Noch ganz beflügelt von Felix Skydive und den bildschönen Ufern Wanakas steuern wir nach einer windigen Nacht unseren Van in Richtung Queenstown. Nach kurzem Zwischenstopp in Arrowtown, einem hübschen, kleinen Städtchen im Westernstil, das auf gut betuchte Touristen spezialisiert zu sein scheint, passieren wir gegen mittag das Ortsschild der Funsportstadt. Wir besuchen Elizabeth und Baker, Freunde aus den USA, die hier seit November wohnen und arbeiten.

Queenstown liegt inmitten von malerischen Bergen und dem Haussee Lake Wakatipu und ist das ganze Jahr über Touristenmagnet. Hier wurde 1986 von A.J. Hackett das Bungeespringen erfunden, hier kann man die Natur wandernd, radelnd, zu Boot oder aus der Luft bewundern und die Angebote in den vielen Reiseagenturen überschlagen sich. Wir lassen es aber eher ruhig angehen, bummeln durch die Innenstadt und genießen Queenstown vor allem auf kulinarische Weise.

Zuerst steht ein Abstecher beim berühmten Fergburger auf dem Programm. Erst sind wir unschlüssig, ob wir dem Hype dieses Burgerladens klein beigeben sollen, aber manche Attraktionen, die von allen Seiten her angepriesen werden, sind es eben auch wirklich wert. Wir sind von diesem Kult-Burgerimbiss total überrascht. Obwohl die Preise in Queenstown für Unterkunft, Essen und Freizeitangebote eher gehoben sind, kosten die Burger weniger als in anderen Städten (12-15 NZD), sind dafür aber riesig, frisch zubereitet und lecker.

Das Warten in der langen Schlange, die man gleich sieht, wenn man in die Stadt rein fährt, lohnt sich also und die Damen und Herren von Ferg arbeiten effizient wie ein Schweizer Uhrwerk, so dass niemand länger als 15 Minuten auf die Leckerbissen warten muss. Profi-Tipp: vorher anrufen und bestellen, dann kann man wie ein VIP an den hungrigen Wartenden vorbeimarschieren und die Burger direkt am Tresen abholen.

Die nächste Budget-Überraschung erleben wir im Pub 1876, wo Bier und Cider nur 4 NZD kosten – jeder, der schon mal in Neuseeland unterwegs war, wird verstehen warum das ein Grund für Freude ist. Prost!

Riesige Eiskugeln in exotischen Sorten bekommen wir bei Patagonia direkt am Seeufer und weil wir die ganzen Kalorien auch irgendwie wieder verbrennen sollten, steigen wir mit Elizabeth in Richtung Ben Lomond Gipfel auf. Der Tiki Trail führt direkt aus dem Stadtzentrum auf den Berg. Steil geht es durch den Wald nach oben, zwischendurch muss man aufpassen, dass man nicht von lebensmüden Mountainbikern überrollt wird. Ab und zu hört man lautes Jauchzen und sieht Leute an einer Zipline vorbeizischen. Aber sonst sind der Wanderweg und der Wald ruhig, eine schöne Abwechslung von den vollen Einkaufsstraßen im Zentrum.

Aber die Ruhe hat sofort ein Ende, als wir oben bei der Gondelstation und Aussichtsplattform der Queenstown Skyline ankommen. Hier herrscht genau so ein Touristen-Gewusel wie im Tal und wir wollen schon fast wieder umkehren, aber dann fällt unser Blick auf die Luge-Strecke. Es handelt sich um eine Art Sommerrodelbahn ohne Schiene oder Rinne und mit dem „luge“ (sprich: Lusch; Schlitten) flitzt man auf einer kurvigen Teerbahn (eine für Anfänger, eine für Profis) bergab.

Mit dem Lenker kann man sich in die Kurven legen und bremsen. Aber der kurze Spaß ist viel zu schade zum bremsen und eigentlich ist eine Fahrt auch viel zu wenig, wie schon der offizielle Slogan verspricht: “Once is never enough!”

Zum Übernachten müssen wir abends wieder aus Queenstown herausfahren und finden zwei gratis Übernachtungsplätze am Shotover River. Von hier brauchen wir zehn Minuten in die Stadt. Am nächsten Morgen fahren wir am Kreisverkehr in Frankton nicht gleich nach Queenstown weiter, sondern machen noch einen kurzen Ausflug mit dem Auto auf die Remarkables Road, eine Bergstraße, die ins gleichnamige Skigebiet führt. Diese Strecke bietet tolle Ausblicke auf den Fluss, den Flughafen, den Lake Wakatipu und die umliegenden Berge.

Leider ist der Wind an dem Tag so stark, dass unser Heinz hin und her schwankt und ständig der Staub auf der Straße aufgewirbelt wird, so dass wir kaum den Weg sehen können. Weil wir aber das schöne Wetter im Tag genießen und uns noch ein bisschen die Beine vertreten wollen, erkunden wir am Nachmittag noch Queenstowns Seeufer um die Queenstown Gardens , ein Park, der wie eine kleine Halbinsel in den See ragt.

Hier trifft man viele Jogger, Familien beim Picknick und hat von der Spitze einen tollen Blick über den See. Wenn man unaufmerksam durch die Grünanlage läuft, kann es vielleicht passieren, dass man von einer Frolf-Scheibe am Kopf getroffen wird. „Frolf“ ist Frisbee-Golf und hier in den Queenstown Gardens wurde dieser lustigen Sportart ein weitläufiger 18-Loch-Kurs gewidmet.

An unserem letzten Tag in Queenstown holen wir Elizabeth und Baker morgens für eine Wanderung ab. Entlang der malerischen und recht einsamen Straße am Ufer des Lake Wakatipu geht es in Richtung Glenorchy. Nach etwa einer Stunde kommen wir am Start- bzw. Endpunkt des zwei bis viertägigen Routeburn Tracks an. Wir haben uns aber nur eine kleine Tagesetappe bis zur Falls Hut ausgesucht. Erst geht es lange recht ebenerdig an einem Fluss entlang durch den Wald und im letzten Drittel steigt der Weg stetig an.

Wir wandern etwa zwei Stunden, bis wir oben bei einer riesigen Schutzhütte unterhalb von mehreren kleinen Wasserfällen ankommen. In der Herbstsonne genießen wir unseren Proviant und halten ab sofort großen Abstand zu unseren Freunden, die sich Sardinen in der Dose als Mittagessen mitgebracht haben (“So praktisch für unterwegs!”).

Der Routeburn Track führt oberhalb der Wasserfälle auf eine grüne Hochebene und sieht mehr als verlockend aus, aber leider sind wir heute nicht genügend ausgerüstet, um hier in den Bergen zu übernachten. Also geht es wieder den gleichen Weg nach unten. Den ganzen Weg über haben wir tolle Ausblicke übers Tal und die umliegenden Berge und als wir am Parkplatz ankommen, geht schon langsam die Sonne unter.

Frisch geduscht im Adventure Queenstown Hostel (heißer Tipp für Camper: die Duschen sind fantastisch und kosten inkl. frischer Handtücher 3 NZD!) nehmen wir noch an der dortigen abendlichen Quiz-Night teil. Zu unserem Team mit Elizabeth und Baker gesellen sich noch zwei Briten hinzu, die vor allem in der ersten Runde mit Sportwissen maßgeblich zu unserem Erfolg beitragen. Wir beantworten uns durch Songtexte, Popkultur-, Sport- und Allgemeinwissens-Fragen und hängen am Ende die drei anderen Teams mit beachtlichem Vorsprung ab. Vielleicht ein unfaires Match, denn unsere Gegner sind zum einen betrunkener als wir und haben zum anderen 10 Jahre weniger „Lebenserfahrung“. Trotzdem freuen wir uns über den Gewinn: eine Kiste Wakachangi Bier, bei der allerdings die Verpackung weitaus schmackhafter als ihr Inhalt ist.

Uns hat Queenstown vor allem wegen der schönen Umgebung und unserer guten Gesellschaft gut gefallen. Der Ort an sich ist allerdings nichts Besonderes, vielmehr ein großes, perfekt auf Touristenwünsche angepasstes Ski-Dorf. Es gibt dort eine große Backpacker-Gemeinde und kaum jemand, der einen in den Läden oder Restaurants bedient, ist Neuseeländer. Trotzdem bleiben viele dort hängen und bezeichnen es als die „Queenstown-Blase“. Wir machen uns trotzdem lieber wieder auf den Weg, diesmal in Richtung Milford Sound, das norwegisch anmutende Stück Neuseelands hinter den Bergen, die wir die ganzen letzten Tage hier als Hintergrundkulisse hatten.