Unkraut jäten, Rasen mähen, Geschirr spülen. Klingt nicht gerade nach Weltreise und großer Freiheit, oder? Für unsere nächste Station in Argentinien haben wir es uns aber genau so ausgesucht. Wir machen Workaway auf einer Finca nahe San Rafael!

Als “workawayer” bietet man seine Arbeitskraft im Tausch gegen Unterkunft und Verpflegung an. Man wohnt bei den Gastgebern und hilft täglich 4-5 Stunden mit, z.B. das Haus zu renovieren, den Garten in Schuss zu halten oder Kinder zu betreuen. Unsere Gastgeberin und “Chefin” für die nächsten zehn Tage ist Helena, gebürtige Holländerin, verheiratet mit Arnie, einem US-Amerikaner. Die beiden haben sich 2005 eine Finca mit etwa 16 Hektar Land, darauf Weinfelder und Obstbäume, in Atuel Norte gekauft und dort über die letzten elf Jahre viel Erfahrung mit dem Leben auf dem Land, argentinischen Besonderheiten und den Launen des Wetters gesammelt. Es gibt viel zu tun, und da Arnie die nächsten zehn Tage unterwegs ist, kann Helena unsere Hilfe gut gebrauchen.

Gespannt warten wir also nach dreistündiger Fahrt von Mendoza am Busterminal von San Rafael. Helena begrüßt uns herzlich, wir schmeißen unsere Rucksäcke in den Kofferraum und düsen mit ihr eine halbe Stunde weiter über die Landstraße. Es regnet, aber in der Ferne kann man das Bergmassiv der Anden ausmachen. Am Straßenrand fliegen Backsteinhäuser, Weinfelder und Olivenhaine vorbei.

An der Finca, einem gelben, einstöckigen Haus hinter einem breiten Holztor, angekommen, werden wir gleich von mehreren Hunden aufgeregt begrüßt. Erste Vorstellungsrunde: Scruffy, Negro und Christina; im Haus treffen wir noch Spits und Pinta. Zur Fellfamilie gehören auch noch drei Katzen, die aber meist draußen auf den Feldern unterwegs sind.

Helena zeigt uns alles, das Haus ist gemütlich und mit Andenken aus aller Welt eingerichtet. Unsere Bleibe fürs Workaway ist ein Anbau an das Haupthaus, mit Bett, Sesseln, Tisch, eigenem Bad und offenem Kamin. Helena kündigt gleich an, dass wir viel Feuerholz zusammensammeln müssen, denn es wird kalt über Nacht. Gemeinsam mit den Hunden laufen wir das Grundstück ab, vorbei an Pfirsich-, Pflaumen- und Feigenbäumen, den Bienenstöcken und hunderten Reihen von Wein. Im argentinischen Frühling fangen die Reben gerade erst an, zu sprießen. Geerntet werden die Trauben dann im März und an die “bodegas”, also die Weingüter in der Region verkauft. Die Obstbäume hat es leider im späten Frost böse erwischt, sie werden in diesem Jahr keine Früchte tragen.

Zurück im Haus bekommen wir eine Einführung in Pyromanie, beim ersten Feuer in unserem Zimmer muss uns die Hausherrin aber doch nochmal nachhelfen.

Die nächsten beiden Tage schlagen wir uns nach dem Frühstück in die Weinfelder. Mit Spaten, Unkrauthacke und Schubkarren bewaffnet gehen wir dem Unkraut an den Kragen. Auch hier bekommen wir einen kurzen Workshop, denn das Unkraut im argentinischen Weinfeld ist von einem ganz anderen Kaliber als das im heimischen Vorgarten. Helena warnt uns vor den hartnäckigen kleinen Mücken, den bichos, die uns umschwirren, sobald wir das Haus verlassen. Aber auch dicke Nebelschwaden von Insektenschutzmittel beeindrucken die nervigen Viecher nicht. 3 Mückenstiche.

Später bekommen wir Motorsense und Rasenmäher in die Hände gedrückt und rücken dem Gras im Garten und um die Felder zu Leibe. Eine Bonus-Aufgabe bekommen wir auch noch: Ameisenaktivität auf dem Weinfeld beobachten und augenblicklich eindämmen, sonst sind die Weinreben ruckzuck abgefressen. Nach dem Mittagessen machen alle Siesta und auch wir lernen die Tradition endlich zu schätzen, denn körperliche Arbeit an der frischen Luft macht uns Stadtmäuse richtig müde. Abends lernen wir noch die typische Form der Müllverwertung hier auf dem Land ohne Müllabfuhr kennen (verbrennen!).
15 Mückenstiche.

Es folgen zwei Tage mit starkem Regen, zum Glück gibt es auch in der Küche viel zu tun. Wir kochen töpfeweise Erdbeer- und Orangenmarmelade, backen Brot, lernen von Helena, wie man ganz einfach Joghurt selbst machen kann, kochen Mittag- und Abendessen und halten die Feuer in Küche und unserem Zimmer (erfolgreich!) am Laufen. 16 Mückenstiche.

Alle paar Tage dürfen wir einen neuen Honig ausprobieren, alles aus eigener Produktion und jeder mit eigenem Charakter und einem anderen Farbton.

Das Leben auf der Finca ist einfach. Zuhause denken wir nicht weiter über die heiße Dusche oder das Licht im Flur nach, alles funktioniert auf Knopfdruck. Hier muss man mit warmem Wasser gut haushalten, der Strom fällt manchmal aus, wenn der Wind zu stark bläst und wenn es kalt ist, muss man beim Feuer fleißig nachlegen. Doch genau das macht auch irgendwie den Charme dieses Lebens aus. Dass wir täglich etwas mit den eigenen Händen schaffen und man schnell Ergebnisse sieht, macht uns am Ende jeden Tages sehr zufrieden.

Und so gewöhnen wir uns schnell an das Leben auf der Finca. Immer wieder tauchen neue nette Gesichter aus der Nachbarschaft auf, die Wasserkanister vorbeibringen, das Pflügen der Felder übernehmen oder im Haushalt mithelfen. Wir haben die Hunde schnell in unser Herz geschlossen und genießen die interessanten und lustigen, langen Gespräche mit Helena beim Essen. Teilweise jonglieren wir mit vier Sprachen, wenn einem von uns ein Wort nicht einfällt, wird eben Spanisch, Englisch, Deutsch oder Holländisch ausprobiert.

Es wird wieder warm, wir haben inzwischen eines von drei großen Weinfeldern vom Unkraut befreit. 23 Stiche. Als nächstes muss alles gedüngt werden, dafür ziehen wir gemeinsam mit Daniél, einem jungen argentinischen Helfer, mit improvisierten Umhängetaschen aus Plastiksack, Draht und Gartenschlauch durch die Reihen. In jeder zweiten Reihe verteilen wir Düngemittel um die Wurzeln der Weinstöcke. Das alles passiert natürlich mit einem wachsames Auge auf potentielle Ameisen-Eindringlinge. 27 Stiche.

Zum Ende der Woche haben wir ziemlich viel geschafft und es ist Zeit, die Finca kurz zu verlassen, um die Umgebung kennenzulernen. Wir lassen nach getaner Arbeit Unkraut Unkraut sein und fahren mit Helena zu Goyenechea, einem alten Weingut bei Atuel Norte. Dort bekommen wir eine kurze Führung mit anschließender Verkostung und nehmen uns eine Flasche Rosé für den letzten Abend mit. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung ist dabei übrigens keinesfalls unsere neu gewonnene Weinkenntnis, sondern das hübsche Etikett …

Für den letzten Tag vor unserer Abreise, ein Samstag, schlägt Helena ein Picknick im Valle Grande vor. Nach etwa einer Stunde Fahrt in den Südwesten eröffnet sich uns eine vollkommen neue Landschaft, ein tiefer Canyon, den der Fluss Atuel in die Hügel geschnitten hat. Wir fahren vorbei an leeren Campingplätzen und verwaisten “Asado”-Grillstationen, die am Ufer des Flusses verstreut liegen. In Argentinien ist noch Frühling und Nebensaison, außerdem sind wir um 11 Uhr vormittags für südamerikanische Verhältnisse viel zu früh unterwegs.

Helena biegt rechts ab und steuert den Wagen über mehrere Serpentinen die Straße hoch. Am Ende stehen wir am höchsten Punkt und blicken von einem riesigen Staudamm hinunter. Hier wird das Wasser angestaut, dass im Sommer für die ganze Region zur Bewässerung der Felder dient. Auch Helenas Grundstück erhält so das wertvolle H20.

Auf dem Rückweg aus dem Canyon suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen direkt am Ufer und zerren Campingstühle und Kühlboxen runter zum Fluss. Wir genießen nochmal die Früchte der letzten Tage: Brot, Marmelade, Joghurt und viele weitere Köstlichkeiten und verlieren uns wie immer in ein langes Gespräch mit Helena. Dabei kratzen wir uns am 67. Mückenstich und sind so froh um die Erfahrungen der vorherigen zehn Tage – es wird hoffentlich nicht unser letztes Workaway sein.

Eine der vielen Leckereien die wir auf der Finca kennenlernen und ausprobieren durften, war die Budin de mandarino. Ein saftiger Kuchen mit Schokolade und Mandarinen. Damit ihr auch ein Stückchen süßes Argentinien probieren könnt, kommt hier das Rezept:

Budin de Mandarino

Zutaten

  • 2 Mandarinen (mit Schale!)
  • 2 Eier
  • 1 Tasse Pflanzenöl (z.B. Sonnenblumenöl)
  • 2 Tassen Zucker
  • 3 Tassen Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 1 Tasse Schokolade (Splitter oder kleingehackt)
  • flache Glasform (ca. 30x20cm)
  • Butter oder Öl zum Einfetten der Form

Zubereitung

  1. Mandarinen vierteln, eventuelle Kerne und weiße Haut entfernen. In kleine Würfel schneiden.
  2. Mandarinenwürfel, Eier, Öl und Zucker in einer Schüssel zusammen mischen.
  3. Mehl und Backpulver untermischen.
  4. Schokosplitter dazugeben.
  5. In die Form füllen und bei 180 Grad Celsius (Unter-/Oberhitze) im Ofen für ca. 20 min backen.

Buen provecho!