Was erwartet man von einer Kleinstadt in Patagonien?
Berge: definitiv, Gletscher: vielleicht, deutsche Bäckerskunst: eher weniger.
Doch genau das gibt es in El Calafate in Argentinen. Ideal also für einen weiteren Random Classic.
In dieser Kategorie berichten wir immer wieder mal von einem Ort auf unserer Reise und stellen je eine klassische und eine eher ungewöhnliche Aktivität vor.

Random: Pantagonia - Brot wie Zuhause

Aus Lisas Verwandtschaft kam der heiße Tipp, in Argentinien bei Bernd vorbeizuschauen, einem Bäcker aus Behringersdorf bei Nürnberg, der mit seiner argentinischen Frau nach Patagonien ausgewandert ist. Heute lebt er mit seiner Familie in der Stadt El Calafate, die vor allem für den nahe gelegenen Perito Moreno Gletscher berühmt ist.

Nach unserem Trek im Torres del Paine Nationalpark zieht es uns also noch einmal für ein paar Tage über die Grenze nach Argentinien. El Calafate liegt von Puerto Natales etwa vier Busstunden entfernt. Bei der Ankunft am Busterminal merken wir bereits: hier ist alles auf den (Gletscher-)Tourismus ausgerichtet.

In der Hauptstraße Avenida del Libertador General San Martín findet man fast ausschließlich Tourenanbieter, Kunsthandwerksläden und Bars mit Happy-Hour Angeboten. Und ganz unscheinbar, nur durch eine goldene Breze über dem Eingang erkennbar, den Laden PANtagonia. Wir haben uns bei Bernd und Bonnie angekündigt und werden dort herzlich begrüßt. Mit großen Augen und größerem Hunger stehen wir dann vor Zimtschnecken, Nussecken und vor allem BREZEN!

Wir sind im siebten Kohlehydrat-Himmel und freuen uns noch mehr, als uns Bernd bei ihnen in der Bäckerei die zu krumm geratenen Brezen anbietet. Darum kümmern wir uns doch gerne!

Die Geschichte der PANtagonia-Gründer ist außergewöhnlich. Hier die Kurzversion: Bernd, eigentlich studierter Pianist und Komponist, und seine Frau Bonnie, Hochschuldozentin, wollen auf jeden Fall im Ausland leben. Der Ort, El Calafate, ist bald gefunden. Und auf der Suche nach der Möglichkeit, sich seine Brötchen zu verdienen, wird es richtig sprichwörtlich: Warum nicht eine gute Bäckerei eröffnen? Also machte Bernd eine Bäckerlehre, sammelte Erfahrung bei verschiedenen Bäckermeistern. Gemeinsam sparten sie jeden Cent und verwirklichten sich 2004 ihren Traum. Das Geschäft läuft super, PANtagonia belieferte sogar die argentinische Airline Aerolineas und 2016 wurde zur Bäckerei neben ihrem Wohnhaus der Laden in der Hauptstraße eröffnet. Bernd ist so bekannt und engagiert in der Region, dass er 2010 sogar zum deutschen Honorarkonsul ernannt wurde.

Wer wegen dem Perito Moreno in El Calafate zu Gange ist, sollte also auf jeden Fall vorbeischauen und dort ein bisschen Heimat naschen.

Classic: Glaciar Perito Moreno

Die Gletscher im Torres del Paine Nationalpark waren schon faszinierend, aber den Perito Moreno, einer der wenigen noch wachsenden Gletscher, können wir uns nicht entgehen lassen, wenn wir schon mal “in der Nähe” sind.

Also beißen wir in den teuren Apfel und buchen uns Bus- und Eintrittstickets. Das kann man übrigens ganz leicht selbst organisieren, ohne auf die Fertig-Touren, die überall angeboten werden, zurückzugreifen. Vom Busterminal fahren viele verschiedene Busunternehmen zum Parkeingang, wir sind bei TAQSA mit je ARS 460,00 (ca. EUR 27,00) für die Hin- und Rückfahrt dabei. Morgens um 08:30 Uhr steigen wir ein und sind etwa 90 Minuten später beim Eingang, wo im Bus von jedem Passagier ARS 330,00 (ca. EUR 19,50) für den Eintritt kassiert werden. Es gibt noch eine kurze Ansprache: Nationalparkregeln beachten, Müll mitnehmen, rechtzeitig wieder am Bus sein.

Dann laufen wir los. Damit man den Gletscher aus möglichst vielen Perspektiven sehen kann, ist die Halbinsel Peninsula Magallanes gegenüber mit Holzstegen ausgestattet, die mehrere Aussichtsplattformen miteinander verbinden. Auf verschiedenen Höhen gibt es dort drei Rundwege. Die größte Attraktion neben der schieren Erscheinung des blau schimmernden Gletschers ist, dass er immer wieder große Eisbrocken abwirft. Das klingt manchmal wie ein fernes Donnergrollen, manchmal wie eine riesige Explosion und kündigt sich kurz vorher durch ein lautes Knacken an. Weil der Gletscher weiter wächst (zwei Meter pro Tag!), bricht vorne an der Kalbungsfront immer wieder Eis ab. Der Perito Moreno wird deshalb auch “kalbender” Gletscher genannt.

Auf allen Plattformen warten hunderte Besucher erwartungsvoll auf das Spektakel, Kameras und Smartphones im Anschlag. Wenn es dann irgendwo knackt, verrenken alle ihre Hälse, um den Abbruch zu erspähen. Das ist ein skurriles Bild und dieses Stück Nationalpark fühlt sich irgendwie so gar nicht “natürlich” an.

Auch wir legen uns mehrmals auf die Lauer und stehen minutelang an einem Ort und warten. Irgendwann entscheiden wir uns dann aber, weiterzulaufen, weil nichts passiert. Und genau dann, wenn der Gletscher hinter den Bäumen aus Sichtweite ist, passiert es. Es kracht irgendwo, wir rennen schnell zur nächsten Plattform, aber da ist es auch schon wieder vorbei. Ein Mal stehen wir zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und Felix fängt das Abbrechen eines riesigen Eisblocks ein.

Es ist wirklich faszinierend. Wir stehen auf den Holzstegen nicht allzu weit von der Gletscherfront weg, trotzdem sind das Geräusch und das Bild des in den Gletschersee fallenden Eisblocks Millisekunden voneinander entfernt. Selbst die kleinsten Brocken machen einen Riesenkrach und sorgen für Wellen, wenn sie in den Lago Argentino stürzen. Noch näher kommt man dem Perito Moreno mit einer Bootstour, die direkt unterhalb vom Besucherzentrum am Seeufer beginnt.

Oder man macht es wie Christie und Adam und gönnt sich gleich eine Tour AUF dem Gletscher. Bei Sonnenschein und besten Bedingungen konnten die beiden in einer kleinen Gruppe auf dem Gletscherfeld herumwandern, tiefe Gletscherspalten und Wasserfälle tief im Eis bewundern. Das bezeugen die Fotos (vielen Dank an Christie fürs Bereitstellen!) und Geschichten unserer kanadischen Freunde vom O-Trail, die wir am Abend noch einmal für ein Abschiedsessen treffen.

Der Perito Moreno ist auf jeden Fall einen Besuch wert, auch wenn der Eintritt und die Preise für Aktionen auf und um den Gletscher ein bisschen zu teuer sind. Vielleicht waren wir auch schwerer zu beeindrucken, weil wir kurz vorher auf dem O-Trail Gletscher bis zum Abwinken bewundern durften.