Unsere nächste Station auf dem Weg in den Süden kann man schon von weitem riechen. Aber bevor es heißt “Nase zuhalten”, finden wir dank unserer Campermate-App einen schönen Frischluft-Campingplatz im Wald. Hier haben es sich schon einige Camper zwischen den Bäumen gemütlich gemacht, in der Ferne hört man noch das Knattern der  Motocross-Bikes im daneben gelegenen All-Terrain Park. Am Abend ist es hier aber herrlich ruhig, man hört nur die Grillen und Zikaden.

Am nächsten Morgen gönnen wir uns ein für Camper überaus dekadentes Frühstück. Während die Leute neben uns Instantkaffee schlürfen und Haferbrei aus dem Topf löffeln, baut Felix, begleitet von virtuosen Jazzklängen, einen hohen Pancake-Turm, den wir bei den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Äste brechen, zum Einsturz bringen.

Gestärkt fahren wir dann Richtung Rotorua, nehmen aber erst noch die Abzweigung nach Links entlang des Nordufers vom Lake Rotorua zum Hamurana Springs & Golf Resort. Heute steht allerdings nicht die Verbesserung des Handicaps an. Wir sind gekommen, um die Red Woods und Hamurana Springs zu sehen, eine weitere Frischwasserquelle, bei der das Quellwasser 15 Meter unter der Erdoberfläche aus vulkanischem Fels austritt.

Ein kurzer Rundgang führt uns entlang dem Hamurana Stream vom Parkplatz des Golfclubs in den Wald aus kalifornischen Küstenmammutbäumen, die mit ihren durchschnittlich 50 Metern Höhe hier noch lange nicht ihr eigentliches Wachstumspotential ausgeschöpft haben (ihre großen “Geschwister” in Kalifornien wachsen bis zu 100 Meter hoch).

Entlang des Weges gibt es einige Aussichtsplattformen, von denen wir in die Tiefen der Hamurana Quelle blicken können und dem Wasser zusehen können, wie es glasklar und über 70 Jahre lang gefiltert an die Oberfläche quillt. Uns fällt auf, dass wir hier zum ersten Mal beobachten, wie frisches Wasser nicht von einem erhöhten Punkt nach unten fließt, sondern aus dem Boden nach oben tritt. Wie ein überquellender Gulli, nur eben mit frischem, klaren Wasser. Um das besser zu veranschaulichen, schmeißen Leute leider immer wieder Münzen hinein, die dann, anstatt zu sinken erst ein paar Sekunden lang auf dem nach oben treibenden Strom tanzen.

Bei der Dancing Sand Spring ein paar Meter weiter sieht man dieses Schauspiel noch besser, da hier das Wasser aus dem sandigen Boden sprudelt und dabei die Sandkörner an dieser flachen Stelle des Bachlaufes aufwirbelt.

Rotorua

Weiter geht´s in die Stadt. Ein Schild kurz vor dem Ortseingang lässt uns die Bremskraft von Heinz austesten :”10 Avocados  –  3 $” sind die Vollbremsung absolut wert.

Rotorua liegt in der aktivsten vulkanischen Gegend der Nordinsel und unterirdische heiße Thermalquellen sorgen für immer wieder neu entstehende blubberne Schlammpools, Geysier-Ausbrüche und einen gewissen, ständig anwesenden Geruch nach faulen Eiern. Das mag erst mal nicht ganz so einladend klingen, es ist aber wirklich faszinierend, wenn man aus nächster Nähe erlebt, was für Kräfte unter der Erdoberfläche schlummern.

Gleich in der Stadtmitte bekommen wir einen Vorgeschmack, denn der kostenlos öffentlich zugängliche Kuirau Park beherbergt einen Kratersee, heiße Quellen, Schlammbecken und heiße Fußbäder.

Nach einem Rundgang laufen wir vom Park aus zum Lake Rotorua. In den Vorgärten der Häuser, die wir passieren, dampft es hier und dort. Auf größere Erdlöcher, die eventuell gefährlich werden könnten, hat man große Steine getürmt, andere haben sich die Bewohner zu Nutzen gemacht und eigene natürliche Whirlpools gebaut. Am Seeufer treffen christliche und Maori-Kultur architektonisch aufeinander. Neben einer anglikanischen Holzkirche steht ein Marae, ein traditionelles Maori Versammlungshaus verziert mit filigranen Holzschnitzereien.

Trotz der vielen Empfehlungen entscheiden wir uns in Rotorua gegen einen Besuch im Tamaki Village, weil uns zum einen der Preis, als auch das routinierte, zur Show gestellte “traditionelle Dorfleben wie zu alten Zeiten” abschrecken.

Wai-O-Tapu

Unser nächster Halt heißt Wai-O-Tapu Thermal Wonderland (versucht das dreimal schnell hintereinander zu sagen). Schon beim Parken verflüchtigt sich die Hoffnung, dass wir nun, da die Sommerferien vorbei sind, einen ruhigen Tag erwischt haben könnten. Der Parkplatz ist komplett vollgestopft und mit hunderten anderen gespannten Touristen wuseln wir auf den Eingang zu. Der Eintritt kostet 30 NZD, ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass man die meiste Zeit nur durch den Mund atmen möchte, aber irgendwie auch verständlich, weil solche Naturschauspiele geschützt und erhalten werden müssen.

Es gibt verschiedene Rundwege entlang der vielen Krater, deren Größen von kleinen Löchern in der Erde bis hin zu großen leuchtenden Seen reichen. In manchen blubbert es, andere bestechen mit ihren unwirklichen Farben und fast überall weht immer wieder mal eine dichte Schwefelwolke vorbei.

Die Hauptattraktion ist der Champagne Pool, ein See mit 65 Metern Durchmesser und 62 Metern Tiefe, der seinen Namen von den kleine Bläschen Kohlendioxid (CO₂), die dauernd emporsteigen, erhält. Allerdings würde man das namensgebende Blubberwasser wohl nicht 75°C heiß trinken und so richtig gesund wäre das auch nicht (einzig ein paar hartnäckige Bakterien fühlen sich darin wohl).

Vor allem aber besticht der Champagne Pool durch sein knall-organgenes Ufer, das immer wieder durch die Schwefelschwaden hindurchleuchtet und durch abgelagerte Metalloidverbindungen entsteht.

Wer Orange nicht mag ist wahrscheinlich besser beim Devil’s Bath aufgehoben, einem Sulfurbecken, das neongrün vor sich hin stinkt.

Wir passieren weitere kleine Becken mit brodelnden grauen, gelben oder grünen Flüssigkeiten bis wir in der hintersten Ecke den Green Lake finden, der ruhig umgeben von Bäumen vor uns liegt.

Außerhalb des Parks entlang der Zufahrtsstraße kann man sich dann noch die berühmten mud pools ansehen, eine graubraune und übel riechende Schlammbrühe, in der es überall brodelt und immer wieder kleine faustgroße Gasblasen mit schmatzenden Geräuschen hochgespuckt werden.

Der ganze Park ist eine unwirkliche Ansammlung an Naturphänomenen wie wir sie selten gesehen haben und uns bleibt der Mund oft nicht nur wegen dem Geruch weit offen stehen.

Kerosene Creek

Obwohl es ein heißer Tag ist, beschließen wir auf der Weiterfahrt noch, den Kerosene Creek zu besuchen. Hier gelangt heißes Wasser aus einer unterirdischen Quelle in die kalten Fluten des Baches und sorgt für perfekte Badewannentemperaturen. Nach etwa 20 Minuten über eine holprige Schotterstraße kommt man beim Parkplatz an und läuft 20 Meter zum Ufer des creeks. Hier kann man kann die Temperatur erst mal im flacheren Bereich testen, oder aber gleich in das größere Becken unterhalb eines kleinen Wasserfalls etwas stromabwärts springen.

Wir sind ja beide keine Badewannen-Fans und fühlen uns im Wasser eher wie zwei unglückselige Hummer, die gekocht werden, aber an einem kühleren Tag oder bei Regen ist es hier bestimmt himmlisch.

Huka Falls

Bevor wir am Great Lake Taupo ankommen, lockt uns noch ein Wegweiser zu den Huka Falls. Obwohl wir von Wasserfällen eigentlich schon genug haben (ein echtes Luxusproblem auf der Reise durch Argentinien, Chile und Neuseeland), sind wir froh, dass wir eben den Blinker gesetzt haben, denn die Huka Falls sind absolut faszinierend. Das Wasser leuchtet türkisblau und schießt mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit und ohrenbetäubendem Rauschen den Fall hinunter.

Pro Sekunde könnte hier ein olympisches Schwimmbecken (sprich 220.000 Liter) gefüllt werden. Die extreme Wassergewalt entsteht, weil der Waikato River sich nördlich des Lake Taupo von bis zu 100 Meter Breite auf 15 Meter verengt. Rund um den Fluss und den Wasserfall gibt es viele Wander- und Fahrradwege, man kann aber auch einfach ganz bequem vom Parkplatz aus in kurzer Zeit die Wassermassen bewundern.

Taupo

Am Lake Taupo finden wir einen schönen, weitläufigen Gratis-Campingplatz direkt am Seeufer. Hier lässt es sich wunderbar ein paar Tage aushalten. Jeden Abend genießen wir beim Kochen den Sonnenuntergang und tagsüber regnet es jauchzende Fallschirmspringer auf die nahe gelegene Landebahn herab. Hinter der kleinen Anhöhe, auf der wir Heinz parken, finden wir sogar ein paar Brombeerbüsche.

Mitten im Ortszentrum von Taupo gibt es alles, was das Camper- und Backpackerherz begehrt: günstige, saubere öffentliche Duschen und Toiletten im “Super-Loo”, eine Stadtbibliothek mit Gratis-WLAN und natürlich ein “iSite”, die örtliche Touristeninformation, die man in jeder halbwegs großen Stadt finden kann. Von hier aus schlendert man entweder durch die Einkaufsstraßen und nutzt das vielfältige Restaurant- und Shoppingangebot, oder man erkundet die Seegegend zu Fuß, Rad oder Boot.

Wir wählen letzteres und brechen an einem strahlend schönen Freitagnachmittag auf zu Taupo Kayaking Adventures in der Acacia Bay. Von dort wollen wir mit dem Kayak zu den Maori Rock Carvings paddeln, die nur vom Wasser aus zu bestaunen sind. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung schleppen wir unsere beiden Kayaks zum Ufer runter und gleiten auf den glitzernden See.

Über das gegenüberliegende Ufer ragt der schneebedeckte Ruapehu in den blauen Sommerhimmel. Die ersten Kilometer sind dank der schützenden Buchten relativ einfach geschafft, aber je mehr wir uns den Felsschnitzereien nähern, desto stärker werden der Gegenwind und die Wellen und damit unsere Schultern und Oberarme umso schwächer.

Aber schließlich ist es geschafft und wir haben die 14 Meter hohe Felswand ganz nah vor uns. Die rock carvings wurden innerhalb von vier Jahren vom Künstler Matahi Brightwell und seinem Team geschaffen und 1980 vollendet. Das Bild zeigt seinen Vorfahren Ngatoroirangi und weiter unten um das Relief repräsentieren kleinere Felsschnitzereien wie kleinere Gesichter oder eine große Echse Vorfahren und Schutzpatrone des lokalen Maori-Stammes.

Jetzt wäre ein Abholservice mehr als angenehm, aber wir müssen stattdessen unsere Kräfte reaktivieren und den Rückweg antreten. Natürlich ist der Wind, gegen den wir auf dem Hinweg kämpfen mussten, jetzt abgeflaut und wir paddeln ohne Rückenwind zurück. Insgesamt sind wir ungefähr vier Stunden unterwegs und haben am Ende circa 10 km auf dem Wasser zurückgelegt.

Der Muskelkater in den Armen lässt nicht lange auf sich warten und wir nutzen den nächsten Tag zur Erholung und um neue Kräfte für das bevorstehende Tongariro Alpine Crossing zu sammeln, eine angeblich “lebensverändernde” Tageswanderung.