woche fliegen wir ins Outback, von dort nach drei Tagen weiter nach Cairns im Norden der Ostküste und von dort aus werden wir wieder das “Vanlife” leben und in einem Monat an der Küste entlang runter nach Sydney fahren.
Die Great Ocean Road wollten wir aber auf keinen Fall verpassen aber bis zum Abflug bleiben uns nur noch zweieinhalb Tage. Auf der einen Seite gefällt uns Melbourne zu gut, um gleich wieder weiterzuziehen, auf der anderen Seite würde es bestimmt an uns nagen, wenn wir die schöne Route links liegen ließen. Die Entscheidung fällt schließlich auf die Great Ocean Road und ein Mietauto muss spontan her.

Nach einem teuren, aber auch sehr guten Mittagessen bei St. Ali Coffee Roasters (Felix kleine Tasse Spezialkaffee kostet Sage und Schreibe 8 Dollar!) vergleichen wir ein paar Preise und nehmen schließlich einen Kleinwagen von Budget, den wir am nächsten Morgen abholen können. Die Great Ocean Road führt 243 km an Australiens Südküste, westlich von Melbourne, entlang und ist eine der berühmtesten “Scenic Routes”. Wir nehmen von Melbourne aus die A1 Autobahn bis nach Peterborough und fahren somit quasi “hintenrum” bis zum Ende der Great Ocean Road. So haben wir erstmal Strecke gemacht, nehmen die Great Ocean Road als Rückweg nach Melbourne und können uns auf dem Weg an der Küste entlang mehr Zeit lassen.

Als wir auf die Great Ocean Road abbiegen, erscheinen auch schon die ersten Schilder, die auf besondere Küstenattraktionen verweisen. Die ganze Küste erinnert uns an Landschaften in Neuseeland, vor allem Tunnel Beach bei Dunedin, aber natürlich ist hier alles noch ein bisschen größer und imposanter. Das Meer ist wild und die Wellen spritzen Meterhoch aus einem “Blowhole” oder zerschellen an Felsen. Alle Foto-Ops sind entlang der Straße ausgeschildert und so beginnt ein fröhliches Stop-and-Go vorbei an London Bridge, The Arch, The Razorback und verschiedensten anderen Aussichtspunkten.

Die Hauptattraktion der Great Ocean Road sind wahrscheinlich die 12 Apostel, inzwischen nur noch acht hohe, einzeln stehende Kalksteinfelsen vor der Küste im Meer. Ein riesiger Parkplatz und Besucherzentrum, hunderte von Tourbussen und Menschenströme wie auf einem Ameisenhügel erwarten uns hier. Bei den vorherigen Fotostopps hatten wir es schon mit geballter Touristenpower zu tun, aber die 12 Apostel toppen wirklich alles. Zuerst sei gesagt, dass die Felsformationen wirklich imposant sind, aber so richtig kann man den Ausblick nicht genießen, wenn man aufpassen muss, dass man niemandem auf die Füße tritt oder einen Selfie-Stick ins Auge gestochen bekommt. Als es schon langsam dunkel wird, finden wir ein nettes kleines Hostel in Apollo Bay, wo wir uns nach dem Abendessen in unsere Betten mit Heizdecken (!) kuscheln.

Am Cape Otway soll man besonders gut Koalas in den Eukalyptusbäumen erspähen können, also machen wir am nächsten Morgen noch den kurzen Umweg zurück und starren angespannt in die Bäume neben der Straße. Als wir schon fast aufgeben wollen, entdecken wir zwei graue Fellknäule sich gegenüber sitzend auf einem Ast. Sie sind zu weit weg, um gut heranzoomen zu können und so richtig können wir auch nicht ausmachen, ob sie schlafen oder mitbekommen, wie aufgeregt wir hier unten deuten, knipsen und die Augen zusammenkneifen.

Auf der großen australischen Tiersafari (wir zählen mal nur die süßen und interessanten, denn die gefährlichen und giftigen Tiere suchen wir nicht absichtlich) können wir also schon mal eins abhaken.

Unsere Entdeckungstour führt uns weiter zum kurzen Rundwanderweg Maits Rest, wo es Farne, Farne und noch mehr Farne zu sehen gibt. Weiter geht’s nach Kennett River, wo uns zutrauliche und menschenfreundliche Papageien versprochen wurden. Zuerst entdecken wir aber noch einen Koala hoch oben im Eukalyptusbaum.

Danach beobachten wir eine Gruppe asiatischer Touristen am Parkplatz neben Café Koala, die aufgeregt mit Vogelfutter um sich werfen. Man muss eigentlich nur seine Arme ausbreiten und so tun, als hätte man auch etwas zum Fressen in der Hand. Felix wird zuerst angeflogen und die Papageien sind zwar neugierig, aber auch erstaunlich zahm und es ist toll, sie so aus der Nähe zu betrachten. Aber schnell haben Sie unseren Bluff durchschaut und ziehen weiter zur echten Futterquelle.

Auch wir ziehen weiter und machen, nach einem kurzen Abstecher auf den Turtons Track, einer idyllischen Route die sich durch dichten Wald schlängelt, als nächstes Halt in der kleinen Stadt Lorne für einen Kaffee und sehen dann noch coolen Surfern am Split Point Lookout zu. Bevor es nach Melbourne zurück geht, stoppen wir noch im hübschen Surferstädtchen Torquay, wo aber am späten Nachmittag leider schon alles zu hat.

Nun heißt es zurück auf die Autobahn, ins Hostel nach Melbourne und Rucksäcke packen für den Flug am nächsten Morgen. Outback, wir kommen!