Der Torres del Paine Nationalpark im Süden Chiles ist wohl eines der bekanntesten Wanderziele Südamerikas und für uns der Hauptgrund, nach Patagonien zu kommen. An einem Sonntag Abend kommen wir in Puerto Natales an, dem “Hauptumschlagplatz” für den Nationalpark. Das Hostel brummt wie ein Bienenstock. Ständig kommen neue Gäste dazu und anhand von Körpergeruch und Gesichtsfarbe kann man erkennen, wer gerade aus dem Nationalpark zurückkommt und wer die große Wanderung noch vor sich hat.

Irgendwie fühlen wir uns hier wie vor einer Schulaufgabe. Zu wenig gelernt!

Die Park-Veteranen vergleichen Erfahrungen und versetzen die Neuankömmlinge damit in Angst und Schrecken. Wetter-Horrorgeschichten werden ausgetauscht wie Schulhoftratsch: “Habt ihr gehört? Der Pass ist gesperrt. Niemand kommt da gerade durch.” Einfach weghören. Das Wetter in Patagonien macht, was es will.

Felix hat vorher viel recherchiert, kennt bereits alle Entfernungen zwischen den Camps auswendig. Obwohl der Park perfekt ausgebaut ist, muss man sich gut vorbereiten. Wir treffen auch Leute, die mittags kopflos auf der Suche nach einem Zelt durch die Stadt rennen und zwei Stunden später den Bus zum Nationalpark nehmen. Man darf sich aber von den ganzen verschiedenen Meinungen und “Experten”-Tipps auch nicht verrückt machen lassen!

Der Nationalpark - Torres del Paine

Der Park hat eine Fläche von 2.420 Quadratkilometern, aber die Besucher verschlägt es meist auf die zwei Hauptwege, auch “W” und “O” genannt. Schaut man von oben auf den Park, verbindet der weitaus höher frequentierte Weg den Gletscher Grey, das Valle Frances und die Torres del Paine zum namensgebenden W. Das schaffen die meisten in drei bis fünf Tagen und legen dabei eine Strecke von ca. 80km zurück. Wer wie wir etwas mehr vom Park sehen möchte, läuft entgegen dem Uhrzeigersinn um das Bergmassiv herum und verbindet die zwei Endpunkte des Ws zu einem O. Wir haben uns für die gut 130 km acht Tage und damit sieben Übernachtungen vorgenommen.

Allgemeine Infos und Wanderroute

Bei der Recherche zu Torres del Paine und der verschiedenen Wanderrouten stößt man schnell auf den Blog von Steve, der ziemlich ausführlich über W und O schreibt und sogar ein E-Book zum Thema herausgebracht hat. Die offizielle Seite der Nationalparkbehörde CONAF ist natürlich auch ein wichtiger Anlaufpunkt. Und gerade, was den W-Teil des Weges angeht, bietet das Bergzeit Magazin sehr hilfreiche und detaillierte Informationen zu Ausrüstung, Verlauf und Wanderroute. 

Reservierung der Campingplätze

Eine Sache, die von spontanen Reisenden gerne übersehen wird, ist die rechtzeitige Reservierung der Campingplätze im Nationalpark. Zeltplätze und refugios (Schlafplatz in Hütten oder feste Zelte) müssen mindestens fünf Tage im Voraus reserviert werden. Gerade für die Hauptsaison (Dezember-Januar) empfiehlt es sich, noch weiter im Voraus zu planen und zu buchen – wir treffen viele Leute, die zu spät dran waren und ihre Wunschroute nicht realisieren konnten! Auch während dem Trek begegnen uns Leute, die nach einem langen Wandertag von Campingplätzen abgewiesen werden, weil sie keine Reservierung haben.

Seit kurzem gibt es bei allen drei Anbietern ein Online-Buchungssystem. Die Reservierung selbst geht super schnell und kann online bezahlt werden.
Hier haben wir unsere Route* mit den jeweiligen Betreibern und Preisen aufgelistet:

Tag Campingplatz Anbieter Preis
1 Seron Fantastico Sur (F) 7.000 CLP
2 Dickson Vertice (V) 5.000 CLP
3 Los Perros V 5.000 CLP
4 Paso CONAF (C) gratis
5 Paine Grande V 6.000 CLP
6 Frances F 7.000 CLP
7 Las Torres C gratis
8 Rückkehr nach Puerto Natales

(* Man kann sich die Zeit auf dem Trail natürlich auch länger oder kürzer einteilen, auf dem W-Rundweg gibt es auch noch andere Campingplätze)

Unterkunft in Puerto Natales

In Puerto Natales haben wir uns das Singing Lamb Hostel ausgesucht, was sich als eine der besten Entscheidungen herausstellt. Hostels sind in Puerto Natales zwar ein bisschen teuer, aber wir bekommen bequeme Betten, Duschen mit 1-A-Wasserdruck (man lernt die kleinen Dinge wirklich zu schätzen!), lecker Frühstück, nette Mitarbeiter, sowie eine riesige Küche und Lounge-Area dafür. Weil es uns so gut gefällt, buchen wir auch gleich eine weitere Übernachtung für nach dem Trek und können gegen die kleine Gebühr von 1.000 CLP (ca. 1,40 EUR) pro Tag unsere Rucksäcke zusammen in ein großes Schließfach sperren.

Equipment

Da wir auf unserer Reise nur mit relativ kleinen Rucksäcken unterwegs sind, fehlt uns natürlich grundsätzliches Campingequipment wie Zelt, Schlafsack, Isomatten und Campingkocher. Wir ziehen also an unserem freien Tag in Puerto Natales mit der Mission los, Preise und Infos der verschiedenen Verleiher zu vergleichen. Das ganze Spektakel soll um die Mittagszeit abgeschlossen sein, damit wir danach packen und letzte Vorbereitungen treffen können. Wie naiv wir waren! Vor lauter Preisen und sich widersprechenden Ratschlägen sehen wir irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

“Ihr braucht auf jeden Fall feste Wanderstiefel!” – “Alle Schuhe sind irgendwann durchnässt, eure Trailrunning-Schuhe reichen aus.”

“Ein Iglu-Zelt ist perfekt!” – “Nehmt auf keinen Fall ein Iglu-Zelt!”

Das Hostel Erratic Rock wird auf allen Reiseblogs als Anlaufstelle gepriesen, wenn es um Verleih und Infos geht. Jeden Tag um 15:00 Uhr gibt es eine kostenlose Infoveranstaltung, bei der alle Fragen geklärt werden können. Ein super Service, der von vielen Reisenden dankend angenommen wird. Aber weil sie so omnipräsent sind, übersieht man leicht, dass es noch andere Läden mit tollem Service in Puerto Natales gibt. Das Leih-Angebot ist groß und die Preise unterscheiden sich oft nur um 500 – 1.000 CLP (pro Tag). Wenn sich die Mitarbeiter dann noch etwas Zeit nehmen und umfangreich beraten, lassen sich vielleicht auch ein paar Pesos mehr rechtfertigen, schließlich muss man 4-9 Tage in einem fremden Zelt, Schlafsack und Iso-Matte überleben! Man sollte alle Teile, die man sich ausleiht, im Laden gleich ausprobieren. Wir merken bei einem Schlafsack zum Beispiel erst beim Testpacken, dass er stinkt und noch dazu viel zu groß ist. Wir bauen auch erst drei Zelte auf, bevor wir uns für eins entscheiden. Zum Glück findet Felix noch den kleinen Verleih Rental Natales, dessen Betreiber Guillermo selbst Tourguide im Torres del Paine Nationalpark war. Seine komplett neuen Zelte und Schlafsäcke sind zwar leider schon alle verliehen, wir bekommen bei ihm aber noch ein kompaktes Kochset inklusive  Spülmittel, Schwamm und Merkén (das beste chilenische Universalgewürz!), die stabilsten Wanderstöcke und einige hilfreiche Tipps, die uns von allen am vertrauenswürdigsten erscheinen. In den meisten Hostels und Verleihshops finden wir auch immer wieder „free boxes“, wo andere Backpacker ihr übrig gebliebenes Allerlei (z.B. auch halbvolle Gaskartuschen) verschenken.

Equipment Preis (pro Tag) (Stand: 11/2016)
Zelt (2 Pers.) 4.000-8.000 CLP
Isomatte 1.500-2.000 CLP
Schlafsack 2.500-3.500 CLP
Wanderstöcke 2.000-3.500 CLP
Kochset 3.000-4.000 CLP
Rucksack (55-75 l) 3.000-4.000 CLP

Wenn man die Zeit hat, sollte man Angebote vergleichen. Wer kann, bringt sich von zuhause gut bewährtes Equipment selbst mit.

Mitgenommen haben wir am Ende:

  • Zelt (Ferino Manaslu2)
  • 2x Schlafsack
  • 2x Isomatte
  • 2x Rucksack (60L)
  • 1x Kochset (Gaskocher, Topf, 2 Schüsseln, 2 Becher, Besteck, Feuerzeug, Spülzeug)
  • 2x Gaskartuschen (1x groß – halbvoll, 1x klein – neu)
  • 2x Trekking Handtuch
  • 2x Kulturbeutel (Zahnbürste, -pasta, Deo, Seife, Kontaklinsenflüssigkeit, Sonnencreme)
  • 2x Stirnlampe
  • 2x mobiler Akku
  • Erste-Hilfe-Set (mit ausreichend Blasenpflastern!)
  • große Müllbeutel (als Regenschutz im Rucksack)
  • Geheimtipp: Wäscheklammern!

Verpflegung

Gerade beim O-Trail muss man sich auf den Campingplätzen selbst verpflegen (Auf dem W gibt es auf den Campsites manchmal kleine Läden oder man bucht Halbpension). Unsere Hamsterkäufe erledigen wir bereits in Santiago. Weil wir schon ahnen, dass in Patagonien alles teurer ist, haben wir uns die Mühe gemacht, dort im Mercado Central alle Zutaten für unser Frühstück, Mittagssnacks und Abendessen zusammen zu suchen. Als wir am Abend vor unserer Abfahrt in den Park noch letzte Kleinigkeiten besorgen, merken wir beim Blick auf die Preisschilder, dass es sich gelohnt hat. Im Supermarkt ist außerdem fast schon alles vergriffen.
Hier haben wir aufgelistet, was wir für acht Tage auf dem O-Trail zum Essen mitgenommen haben:

Frühstück 14x Oatmeal (Haferflocken mit Rosinen, Nüssen, Kernen und Zimt)
Mittags-Snacks 16x Nüsse und getrocknete Früchte
Schokoriegel
Abendessen 3x Pasta & Sauce
3x Reisfertiggerichte
1x Kartoffelbrei & Linsen
Sonstiges 4x Energy/Elekrolyte-Pulver zum Auflösen
Salz
Zucker
Merkèn
getrocknete Tomaten (leicht und machen das langweiligste Fertiggericht spannend)
1x Instantkaffee-Pulver

Der Einfachheit halber verpacken wir Frühstück und Mittagessen vorportioniert in kleine Ziploc-Beutel, so vermeiden wir Übergewicht beim Packen der Rucksäcke und müssen uns keine Sorgen um die Rationierung auf dem Weg machen.

Klamotten

Bei einer mehrtägigen Wanderung mit Campingequipment und Essen bleibt im Rucksack nicht viel Platz übrig. Deswegen, und weil man das ganze Zeug acht Tage mit sich herumschleppen muss, empfiehlt es sich, zu den Wanderklamotten nur noch ein bequemes Outfit fürs Camp und zum Schlafen einzupacken. Der patagonische Wind ist zudem manchmal so stark, dass man das Wandershirt nach Ankunft am Campingplatz waschen und aufhängen kann und es am Abend schon wieder trocken ist. Zumindest ein bisschen Illusion von Frische!

Hier haben wir unsere Klamotten für acht Tage aufgelistet:

  • Wanderhose
  • Sportshirt
  • Fleecepulli
  • Primaloft-Jacke (Patagonia Nano Puff – absolute Empfehlung!)
  • Regenjacke
  • Wandersocken
  • Trailrunningschuhe
  • dünne Handschuhe
  • Buff
  • Mütze/Cap
  • Jogginghose/Leggins
  • T-Shirt/Top
  • Pulli
  • Flip-Flops/Birkenstocks
  • Unterwäsche

Hinkommen/Reinkommen

Wenn man in Puerto Natales ankommt, kann man sich im Busterminal gleich die Tickets für Hin-und Rückfahrt in den Nationalpark besorgen. Es gibt verschiedene Busunternehmen, die alle ziemlich genau dasselbe Paket verkaufen:
Hin- und Rückfahrt für 13.000 – 15.000 CLP
Abfahrt: 07:30 Uhr oder 12:00 Uhr (Zum Park fährt man etwa 2,5 Stunden)
Rückfahrt: 14:30 oder 19:30 (offenes Ticket)

Beim Eingang des Torres del Paine Nationalpark muss sich jeder Besucher registrieren, bei längerem Aufenthalt seine Reservierungen der Campingplätze vorlegen, den Eintrittspreis von 21.000 CLP (ca. 30€) pro Person begleichen und sich ein kurzes Informationsvideo zu Ver- und Geboten im Park ansehen.

Und dann heißt es: sich von der Zivilisation verabschieden, Rucksack schultern, und Hopp, los!

Und dann heißt es: sich von der Zivilisation verabschieden, Rucksack schultern, und Hopp, los!