In Mendoza haben wir insgesamt dreieinhalb Tage vor und nach dem Workaway Zeit. In unserem Hostel, dem Lagares, fühlen wir uns gleich super wohl. Die Mitarbeiter sind nett und hilfsbereit, die Bäder groß und sauber und die Betten bequem. Außerdem gibt es ein für Hostelverhältnisse überdurchschnittliches Frühstück mit selbstgemachter Marmelade und frisch gebackenem Brot.

Wie immer beginnen wir mit einer Walking Tour, die uns durch den neueren Teil der Stadt führt. Am Plaza Independencia stoßen wir auf zwei Kunstwerke von Federico Arcidiacono, der Skulpturen aus riesigen Baumstümpfen fertigt. Die alte Börse und die alte Hypothekenbank wurden umfunktioniert und beherbergen Kunstgalerien mit wechselnden Ausstellungen, die für die Öffentlichkeit gratis zugänglich sind.

Wir nehmen uns vor, am Nachmittag im großen Parque San Martín auf den Cerro Gloria zu laufen, einen Hügel, von dem aus man bei gutem Wetter den Aconcagua, den höchsten Berg Südamerikas (6.962 m), sehen kann. Im Park begegnen uns viele Jogger, Skater, Ruderer im Kanal und auf den Wiesen werden einige Leute von ihren Personal Trainern gequält.

Auf den Hügel schaffen wir es leider nicht, nachdem dunkle Wolken aufziehen. Dafür entdecken wir auf dem Rückweg, was wir an unserem ersten Abend vergeblich gesucht haben: eine coole  Restaurant- und Bar-Meile in der Avenida Aristides Villanueva. Wir probieren uns durch verschiedene Craft Biere bei Hangar 52, essen leckere Burger bei Mi Barrio und freuen uns über Die Oma, eine deutsche Bäckerei.

Ode an den Wein - Fahrradtour durch Mendozas Weinregion

Was macht man mit betrunkenen Touristen? Genau, man setzt sie auf Fahrräder. Auch wir konnten uns natürlich dem Charme der Weinregion Mendoza nicht entziehen und machen dort einen Ausflug nach Maipú, einem Vorort, in dem sich eine Bodega an die andere reiht.
Es gibt dort einige Fahrradverleiher, die alle das gleiche Programm anbieten. Uns wird die Entscheidung aber abgenommen, denn der Busfahrer setzt uns nach fachmännischer Einschätzung des Grundes für unseren Besuch direkt vor Maipú Bikes an der Hauptstraße Urquiza ab. Die Fahrräder vor dem Laden sehen vernünftig aus und wir werden sofort freudig von zwei Mitarbeitern empfangen. Im Leihpaket ist noch eine große Flasche Wasser inbegriffen, nach der Tour können wir uns noch je zwei Empanadas und ein halbes Glas Wein in einer Bar nebenan abholen. Nach einer kurzen Übersicht über die verschiedenen Bodegas inklusive der dort angebotenen Führungen und Verkostungen und dem wiederholten Hinweis, dass die Karte, die wir bekommen, nicht maßstabsgetreu ist, schwingen wir uns in den Sattel. Auf der Straße verläuft ein schmaler abgegrenzter Fahrradweg. Zum Glück, wir wissen mittlerweile ja schon, dass der gemeine argentinische Autofahrer nicht für Fußgänger oder Fahrradfahrer bremst. Falls es Probleme gibt, hat Maipú eine Tourist Police. “…friendly police, they don’t care if you drink”. Helme gibt’s natürlich auch nicht.

Nachdem wir 15 Minuten in die Pedale getreten sind, merken wir, dass der Hinweis mit dem Kartenmaßstab wirklich ernst gemeint war. Laut Karte müssten wir die erste Bodega, die wir anvisiert haben, schon längst passiert haben. Wir kommen aber erst weitere zehn Minuten später verschwitzt am Tor von Tempus Alba an.

Hier kann man selbstständig eine kurze Tour machen, Fakten und Erklärungen zu den Weinsorten, der Produktion und der Lagerung findet man auf nummerierten Tafeln. Weil es dort total leer und ausgestorben ist, entscheiden wir uns gegen eine Verkostung (65 ARS, ca. 4€) und fahren weiter.

Die Straße führt aus dem Ort heraus und wird zu einer schönen, schattigen Allee. Leider endet der Fahrradweg und wir müssen uns zwischen einem holprigem Schotterweg oder der Straße mit weinfassgroßen Schlaglöchern entscheiden. Aber schon bald erscheint unsere zweite Destination, das urige Familienweingut Di Tommaso. Wir dürfen uns einer größeren Gruppe anschließen und nehmen gespannt auf niedrigen Holzbänken Platz, um drei verschiedene Rotweine zu verkosten (Verkostung & Tour: 70 ARS, ca. 4,30€). Die Gläser werden großzügig gefüllt und die Runde wird immer lustiger. So kommen wir auch mit Tyler, Steve und Michael ins Gespräch, drei amerikanischen Studenten, die in Valparaíso, Chile, studieren. Bald schaut die „friendly tourist police“ herein und informiert alle, dass wegen starkem Wind in zwei Stunden niemand mehr mit Fahrrad auf der Straße sein darf. Das erntet lange Gesichter.

Nach der Verkostung werden wir noch an den Weintanks vorbei und durch die kühlen Kellergewölbe geführt, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.
Kein Hauch von Wind.

Der Wein hat auf leeren Magen bereits Wirkung gezeigt und wir wollen mit Olivenöl ein wenig Substanz schaffen. Schlappe drei Kilometer weiter stehen wir in der Kiesauffahrt von Laur, einer Olivenöl- und Essigmanufaktur.

Wir müssen uns noch eine halbe Stunde bis zur nächsten Führung gedulden und schielen neidisch auf die halb abgegrasten Probiertellerchen auf den Stehtischen im Ausstellungsraum. Der Rundgang führt uns vorbei an den traditionellen, ausgedienten Olivenpressen aus Stein, modernen Zentrifugen und einer Verpackungsstation.

Später steuern wir noch die Balsamico-Halle an, wo uns schon von draußen der süßliche Essiggeruch entgegenschlägt. Am Ende ist es endlich soweit: Wir dürfen probieren! Für je 50 ARS (ca. 3€; dank Rabatt durch Maipu Bikes!) werden uns fünf verschiedene Olivenöle, drei Essige, Berge von Brot und Oliven, Tapenade und getrocknete Tomaten aufgetischt. Wir schlagen uns die Bäuche voll während wir über die Bitterheitsgrade der Öle fachsimpeln.

Mit einem Glas grüner Oliven im Rucksack ziehen wir wieder los. Es ist schon später Nachmittag und wir müssen die Räder um 18:00 Uhr abgeben, noch dazu wollen wir uns die gratis Empanadas nicht entgehen lassen. Deswegen rasen wir über die Landstraße und durch die Allee zurück ins Zentrum von Maipú. Wir hätten den Wein-Tag wirklich früher beginnen sollen! Damit sich eine Wine&Bike Tour richtig lohnt und man auch noch Zeit für ein Essen zwischendurch einplanen will, sollte man sich ab 10:00 Uhr ein Rad leihen.

Aber zum Glück meinen die Verleiher es gut mit uns. Nachdem wir unsere amerikanischen Weinkollegen in der nebenan gelegenen Bar wieder treffen, wird nach mehrmaligem Nachschenken des „halben gratis Glases“ die volle Weinflasche einfach auf den Tisch vor uns abgestellt. Weinselig verlassen wir eine Stunde später die Bar und verabreden uns mit den Studenten und Cecille aus Holland zum gemeinsamen Kochen im Hostel. Der Abend ist lustig und bringt noch viele weitere Flaschen Wein mit sich. Salud!

Matschige Entspannung - Termas de Cacheuta

Wir finden, dass wir uns nach unserem Workaway-Aufenthalt in San Rafael und der anstrengenden Weintour ein bisschen Erholung verdient haben. Deswegen haben wir für den nächsten Tag eine Tour zu den Termas de Cacheuta gebucht.  Diese heißen Thermalquellen liegen ca. 40km von Mendoza entfernt. Cecille hat sich uns angeschlossen und gemeinsam mit etwa 20 anderen Wellness-Begeisterten werden wir im Minibus dorthin gekarrt. Im Preis ist ein riesiges Mittagsbuffet im angeschlossenen Hotel inbegriffen. Es wird mehrfach erwähnt, dass man im Bademantel zum Essen kommen darf, was anscheinend bei vielen Besuchern auf riesige Begeisterung stößt. Aber vorher werden uns erst einmal die einzelnen Thermalbereiche erklärt. Welches Becken hat wieviel Grad, wie trägt man den Thermalschlamm auf und wie wäscht man ihn wieder ab? Im Außenbereich kann man sich stufenweise vom Pool, in dem man auch locker einen Hummer garen könnte, bis hin zur Kneipp-Temperatur durcharbeiten.

Am meisten fasziniert uns aber der Heilschlamm, den wir beherzt aus einem tiefen Becken auf unsere Haut schaufeln. Wir fühlen uns wie Töpferware während wir im lauwarmen Luftstrom eines „Ofens“ warten und der Schlamm langsam trocknet. Trotz Schlammfingern bleibt bei den meisten Besuchern eine Selfie-Session nicht aus, so auch bei uns (Danke an Cecille!). Das Abduschen, das ähnlich wie eine Autowäsche funktioniert (starke Wasserstrahlen von allen Seiten) bildet den krönenden Abschluss dieses witzigen Rituals. Während wir noch die letzten Schlammreste loswerden hat sich bereits eine Prozession aus Bademantelträgern in Richtung Speisesaal gebildet. Wir reihen uns erwartungsvoll mit ein. Das Bild, das sich uns dort bietet, ist vielversprechend: ein meterlanges Buffet, die Tische biegen sich unter der Last der vielen verschiedenen Gerichte. Wir laden uns die Teller haushoch voll und gönnen uns zur Feier des Tages noch ein riesiges Bier. Den Tag lassen wir am warmen Pool auf Sonnenliegen ausklingen.

Unserer Meinung nach reicht ein kurzer Aufenthalt in Mendoza aus. Die Kombination aus Wein und Wellness ermöglicht einige Tage Entspannung. Wer mehr Action braucht, ist von Mendoza aus schnell in den Bergen zum Wandern,   Mountainbiken oder Rafting. Vor allem ist Mendoza aber das Tor nach Chile, denn jeden Tag fahren mehrere Busse über die Anden nach Santiago, unserer nächsten Destination.