Die Coromandel Peninsula ist bei den Neuseeländern eines der beliebtesten Sommerferienziele. Und auch uns verschlägt es hier mitten in der besten Urlaubszeit Mitte Januar hin. Erst arbeiten wir noch mit unseren Workaway Gastgebern auf einigen Märkten in Coromandel Town, Pauanui und Cooks Beach. Schon die Fahrt von Auckland aus, wenn man erst mal die Motorways 1 und 2 hinter sich gelassen hat, lässt ab der Stadt Thames erahnen, wie schön diese Halbinsel ist. Die Straße führt ewig kurvig an der Küste entlang, links das Meer und felsige Ufer, rechts grüne Bäume und Sträucher, kleine charmante Fischerorte.

Von Coromandel Town nach Whitianga nehmen wir aus Versehen die “alternative route”, eine, wie sich im Nachhinein herausstellt, sogar recht gefährliche Straße, die zu großen Teilen aus Schotter besteht. Aber der Umweg lohnt sich, denn nach ungefähr einer halben Stunde müssen wir wegen dutzenden Schweinen und Hühnern auf dem Weg bremsen. Links und rechts der Route 309 sind hier Zäune vor Gehegen gespannt, die Besucher abhalten, sie zu betreten. Ihre Bewohner aber können frei herumlaufen, die Seiten wechseln und neugierig Touristen und deren Autos beäugen.

Unsere Herzen hüpfen, als wir mehrere kleiner schwarzer Ferkel mit weißen Füßchen entdecken, die sich durch den Dreck jagen und dabei Staub aufwirbeln. Bald ist auch der Farmer zu Stelle, ein total entspannter Typ, der uns barfuß über die spitzen Schottersteine entgegenläuft. Die größeren und ausgewachsenen Schweine versammeln sich alle um unseren Van, anscheinend sind sie es gewohnt, dass die Leute Essensreste aus dem Fenster werfen. Ein paar überreife Bananen können wir auch opfern und die Menge stürzt sich begeistert darauf.

Und als wäre der Anblick von so vielen zufriedenen Schweinen, Ferkeln, Hühnern und kleinen Küken nicht schon genug, bringt der Farmer uns auch noch ein kleines rosa Schweinchen, das Maxie gleich in ein rosa Seidenkleid einwickelt. Sicher fahren hier viele Leute auch einfach nur vorbei, aber nachdem wir mit zwei Autos und Warnblinkanlage am Rand stehen und begeistert auf und ab hüpfen, halten immer mehr Autos an, um sich diesen besonderen “Streichelzoo” auch anzusehen. Es fällt richtig schwer, uns endlich loszureißen und den Rest des Weges anzutreten.

Hot Water Beach

An unserem ersten freien Tag nach den Märkten machen wir uns auf zum Hot Water Beach, eine Attraktion, die bei lokalen und internationalen Touristen gleichermaßen ganz oben auf der To-Do-Liste steht. Hier sorgen unterirdische heiße Thermalquellen dafür, dass man sich im Sand bei Ebbe (etwa 4 Stunden lang) eigene Badewannen bauen kann.

Dafür muss man nur an der richtigen Stelle tief genug graben (Schaufel mitnehmen oder in den Cafés vor Ort ausleihen!) und den Pool voll laufen lassen. Oder man macht es wie wir, hüpft in einen nicht besetzten, lauwarmen Pool und lauert darauf, welches bessere, heiße Becken in der nächsten Zeit von den Badenden verlassen wird.

Der Strandteil mit den Quellen ist ziemlich überlaufen und Entspannung wie in der heimischen Badewanne sucht man hier vergeblich. Trotzdem ist es ein witziges Erlebnis, vor allem weil man so viele Leute und ihre Reaktionen auf das heiße Quellwasser beobachten kann.

Cathedral Cove

Cathedral Cove ist auch eine Adresse, die in jedem Reiseführer und -blog über Coromandel angepriesen wird. Hier hat das Meer einen hohen Tunnel in den Fels gegraben, durch den man bei Ebbe trockenen Fußes auf die andere Seite zu einem weißen Sandstrand laufen kann. Wir parken etwas weiter weg (dafür gratis) in Hahei nahe der Te Pare Reserve und laufen Richtung Norden am Strand entlang, bis wir zur Einstiegstreppe zum Cathedral Cove Walk kommen.

Ab hier geht es erst steil hinauf und dann auf einem gut ausgebauten, geteerten Pfad entlang der Steilküste unter Farnen und Palmen entlang, immer mit Ausblick aufs blaue Meer. Nach rechts zweigen immer wieder kleinere Wege zu Stränden mit klanghaften Namen wie Stingray oder Gemstone Bay ab.

Als wir zum Ende des Weges kommen, hören wir die Menschenmassen erst, bevor wir sie sehen. Wie ein lauter Bienenstock klingen die hunderten Besucher auf dem schmalen Strandstreifen, die hier zum Picknicken, Baden, Paddeln oder Schnorcheln hergekommen sind. Die Cathedral Cove an sich ist natürlich schön anzusehen, dass es hier so voll ist, schmälert das Erlebnis aber irgendwie ein bisschen. Wir genießen für einen Moment die Sonne und das Meer, bevor die Flut wieder zurückkommt und wir den Rückweg antreten.

Auf dem Rückweg erleben wir dann auch mal wieder, dass die Welt ein Dorf ist und treffen zwei Freunde von Felix Vater die auch gerade auf dem Weg zum Cathedral Cove sind. Wir quatschen ein bisschen über Neuseeland und den Zufall, sich genau hier über den Weg zu laufen und treffen uns Abends noch auf ein leckeres BBQ. (Doris spendet noch ihre Minipfanne und die Restbestände an Gewürzen für Heinz – Danke nochmal, wir lieben sie!)

New Chums Beach

Schon lange kein Geheimtipp mehr ist der New Chums Beach, der vom britischen Magazin The Observer zu einem der Top-20 schönsten Strände der Welt gewählt wurde. Man kann ihn auch nur per Boot oder zu Fuß erreichen, was ihn für uns gleich noch ein bisschen schmackhafter und interessanter macht. Mit einem kleinen Picknick und Wasser im Gepäck geht es vom Strand des kleinen Ortes Whangapoua über einen Fußweg zuerst durch eine felsige Bucht.

Nach etwa 20 Minuten über einen schmalen Pfad erreicht man den Fuß eines steilen vorgelagerten Hügels, der zwischen New Chums und Whangapoua Beach ins Meer ragt. Von dort kommen gerade zwei Leute heruntergeklettert, sonst wäre uns der Weg nach oben gar nicht aufgefallen. Wir klettern auf rutschigem und mit Wurzeln überwachsenen Erdboden nach oben, links und rechts kann man sich zum Glück immer wieder an Bäumen oder Steinen festhalten. Als der Blick nach unten auf den Strand frei wird, staunen wir nicht schlecht. Der New Chums Beach ist wirklich ein einsamer Strand wie aus dem Bilderbuch: weißer Sand, türkisblaues Meer, Pohutukawa Bäume, die am Rand ein wenig Schatten spenden und so viel Platz, dass sich die wenigen Besucher gut verteilen.

Nach dem Abstieg liegen wir hier stundenlang am Strand, lesen und genießen die beruhigende Geräuschkulisse des Meeres, bevor es zurück zum Auto geht.

Auf der Coromandel-Halbinsel gäbe es noch so viele andere schöne Orte zu entdecken, wir packen aber nach vier Tagen zusammen und fahren zurück aufs Festland in den Norden, wo wir noch an unserem Van Heinz herumbasteln wollen.