Endlich sind wir auf der Südinsel!

In Picton mit der Fähre angekommen, tanken wir Heinz noch schnell voll und tuckern dann in Richtung Norden. Jetzt wissen wir auch, wo sich die ganzen Schafe versteckt haben! Mit im Gepäck haben wir ein kleines gelbes Büchlein, dass uns ein Freund von Felix, der in Wellington arbeitet, ausgeliehen hat. Den “NZ Frenzy”-Guide, des Amerikaners Scott Cook, der Routen und Wanderungen abseits des Touristenstroms verspricht.

Wir steuern zuerst Elaine’s Bay im Marlborough Sound zum Übernachten an. Hier verspricht der Guide, neben wenig anderen Touristen, Rochen und Quallen, die man vom kleinen Steg des Campingplatzes aus im Wasser sehen kann.

Tatsächlich sucht man die Armada von Mietcampern vergebens, aber die Meeresbewohner sind anscheinend sehr schüchtern und wir können nur ein paar Seesterne auf dem steinigen Grund ausmachen. Am nächsten Morgen laufen wir eine kleine Runde an der Küste, den Archer’s Trail, entlang.

Weiter geht’s im Van zum French Pass, einer Meeresenge 17 km nördlich. Die Straße dorthin ist wohl recht gefährlich, zumindest für größere oder breitere Wohnmobile und wir lassen uns Zeit und genießen die unglaublichen Ausblicke über Hügel, Felder mit hunderten Schafen und Berge und Meer, soweit das Auge reicht.

Am Aussichtspunkt über dem French Pass machen wir einen kurzen Fotostopp und dann eine längere Picknick-Pause unten am Strand, wo sogar um diese Jahreszeit noch die Pahutukawa-Bäume blühen.

Der nächste Halt auf der Route ist Nelson, Ausgangspunkt für sämtliche Touren in den Abel Tasman Nationalpark und Stadt mit den meisten Sonnenstunden Neuseelands. Und wir werden nicht enttäuscht! In der Abendsonne erkunden wir die Innenstadt mit Kamera und Eis bewaffnet und übernachten (gratis) auf dem zentralen Parkplatz mit öffentlichen Duschen.

Die beliebteste Erdnussbutter Neuseelands, Pic’s Peanut Butter, wird in einer kleinen Fabrik in Nelson hergestellt, wo Erdnussfans aus aller Welt an Gratis-Touren teilnehmen können. So ein kulturell-kulinarisches Highlight können wir uns nicht entgehen lassen und so werden wir am nächsten Morgen in die hohe Kunst der Erdnussbutter-Herstellung und -Abfüllung eingeführt.

Nach einer informativen halben Stunde können wir uns nur schwer vom fünf Kilo-Eimer losreißen und greifen stattdessen zur ein Kilo Variante “Really Good Crunchy Peanut Butter”. Das sollte uns für die nächste Woche reichen.

Von Nelson aus begeben wir uns auf den State Highway 60 in Richtung Norden. Über Motueka (kurzer Stopp für “Real Fruit Ice Cream” in der Toad Hall) geht es nach Riwaka und kurz danach auf eine kleine Landstraße, die uns zur Riwaka Resurgence führt.

Das ist der Ursprung des Riwaka Rivers aus dem Takaka Hill. Ein schmaler Weg führt vom Parkplatz in weniger als zehn Minuten durch den Wald an die Quelle. Wir halten nur kurz den großen Zeh hinein, denn das Wasser ist eiskalt.

Weiter in Richtung Nordwesten geht es zum Abel Tasman. Der Nationalpark ist der wohl bekannteste und vielleicht auch beliebteste auf der Südinsel. Jede Menge Küstenlinie wartet darauf, zu Fuß, mit Kajaks oder aus der Luft mit Heli oder Kleinflugzeug erkundet zu werden.

Wir haben uns einen kleinen Teil des 51 km langen Coastal Tracks vorgenommen und starten von Totaranui zum Separation Point. Vom DOC-Campingplatz geht es über Felder, wo immer wieder blauhalsige Pukekos (Sumpfhühner) aufgeregt schreiend unseren Weg kreuzen. Dann führt der Wanderweg durch wunderschönen neuseeländischen Bush (sprich: Farne, Farne, Farne).

Jedes Mal, wenn der Weg sich direkt oberhalb der Küste entlang schlängelt, ändert sich die Geräuschkulisse. Vogelgezwitscher und Grillenzirpen werden abgewechselt von Meeresrauschen und dem ein oder anderen Möwenschrei. Dann geht es wieder zurück in den Wald, wieder vor ans Meer … und so weiter.

Drei Strände überqueren wir auf dem Weg und werden am letzten mit dem wohl süßesten Naturschauspiel für unsere Mühen belohnt: vier Robbenbabies tollen übermütig am Strand und jagen sich uns entgegen durch die flachen Fluten. Eins stoppt sogar kurz und sieht uns neugierig an, als wäre es sich nicht ganz sicher, ob wir nicht auch irgendwie mitspielen könnten.

Die Sonne ist schon langsam am Untergehen, als wir am Separation Point ankommen. Unten in der Bucht entdecken wir einen ganzen Robben-Kindergarten und neben dem kleinen unscheinbaren Leuchtturm eine Gannett-Kolonie aus Plastik, die mit der Hoffnung aufgestellt wurde, deren echte Artgenossen zum Brüten hierher zu locken.

Zurück geht es in der Dämmerung und als wir am Campingplatz ankommen, leuchten über uns schon die Sterne im wolkenlosen Nachthimmel.

Die Küstentierwelt hat unser Frühstück am nächsten Morgen fest in der Hand. Während Pukekos und Wekas (ein brauner Laufvogel mit langem Schnabel) neugierig um unseren Tisch herumspazieren, zapfen die berüchtigten Sandfliegen unsere Füße an.

Auf dem Rückweg aus dem Abel Tasman machen wir noch drei Stopps, die der “NZ Frenzy” vorschlägt. Zuerst kommen Wasserfälle, die Wainui Falls. Entlang einem klaren Fluss geht es stromaufwärts, über eine Hängebrücke und noch ein kurzes Stück steil bergauf. Dann stehen wir vor dem Wasserfall, der sich laut rauschend in ein tiefes Becken stürzt. Abgesehen von den vielen anderen Touristen, die hier herkommen, um kurz vor der Regenwaldkulisse für Fotos zu posieren, ist es ein sehr schöner und friedlicher Ort. 

Sehr verlockend an einem heißen Tag! Felix will sich gerade in Bade-Schale werfen, da ruft ihm ein neuseeländischer Tourist zu, dass das Wasser “tapu”, also heilig für Maori ist und baden nicht erlaubt ist. Wir haben aber was anderes gehört und auch nichts dergleichen auf den Infotafeln gelesen, also geht es ab ins kühle Nass.

Ein paar Kilometer weiter Richtung Takaka biegen wir zu The Grove ab, einem kleinen Rundweg durch ein dichtes Stück Regenwald. Riesige Brocken Kalkstein sind hier dicht mit Moos und Schlingpflanzen überwachsen. So ungefähr stellen wir uns den Dschungel in Asien vor.

Durch eine tiefe Felsspalte am Ende des Weges kommen wir auf eine kleine Aussichtsplattform, die Blick auf grünes Farmland und das Meer am Horizont bietet. Mit den Feldern, Kalksteinfelsen und grünen Hügeln erinnert uns die Umgebung ein bisschen an die fränkische Schweiz. Nur eben mit Dschungel im Rücken und Meer in der Ferne.

Auf dieser Strecke hat die Natur wirklich ganze Arbeit geleistet. Etwa fünf Kilometer vor dem Städtchen folgen wir den Schildern zur Rawhiti Cave und landen schließlich am Ende einer privaten Straße zwischen Kuhgehegen auf einem kleinen Parkplatz. Wir hüllen uns in einen dichten Nebel aus Insektenschutzmittel und machen uns auf den Weg. Es geht durch einen Wald hinab zu einem Flussbett und von dort ziemlich steil über schlammigen Boden im Zick-Zack bergauf.

Wir treffen nicht viele Leute auf dem Weg und sind gut am Keuchen, bis wir auf eine kleine Lichtung treten und sich vor uns der riesige Höhleneingang auftut. Tausende kleine und große Stalaktiten wachsen aus der Decke und verleihen der Höhle den Eindruck, als würde ein vielbezahntes Monster hier seinen Rachen aufreißen.

Die Fotos können der Größe der Höhlenöffnung kaum gerecht werden. Treppen führen nach unten und auf einen Steg, der mittig in die dunkle Öffnung ragt. Hier stehen wir eine Weile ganz allein, testen das Echo und verrenken uns die Hälse beim Tropfstein-Zählen.

So viele Entdeckungen können sehr hungrig machen und so testen wir auf Empfehlung von unserem Chef Steve in Takaka “The Dangerous Kitchen”. Der Name kommt wahrscheinlich daher, dass man immer wieder herkommen möchte und sich mit Leckereien wie Pizza, Quiche oder scones vollstopfen möchte und nicht, weil die Küche besonders experimentell und gefährlich ist. Takaka ist ein kleines Hippie-Nest mit vielen kleinen (Bio-)Cafés und Lädchen und der perfekte Zwischenstopp, bevor wir weiter Richtung Norden fahren.

Die ersten drei Tage auf der Südinsel haben uns schon mal überzeugt. Es gibt so viel zu entdecken! Als nächstes nehmen wir uns das Cape Farewell und die Westküste vor. Wir sind gespannt!