Der Milford Sound steht schon seit unserer Reiseplanung ganz oben auf unserer Liste und jetzt kommen wir so spät in unserer Neuseeland-Tour auch endlich dort hin. Von Queenstown aus liegt das Fjord eigentlich nur in 74km Luftlinie Entfernung. Mit mit dem Auto muss man aber erst nach Te Anau und dann noch weiter nördlich durch den Fjordland-Nationalpark fahren, insgesamt 287km.
Wir teilen die lange Strecke auf und übernachten zuerst in Lumsden, einem Mini-Städtchen mit einem alten, nicht mehr aktiven Bahnhof mitten im Zentrum an der Hauptstraße. Hier dürfen Camper in Vans und Zelten gratis übernachten, es gibt Geschirrspülbecken und öffentliche Toiletten. Außerdem werden wir von einem netten älteren Herrn mit Warnweste herzlich begrüßt, der hier nach dem Rechten sieht und eventuell Camper bittet, platzsparender zu parken, damit noch mehr Autos hin passen. Nett! Weiterer Bonus: am nächsten Morgen frühstücken wir auf dem alten Bahngleis neben einer riesigen alten Lok. Aber lange bleiben können wir nicht, über nacht ist anscheinend der Winter eingebrochen und wir schütten uns mit zitternden Händen fast den Kaffee über den Schoß.

Von Lumsden führt uns die Straße durch grünes Farmland, bis wir die kleine Stadt Te Anau erreichen. Nach kurzem Stopp fahren wir in Richtung Milford durch wunderschöne Landschaften. Es geht über goldene Hügel und durch schattigen Regenwald, in einem tiefen Tal zwischen den kegelförmigen Bergen. Wir halten kurz an einem Parkplatz mit vielen Touri-Bussen, um zu sehen, was die Natur hier zu bieten hat. Es sind die Mirror Lakes, die seltene Aale beherbergen und die umliegenden Berge und den Himmel in ihrer Oberfläche spiegeln.

Der nächste Stopp, der von unserem ständigen Begleiter NZ Fenzy  angepriesen wird ist ein verstecktes “Walkwire”. Fast hätten wir das Schild und den Parkplatz vom Earl Mountain Track verpasst, so klein und unscheinbar ist er. Der Wanderweg, auf dem wir das Stahlseil finden sollen, ist als Mistake Creek auf der Tafel aufgezeichnet. Der Name klingt sehr vielversprechend. Kurz überlegen wir noch, ob wir eine Spur aus Brotkrumen hinterlassen sollen, falls wir nicht mehr zurückfinden, aber die kleinen zutraulichen Vögel (South Island Robins oder zu deutsch “Langbeinschnäpper”), die uns hier überall belagern, würden unseren Plan sicher im Handumdrehen durchkreuzen.

Nach etwa zehn Minuten über noch feuchten Waldboden, wo wir von Wurzel zu Wurzel springen müssen, um trockene Füße zu behalten, erreichen wir einen klaren Fluss, wohl der Mistake Creek. Und wie versprochen, führt hier keine Brücke, sondern ein Drahtseil für die Füße mit zwei höher gespannten Seilen zum Festhalten etwa zwei Meter über dem plätschernden Wasser ans andere Ufer.

In Te Anau haben wir in der Touristeninformation einen Cruise im Milford Sound für den nächsten Morgen gebucht und weil es jetzt schon so früh dunkel wird, suchen wir uns am Nachmittag einen Campingplatz. Leider machen wir den Fehler und stellen uns am Cascade Creek nicht an den Waldrand, sondern direkt an einen Bach und erleben unsere bis dato kälteste Nacht im Van. Am nächsten Morgen haben wir sogar Frost auf der Windschutzscheibe! Aber auch dieses kleine Abenteuer bestehen wir und tuckern nach provisorischem Eiskratzen früh los nach Milford.

Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und noch liegt dichter Nebel über den Flüssen und Bächen. Aber je näher wir an den Fjord kommen, desto mehr klart es auf und wir genießen die ganze Fahrt über 1A-Blicke über die zahllosen Hügel und Berge in der Morgensonne. Am Parkplatz werden wir von zwei neugierigen Keas, riesigen grünen Papageien, besucht und um kurz vor 09:00 Uhr checken wir bei unserem Cruise mit GoOrange ein.

Wir haben eine der ersten Touren auf einem mittelgroßen Boot gebucht und warten gespannt in der Schlange, als ein Crew-Mitglied uns fröhlich mit den Worten „Can you smell the bacon?“ begrüßt. Ein kleines Frühstück ist nämlich im Preis mit inbegriffen. Die ca. 40 Teilnehmer verteilen sich auf den Decks und langsam läuft das Boot aus dem kleinen Hafen.

Ein netter, grauhaariger Herr, der nach eigenen Angaben eigentlich längst im Ruhestand sein müsste, ist heute unser Kapitän. Über die Lautsprecher weist er auf die Wasserfälle in den steilen Steinwänden hin, die den Fjord einkesseln.

Plötzlich lenkt er das Boot scharf nach Rechts und erklärt nach einigen Minuten so leise, wie es die Lautsprecher zulassen, dass er eine Schule von Delfinen entdeckt hat. Die anderen Boote, die zeitgleich mit uns gestartet sind, haben nichts gemerkt. Die Naturschutzregeln besagen, dass sich ein Boot nicht mehr als 30 Meter an Delfine annähern darf, um sie nicht zu stören. Deswegen lässt der Kapitän die Delfine zu uns kommen, dreht das Boot wieder und schmeißt die Motoren an.

Die Delfine sind sehr verspielt und lieben es, in den Bugwellen zu schwimmen. Und so kommen wir in den Genuss unserer ganz persönlichen Delfin-Tour. Einige Minuten verrenken wir uns die Hälse und lehnen uns über die Reeling, um die Dusky Dolphins zu beobachten.

Wir fahren eine große Runde durch den Fjord, sehen, wo die Alpine Fault Line (=Verwerfungslinie, wo die Australische und Pazifische Erdplatten gegeneinander reiben) beginnt, die sich von hier bis durch Wellington zieht und entdecken ein paar Seelöwen, die faul auf den Felsen liegen.

Zum Schluss gibt es für die Abgehärteten unter den Passagieren noch eine kleine Wasserfalldusche und nach insgesamt zwei Stunden legen wir wieder im kleinen Hafen an.

Auf dem Rückweg aus dem Milford Sound halten wir noch kurz bei The Chasm, einem versteckten Wasserfall, der in die Felsen rundherum perfekte runde Schüsseln und Becken gehöhlt hat.

Bevor wir wieder durch den Homer Tunnel in der hohen Felswand verschwinden, blicken wir noch einmal zurück ins Tal und über die sich windende Straße. Kurz nach dem Tunnel parken wir unseren Heinz schließlich im Gertrude Valley.

Bei strahlendem Sonnenschein starten wir hier unsere Wanderung zum Gertrude Saddle, einem 1.405m hohen Pass. Der Wanderweg führt entlang einem trockenen Flussbett durch kniehohes Gestrüpp. Die Route ist nur bis zur Hälfte mit kleinen Pfeilern gekennzeichnet und als das Gestrüpp endet, steigt der Weg langsam an und wir stehen unterhalb des Passes vor einer imposanten Felswand gespickt mit Geröllfeldern.

Ab hier gibt es keinen vorgegebenen Weg, aber Wanderer vor uns haben vor uns die besten Routen mit kleinen Steintürmchen gekennzeichnet und wir haben trotz Anstrengung viel Spaß bei dieser Wander-Schnitzeljagd. Links plätschern schmale Rinnsale klaren Wassers die Felsen hinunter und als wir den ersten großen Felswandteil hinter uns haben, stehen wir vor einem spiegelglatten grünen See.

Von hier aus gibt es für den letzen Teilabschnitt ein am Fels fixiertes Seil, an dem man sich festhalten kann und wir können uns vorstellen, dass man hier bei anderen Wetterbedingungen bestimmt ganz schön zu kämpfen hat.

Nach einer letzten Kletterpartie über große Steinbrocken kommen wir oben auf dem Kamm an und suchen uns ein schönes grasiges Fleckchen zum Ausruhen. Von hier haben wir einen unglaublichen Blick über die umliegenden Gipfel und Täler und der Milford Sound glitzert vor uns in der Nachmittagssonne.

Als wir wieder am Parkplatz sind, beschließen wir, noch eine Nacht in der Nähe zu bleiben, damit wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung einbauen können. Diesmal gönnen wir uns eine Nacht auf dem Campingplatz bei Knobs Flat mit warmen Duschen und frieren diesmal nur halb so viel. Auf der Fahrt zum Wanderweg am nächsten Morgen nehmen wir noch einen schwer bepackten Chilenen mit, der von hier den „shortcut“ nach Queenstown über die Berge wandert, und machen uns selbst auf zum Key Summit.

Es ist eine leichte zwei- bis dreistündige Rundwanderung und oben werden wir mit einem 360-Grad Ausblick belohnt, außerdem haben wir wieder bestes Wanderwetter. Der NZ Frenzy hat auch wieder einen Geheimtipp und rät, dass wir uns hinter dem Aussichtspunkt durch ein Waldstück schlagen, um über den Bergkamm zu einem Punkt mit Blick in die anderen Täler und auf die umliegenden Seen zu gelangen.

Das ganze bedeutet eine Stunde „Umweg“ und der Wind ist oben auf dem Bergkamm ganz schön stark, aber dieser Tourguide hat uns noch nie enttäuscht – natürlich lohnt es sich, auch weil wir mal wieder die Einzigen hier oben sind, die davon zu wissen scheinen.

Als wir am Nachmittag Fjordland in Richtung Te Anau verlassen, sind wir voller schöner Eindrücke von diesem besonderen Ort. Wir halten noch kurz an einer riesigen Alpaca Farm und stocken unsere Vorräte im Supermarkt auf, bevor wir uns in den Süden nach Invercargill aufmachen.

Laut vielen Reisenden, die wir in den letzten Monaten getroffen haben, handelt es sich hierbei um die hässlichste Stadt Neuseelands – unsere Erwartungen sind also sehr hoch!