Nach unserem grandiosen Start auf der Südinsel steuern wir die Westküste an. Vor allem für die hohe Menge an Niederschlag und Sandfliegen berüchtigt, ist hier auch einiges geboten: Wasserfälle, Pfannkuchen, Gletscher und viele wilde Strände.

Oben im Norden starten wir mit dem Wharariki Beach, an den man erst gelangt, wenn man sich über einen steilen Hügel gekämpft hat. Der Wind ist richtig stark und sogar die zwei Pfauen, die wir überraschend auf dem Parkplatz antreffen, brechen ihren Abendspaziergang ab.

Wir stapfen tapfer an dem ansonsten sonnigen Tag über einen schmalen Pfad, grüßen Schafe links und rechts und stehen schließlich vor einer Dünenlandschaft. Der Wind paniert uns beim Überqueren großzügig mit dem feinen Sand, aber wir lassen uns davon nicht beeindrucken und setzen die Expedition entlang dem weitläufigen Strand dahinter fort. Denn der Blick ist sagenhaft.

Etwa 300m vor der Küste stehen hohe Felsen im Meer, in die das Wasser riesige Torbögen gefräst hat. Auch am Strand stoßen wir auf zwei riesige, dunkle Höhlen im Fels, zum Glück ohne Bewohner.

Am südlichen Ende vom Wharariki Beach finden wir einen Tunnel, der von den Wellen immer wieder etwa kniehoch geflutet wird. Als das Wasser ein bisschen zurückgeht, wagen wir uns durch den schmalen Felsgang und schauen uns auf der anderen Seite neugierig um, jederzeit bereit, bei einer hohen Welle schnell wieder durch den Tunnel zu verschwinden.

Felix ist etwas mutiger und spitzt noch links um die Ecke, um einen besonders majestätisch aussehenden Felsbogen mit der Kamera zu erwischen. Nasse Hose gegen tolles Foto nennen wir einen fairen Tausch. 

Bevor es zurück nach Takaka und dann durchs Landesinnere über Nelson und Richmond auf dem Highway weitergeht, halten wir noch beim Cape Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel. Über eine Privatstraße durch Weideland müssen wir durch zwei Gatter und stehen dann vor ewig grün bewachsenen Hügeln. Einen Weg suchen wir vergebens und so laufen wir einfach der Nase nach auf ein Schild in der Ferne zu. Kurz geht es den Hügel hinauf und wir stehen auf einer kleinen Holzplattform mit Geländer, unter uns steile Klippen und vor uns die Tasman-See.

In den Fluten tief unter uns können wir wieder Seehunde (und einen weiteren Felsbogen – scheint ein Trend zu sein!) ausmachen, auf den grünen Hügeln um uns grasen dutzende Schafe und die Abendsonne taucht alles in goldenes Licht. Perfekt!

Da die Westküste hier oben so rau ist, muss man auf dem Weg gen Süden kurz ins Landesinnere und so bugsieren wir Heinz bis nach Murchison, wo wir einen kurzen Nachtstopp einlegen. Am nächsten Tag geht es ausgeschlafen und mit den ersten juckenden Sandfly-Stichen zurück an die Küste.

Jetzt geht es wirklich an der Westküste entlang und unser nächstes Ziel ist der Charming Creek Walkway oberhalb der kleinen Stadt Westport. Einst wurde hier im Bergwerk Kohle abgebaut und auf Schienen mit Minenwägen nach unten transportiert. Auf diesem Rundwanderweg läuft man entlang der alten Bahnstrecke durch den Wald und stößt bereits nach einigen hundert Metern auf die ersten Relikte aus vergangener Zeit.

Überwucherte Schienen am Boden, hier ein rostiger Wagen, da eine alte Lok. Das Ganze hat einen Geisterstadt-Charakter. Leider ist der Weg nach etwa einem Kilometer abgesperrt, weil hier im Februar eine große Steinlawine abgegangen ist und wir müssen traurig umkehren.

14km westlich von Westport liegt das Cape Foulwind, an dem man eine Seehundkolonie besuchen kann, die wir aber links liegen lassen und uns stattdessen dem Gibson Beach widmen. Das Wetter ist launisch, aber wir trauen uns trotzdem auf den Strandstreifen. Das Wasser ist gerade noch weit genug draußen, dass wir rechts über ein paar mit kleinen Muscheln übersäte Felsen klettern können, um dann vor einem neuen Strandabschnitt zu stehen.

Unserem neu entdeckten Hobby “Durch heimtückische Felstunnel im Meer huschen, mit der Gefahr, sehr nass zu werden”, können wir auch hier wieder nachgehen.

An den Felswänden gibt es mehrere kleine Wasserfälle und wir überlegen kurz ob wir uns ausziehen und duschen sollen. Wir sind komplett alleine hier. Bei Regen geht ja auch sonst keiner an den Strand. Dabei gibt es soviel zu entdecken. Hinter einem niedrigen Felstunnel finden wir den nächsten einsamen Strandabschnitt.

So könnten wir uns wahrscheinlich noch an der ganzen Küste entlang arbeiten, aber der Regen wird stärker und wir haben noch ein Stückchen Fahrt vor uns. Auf dem Rückweg werden wir in unseren Jeans und Schuhen von einer Welle überrascht und kehren mit quietschenden Schritten zum Parkplatz zurück.

Die Hauptattraktion der Westküste sind mit Sicherheit die Punaikaiki Rocks oder Pancake Rocks. Das Gestein der Felsen an der Küste wurde hier über Jahrtausende so geformt, dass es mit viel Fantasie (und Magenknurren?) wie zig hohe Pfannkuchenstapel aussieht.

Nachdem es bei den letzten Stopps, die wir gemacht haben, fast schien, als wären wir die einzigen Menschen weit und breit, erleben wir hier das genaue Gegenteil. Morgens um 09:00 Uhr brummen der Parkplatz und das Besucherzentrum bereits wie ein Bienenstock und Busse laden eine Reisegruppe nach der anderen am Eingang ab.

Ein breit ausgebauter Rundweg führt über die Felsen und bietet Ausblick aufs Meer sowie in die “blowholes”. Hier klatschen bei high tide, also Flut, die Wellen in einem großen Becken gegen die Felsen und das Wasser spritzt meterhoch.

Auch unser nächstes Ziel ist von den Gezeiten bestimmt. Die Pancake Rocks sind bei Flut besonders imposant, der Motukiekie Beach 25km südlich muss bei Ebbe erkundet werden. Wir machen es uns also noch ein paar Stunden mit unseren Büchern im Van bequem, dann wird die Kamera geschultert und wir begeben uns auf eine weitere maritime Entdeckungstour.

Der NZ Frenzy rät, eine Stunde vor Ebbe loszulaufen und wir starten an diesem Tag gegen 14:00 Uhr. Es geht südwärts auf dem grauen Sandstrand entlang, den ersten Kilometer haben wir noch ein paar Häuser und dahinter die Straße neben uns, aber bald sind da nur noch hohe Felswände.

Das ein oder andere Wasserrinnsal bahnt sich seinen Weg über den glatten Stein, die letzten Tage hat es immer wieder geregnet und auch jetzt werden wir von einem feinen Nieselregen benetzt. Große Felsbrocken liegen auf unserem Weg und wir finden immer wieder lange Algengewächse, die Neuseeländer “mermaid hair” nennen.

Plötzlich biegen zwei ältere Herrschaften um eine Felsecke. Wir begrüßen uns und finden schnell raus, dass sie auch auf Schatzsuche à la NZ Frenzy sind. Wie auch sonst würden sie von diesem versteckten Schmuckstück wissen? Viele Einheimische kennen es nicht mal!

Wir wandern weiter und kommen nach etwa 45 Minuten an einen Tunnel im Felsen der Blick auf einen Fluss freigibt, der direkt ins Meer fließt. An einer seichten Stelle überqueren wir den Strom und können nun vom anderen Ufer den Tunnel und den “Double Arch”, ein doppelter Felsbogen, daneben in ihrer ganzen Pracht bewundern.

Auf der anderen Seite des Flusses klettern wir noch ein paar Felsen hoch und schauen auf die andere Seite, wo sich ein weiterer Strand mit interessanten Felsen an der Steilküste befindet. Aber wir sind nach unseren letzten nassen Strandabenteuern nur mit Schlappen unterwegs und beschließen, zurückzugehen.

Aber wir müssen dem vermeintlich verpassten Strand nicht lange nachweinen, denn auf dem Rückweg bekommen wir einige riesige rote Seesterne zu sehen, die sich an die Felsen im niedrigen Wasser klammern.

Zurück am Auto freuen wir uns einmal mehr über die grandiosen Geheimtipps die man im NZ Frenzy finden kann.

Ab und zu findet man, auch dank der Campermate-App, unter den Campingplätzen richtige Juwele. Cloud 9 kurz vor Hokitika ist so eins, denn hier gibt es nicht nur warme Duschen, Küche (in der wir neidische Blicke auf unsere fränggischen Baggers mit Apfelmuß ziehen), Aufenthaltsraum und (schnelles) WLAN, sondern einen kleinen Tiergnadenhof.

Jeden Abend um 19:00 Uhr werden Hasen, Meerschweinchen, Kanarienvögel, Kakadu und je ein Schaf und eine Ziege gefüttert und wer will, darf mithelfen oder streicheln.

Hier bekommen wir auch ein angeblich unschlagbares Geheimrezept gegen Sandflies vom Chef: eine 50/50-Mischung aus Babyöl und Dettol (Haushaltsdesinfektionsmittel). Man stinkt und glänzt zwar wie eine Speckschwarte, aber die lästigen Viecher drehen tatsächlich wieder um, als sie Felix Beine ansteuern.

Die Hokitika Gorge, die 33km entfernte Klamm, ist der eigentliche Grund warum wir hier Halt machen. Die unnatürliche Blaufärbung des Hokitika Rivers, bei der man denken könnte, Photoshop wäre im Spiel, liegt an der perfekten Mischung aus Gletscherwasser, Steinmehl und Mineralien.

Leider ist der Fluss nach zwei Tagen Dauerregen aber eher eine graubraune Brühe (zum Vergleich solltet ihr mal googeln wie das sonst aussieht) und wir treten nach einem kurzen Spaziergang über eine Hängebrücke und entlang dem Flussufer wieder den Rückweg an. Hokitika “City” hat immerhin eine schöne Bibliothek mit Internet, ein paar nette Restaurants und ist berühmt für die Verarbeitung von New Zealand Greenstone (jadegrüner Stein). Trotzdem hält uns hier nichts mehr und als sich endlich die herbeigesehnte Sonne wieder zeigt, düsen wir mit Heinz in Richtung Franz-Josef-Gletscher davon.