In Salta haben wir fast so etwas wie Alltag. Felix geht zum Sprachkurs, Lisa hilft im Hort. Am Nachmittag treffen wir kurz nacheinander in unserer Unterkunft ein, eine kleine Familienpension mit freundlichem Wachhund. Wir machen Siesta, planen für die nächsten Wochen und kochen.

Am Wochenende wollen wir aber was erleben und raus aus der Stadt! Wir mieten uns ein Auto, was zuerst einiges an Recherche-Arbeit erfordert. Das Angebot in Salta ist groß aber Preise und Services sollte man vergleichen. Die Entscheidung fällt auf einen Kleinwagen, der uns am Samstagmorgen fast pünktlich zu unserer Pension geliefert wird. Leider ist der Tank schon auf Reserve und so dreht der Verleih-Mitarbeiter nochmal eine Runde zur nächsten Tankstelle. Wir scharren schon mit den Füßen, denn wir wollen endlich los! In südamerikanischer Gelassenheit müssen wir uns noch üben.

Salinas Grandes

Aber dann geht’s endlich los! Wir haben uns die Karte aufs Handy geladen und steuern zuerst die Salinas Grandes an, ein Salzsee ca. 220km von Salta. Der Weg dorthin soll besonders schön sein, uns über die Ruta 9 durch Täler und über Berge führen, die bei der geführten Tour schon durch die beschlagenen Scheiben an uns vorbeigezogen sind.

Leider verpassen wir eine Ausfahrt und so landen wir auf der Autobahn, die zwar schneller, aber leider auch optisch weniger ansprechend ist.

Nach etwa zwei Stunden kommen wir wieder auf die “scenic route” und fahren durch die sich ständig ändernde Landschaft vorbei an Feldern, Felsen und Flußbetten.

Als wir Purmamarca mit dem Cerro Siete Colores erreichen, damals unser erster Foto-Stopp auf der Tagestour, biegen wir links auf die Serpentinenstraße in Richtung Susques ab. Die Straße windet sich viele Kilometer den Berg hinauf, unser kleines Auto schlägt sich tapfer. Zwischendurch checken wir immer wieder die Kompass-App auf dem Handy und sehen der Meteranzeige beim hinaufklettern zu.

Irgendwann springt die vorderste Zahl von drei auf vier, aber da geht noch mehr! Bei 4.170m haben wir den höchsten Punkt der Serpentinenstraße erreicht, steigen kurz aus und knipsen ein Erinnerungsfoto.

Man spürt, dass die Luft dünner ist, ein ganz leichter Druck auf dem Kopf ist bemerkbar. Trotzdem lehnen wir die Koka-Blätter, die von ein paar Verkäufern in dieser Einöde angeboten werden, dankend ab und treten das letzte Stück Fahrt bis zum Salzsee an.

Die Straße schlängelt sich auf der anderen Seite ins Tal und nach ein paar Kilometern sieht man die Salzebene bereits weiß in der Ferne glitzern. Auf der Ebene angekommen, wird die Straße schnurgerade und es wirkt so, als ob man geradeaus direkt auf die weiße Fläche fährt. Aber doch kurz bevor die steppenartige Vegetation auf das Salz trifft, schlägt die Straße noch zwei Kurven bis wir einen Platz am Straßenrand erreichen, der von improvisierten Verkaufsständen gesäumt ist.

In einem kleinen Häuschen mit der handschriftlichen Aufschrift Tourist Information erfahren wir, dass man pro Auto 200 Pesos (ca. 12€, Stand 10/16) für einen Guide bezahlen muss, der einen dann über den Salzsee führt. Wir fragen kurzerhand noch ein argentinisches Pärchen, ob sie sich das Auto und den Eintritt teilen wollen, bekommen einen weiblichen Tourguide, inklusive Backen voller Koka-Blätter, zugeteilt und rollen mit unserem kleinen, jetzt voll besetzten Auto vorsichtig auf das schimmernde Salz.

Die Führerin spricht natürlich nur Spanisch, die Blätter, die sie in ihre rechte Backe gestopft hat, machen das Verstehen auch nicht leichter. Felix ist schon mal raus, fotografiert lieber die Salzkruste und die Becken, während Lisa sich anstrengt, so viele Informationen wie möglich aus dem undeutlichen Gebrabbel zu erfahren. Alejandra und Marcos stellen viele Fragen. Wie wird das Salz gewonnen? (Salzwasser in den Becken verdunstet und die Salzkristalle werden von der Wasseroberfläche abgeschöpft) Wofür wird es verwendet? (Pökeln, Speisesalz, Figuren, etc.) Werden die Becken immer an neuen Stellen gegraben? (Nein, es werden immer wieder die gleichen verwendet)….

An einigen Stellen, an denen die Salzkruste eingebrochen ist, glitzert türkisblaues Salzwasser in der Sonne. Diese Löcher im Boden werden “ojos”, also Augen, genannt und sind manchmal wenige Zentimeter groß, manchmal so groß wie ein Gartenteich. Man kann hier also genau wie auf einem gefrorenen See auch einbrechen! Wir kucken vorsichtig in die Augen des Sees und halten auch mal kurz unsere Finger rein um das sehr salzige Wasser zu schmecken.

Ein paar Meter von uns entfernt sehen wir ein Paar mit Guide, die für viele lustige Fotos posieren. Solche Fotos kennt ja jeder sicher aus dem Internet oder aus eigenen Erfahrungen. Die weite ebene Fläche macht es möglich mit der Perspektive zu spielen und so die Foto-Objekte ganz klein oder ganz groß wirken zu lassen. Uns ist schon aufgefallen, dass unsere Führerin es ein bisschen eilig hat und uns eher über den Salzsee scheucht. Sie verzieht auch ihr Gesicht, als wir sie fragen, ob wir auch solche Fotos machen können, murmelt etwas von Arbeitsstunden. Wir wollen uns aber nicht kleinkriegen lassen und starten kurzerhand selbst ein Shooting.

Schließlich müssen wir ihrem Drängen nachgeben und fahren zurück zu dem kleinen Verkaufsplatz. Dort angekommen eilt sie sofort an einen Stand und schickt den Verkäufer dort in die Pause.

Wir sind ein bisschen enttäuscht von der Kürze unserer Tour, entscheiden uns dann aber dafür auf dem Rückweg noch einen Stop in Tilcara zu machen. Laut unseren neuen argentinischen Freunden ist es ein süßes Städtchen mit einzigartigem Charme.

Wir treffen sie dort noch auf einen Kaffee, laufen einmal kurz durch die kleinen Straßen und treten müde aber zufrieden den Heimweg an.

Cafayate

Für den Sonntag haben wir uns Cafayate als Ziel ausgesucht. Die Stadt liegt in Saltas Wine Country und der Weg dorthin führt durch die Quebrada de las Conchas (“Muschel-Schlucht”). Es ist super heiß, zum Glück haben wir genug Wasser dabei und das Auto eine funktionierende Klimaanlage!

Der Weg führt uns durch zwei kleine Städtchen, in denen sich der Wochenendverkehr an einer einzigen Ampel staut. Danach tuckern wir langsam hinter einem Konvoi aus Militärfahrzeugen her. Es zieht sich, die Landstraße führt durch kleine Ortschaften und vorbei an Farmen und Feldern. Überall laufen wilde Hunde an der Straße entlang. Einmal legt Lisa eine Vollbremsung hin, um einen kleinen weißen Pudel nicht zu überfahren. Hinter dem Dorf Alemania werden die grünen Bäume weniger und machen Platz für rote Felsen und niedriges Gestrüpp. Die Felsen entlang der Straße werden immer höher und dramatischer und bald befinden wir uns in einem richtigen Canyon.

Ab jetzt startet ein lustiges Stop-and-Go Spiel. Wir fahren gefühlt 100 Meter, halten an, steigen aus, staunen und machen Fotos. Nach jeder Ecke kommt ein noch spektakulärer Ausblick. Bald erreichen wir einen weiteren “Teufelsschlund” (Garganta del Diablo). Wie die anderen Touristen “übersehen” wir die Verbotsschilder und klettern ein Stück nach oben. Dort angekommen bietet sich uns ein seltsames visuelles Schauspiel. Wenn man nach oben in den Schlund hineinschaut, scheint, es als stünde man an einem Abgrund und schaue hinunter. Rund herum bieten die schrägen Felsen die perfekte Kulisse für Fotos, auf denen die Schwerkraft auszusetzen scheint.

Als Nächstes stoppen wir 150 Meter weiter, am Anfiteatro Natural. Die Natur hat hier ganze Arbeit geleistet und eine Art Zylinder geformt, der eine perfekte Akustik hat. Manchmal kann man Musiker antreffen, die hier einige Songs darbieten. Wir haben Glück und können die riesige Felswand für etwa zwei Minuten komplett ungestört bewundern, bevor zwei Busse mit einer Horde Touristen ausgeladen werden.

Wir suchen schnell das Weite und setzen den Weg nach Cafayate fort. Aber schon nach einem halben Kilometer müssen wir wieder anhalten, denn wir haben einen tollen Aussichtspunkt erspäht: Mirador Tres Cruces. Ein kleiner Pfad führt uns über rote Hügel und von dort haben wir einen atemberaubend schönen Blick über das Flussbett, dass sich parallel zu unserer Straße durch die Täler schlängelt. Wir genießen den Ausblick und entdecken auf dem Rückweg wunderbar seltsame Pflanzen.

Zurück auf die Straße! Wir lassen die als El Obelisco und Ventanas (“Fenster”) bekannten Felsen links liegen, um nicht schon wieder alle paar hundert Meter anhalten zu müssen. Aber schon die nächste Kurve bringt die zweite Vollbremsung an diesem Tag: rechts von uns ragen Los Castillos (“die Schlösser”) auf. Wir sind wieder raus aus dem Auto und umgeben von Kakteen und Dornbüschen. Wir zwei glorreiche Halunken bereuen es, unsere Cowboy-Stiefel und den Colt-Gürtel zuhause gelassen zu haben, denn jeden Moment könnte Clint Eastwood um die Ecke biegen. Felix pfeift den Titelsong und schießt Fotos schneller als sein Schatten.

Kurze Zeit später öffnet sich die Schlucht, die Straße führt jetzt zwischen weitläufigen Weingütern durch direkt in die kleine Stadt Cafayate. Wir parken am zentralen Plaza. Der Ort wirkt verschlafen, es ist Sonntag und gerade Siesta. Nach einem Eis und Kaffee beschließen wir, einen kleinen (Nach-)Mittagsschlaf auf der einladenden Grasfläche in der Mitte des Plazas zu machen, um Kraft für die Rückfahrt zu sammeln.

Leider gibt es hier, wie überall in Argentinien, dutzende Straßenhunde, die das zu verhindern wissen. Einer ist besonders aufdringlich. Er folgt uns auch, nachdem wir den Platz verlassen, durch die Straßen zum bekannten Casa del Llama. Wir beide lieben Hunde, dieses Exemplar macht uns aber mit seinem seltsamen Verhalten irgendwann wirklich Angst. Er hat eine blutige Nase und verfilztes, dreckiges Fell, das können seine treuherzigen Augen leider nicht wettmachen. Wir wechseln immer wieder die Straßenseite, überlegen, in ein Hotel oder in einen Laden zu fliehen. Am Ende sprinten wir einfach zum Auto und hängen ihn ab. Beim Wegfahren sehen wir noch, wie er die nächste Gruppe auf dem Platz belagert. Wirklich schade, denn Cafayate sieht so schön aus! Überall findet man kleine Kunsthandwerkhöfe und nette Restaurants, die Häuser sind eine Mischung aus kleinen Kolonialbauten und Western-Saloons.

Auf dem Heimweg halten wir nur ein paar Mal an, versuchen aber wegen der hereinbrechenden Dunkelheit möglichst viel Strecke am Stück zu machen. Einmal müssen wir noch anhalten und den Blick übers Tal schweifen lassen. In der Dämmerung hören und sehen wir mehrere grüne Papageien in einem Baum, die sich angeregt unterhalten. Doch kaum gehen wir einige Schritte auf sie zu, erheben sie sich in den Sonnenuntergangshimmel.

Zeit für uns, auch nach Hause zu fliegen und so setzen wir uns wieder in den Fiat und düsen Richtung Salta. Der Kommentar des Tages, der unsere beiden Ausflüge eigentlich perfekt zusammenfasst, kam nachmittags von Felix:

“Die Natur ist schon ‘ne geile Sau!”

Kurzinfos Tagesausflüge von Salta:

Auto mieten:

Calle Buenos Aires (Wir haben unser Auto bei Alpha gemietet)
Preis pro Tag: 750 ARS (ca. 44€)

Salta – Salinas Grandes:

Hin-und-Zurück: 440km (ca. 8h reine Fahrtzeit)
Route: Ruta 9 über San Salvador de Jujuy bis zur Abzweigung nach Purmamarca, dann Richtung Susques auf der 52 halten, bis man nur noch Salz sieht. (Route in Google Maps)


Salta – Cafayate:

Hin-und-Zurück: 346km (ca. 5h reine Fahrtzeit)
Route: Salta auf der Ruta 68 Richtung Cafayate verlassen und immer der Straße folgen. Ab Alemania den Foto bereit halten! (Route in Google Maps)