Gestärkt von unserem Brezenabenteuer geht unsere Reise weiter nach El Chaltén. Das kleine Dorf zählt als Outdoor-Hauptstadt Argentiniens und Startpunkt für zahlreiche Wanderungen um das Gebirgsmassiv des Fitz Roy. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, also buchen wir einen frühen Bus von El Calafate nach El Chaltén.

Gute dreieinhalb Stunden später und nach einer zehnminütigen Einführung der Ranger – El Chaltén liegt in einem Nationalpark – werden wir im kleinen Örtchen am Busbahnhof ausgespuckt. Bevor wir die Stadt erkunden, kaufen wir für den Abend noch Tickets nach Los Antiguos, ein Grenzstädchen von dem aus wir wieder nach Chile wechseln wollen.
Nachdem wir dem traurigen Ticketverkäufer unser Beileid ausgesprochen haben – er ist ganz aufgelöst über den Tod von Fidel Castro und spielt laut Buena Vista Social Club – marschieren wir in Richtung Dorfzentrum.
Von dem wir relativ schnell merken, dass es sehr überschaubar ist. Eigentlich besteht El Chaltén nämlich nur aus zwei Straßen, an denen sich links und rechts Hostels, Cafés, Restaurants und Bars befinden.

Das Ende der Straße ist demnach schnell erreicht und wir stehen schon vor dem Start des Wanderwegs hoch zum Fitz Roy, dem Wahrzeichen und berühmtesten Exportschlager El Chalténs.

Auf halber Strecke wollen wir Tina und Geoff, die wir auf dem O-Trail kennengelernt haben, am Campingplatz abholen. Wir zurren also nochmal die Riemen unserer Tagesrucksäcke fest und beginnen den steilen Anstieg.

Schon nach 20 Minuten merken wir die immer noch vom O-Trail gepeinigten Energiepolster und die Sonne tut ihr Übriges, um uns den Weg nach oben schwieriger zu machen. Einzig der Blick gen Berge hilft, da man das Ziel immer vor Augen hat und der Fitz Roy majestätisch zwischen den Wolken hervorlugt.

Nach einer Stunde erreichen wir den Campingplatz, der idyllisch an einem See gelegen ist, finden aber weder Tina und Geoff, noch ihr Zelt. Zudem verlässt Lisa auch die Kraft und sie gibt sich Ihren schmerzenden Füßen geschlagen.

Sie beginnt also den Abstieg während Ich, angestachelt vom Bild des Fitz Roys, der immer mehr aus den Wolken heraustritt, weiter wandere.

Der Weg führt mal durch dichten Wald, mal an einem Bach entlang und ist so abwechslungsreich, dass das Alleine Laufen gar kein Problem ist und ich meinen Schritt fröhlich beschleunige.

Hinter einer kleinen Kuppe erreiche ich eine große Freifläche, umrunde einen kleinen See und stehe endlich vor dem letzten Viertel des Weges, das mit fast der Hälfte der Wegzeit angegeben ist.

Der Fitz Roy ist zum Greifen nahe, aber das letzte Stück hat es in sich. Steil geht es über Geröll nach oben, die Sonne brennt immer noch unaufhörlich und diesmal sucht man Schatten vergebens. Die letzte Möglichkeit Wasser aufzufüllen ist auch schon ein bisschen her, aber mental ist das nach dem Torres Del Paine ein Klacks.

Noch zwei, drei große Schritte und die Kante des Geröllfelds ist erreicht und unter mir erstreckt sich ein großer Gletschersee und über mir der Fitz Roy. Dieser hat sich sogar bequemt – wahrscheinlich als Belohnung für meine ganzen Strapazen – komplett aus den Wolken herauszutreten und steht in seiner ganzen Pracht vor mir.

Nicht weit von mir entdecke ich zwei kleine Gestalten auf einem Felsen sitzen und mit einer Flasche winken. Tina und Geoff! Und Jack Daniels!
Ich hüpfe aufgeregt zu ihnen rüber und bekomme einen hervorragenden Schluck Bergwhiskey angeboten.

Als wir uns genug satt gesehen haben, treten wir den Abstieg an. Der Hunger treibt uns zügig nach unten und ich frage mich was Lisa die ganze Zeit getrieben hat und wie ich sie eigentlich finde. Aber Chaltén ist ja nicht so groß!

Fündig werde ich – wo sonst – in einem vegetarischen Café. Wieder vereint besuchen wir noch kurz das kleine Kälbchen auf Tina und Geoffs Campingplatz (der sich als ganz woanders herausstellt) und gehen dann gemeinsam noch lecker Pizza im Resto Patagonicus essen.

Wohlgesättigt sprinten wir zum Busbahnhof und machen es uns in im Bus bequem. Der perfekte Tag wird, kurz bevor wir einschlafen, noch mit einem tollen Sonnenuntergang gekrönt.

Nächster Halt: Los Antiguos – unser letzter Stop in Argentinien…