Unsere Recherche für Argentinien bestand vor allem aus der Google Bildersuche und Pinterest. Bei unserer Suche fanden wir vor allem um die Stadt Salta herum unglaublich schöne Orte – Canyons! Berge! Salzseen! Da müssen wir hin!

Der grobe Plan war, sich dort für ein bis zwei Wochen eine Unterkunft zu suchen, um die Umgebung zu erkunden. Felix will zudem einen Spanisch-Kurs machen und Lisa die Zeit nutzen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, eventuell durch ein Sprachtandem.

Auf geht’s also in den Nordwesten Argentiniens.

Am Samstagmorgen kommen wir nach einer langen Fahrt am Busterminal an und finden schnell zu unserem Hostel, das wir für zwei Nächte gebucht hatten. Lisa kostete es erst große Überwindung, zu einem Zehner-Schlafsaal Ja zu sagen, am Ende war es aber halb so schlimm (Ohropax sei Dank). Ein Vorteil von acht weiteren Mitbewohnern ist schließlich der aktive Austausch an Informationen. Man kommt selten um die klassischen Fragen: „Wo kommst du her, wie lang bist du schon unterwegs und wo geht’s als nächstes hin?” herum. Hat man dieses Vorgeplänkel hinter sich gebracht, erhält man meist wertvolle Tipps und Inspirationen für die Weiterreise.

Aber bevor wir an die Weiterreise denken, schauen wir uns erstmal die Innenstadt an.

Die Fußgängerzone ist wie leergefegt, die Ladentüren sind verrammelt und sogar die Popcornstände sind verwaist. Hier begegnen wir also wieder der alten Tradition der Siesta. Kennt man ja aus Spanien und Italien, trotzdem ist es immer wieder komisch, eine komplett verschlossene Innenstadt am helllichten Tag vorzufinden.

Doch auch als wieder Leben in die Straßen der Stadt einkehrt, können wir Saltas Stadt-Slogan zuerst nicht richtig nachvollziehen: “Salta – tan linda que enamora” (“…so schön, dass du dich verliebst”). Eher im Gegenteil, viele Häuser sind recht heruntergekommen. Über die Straßen, die oft riesige Löcher im Asphalt haben, sind hunderte Stromkabel gespannt. Es laufen viele verwahrloste Hunde herum.

Aber natürlich finden wir auch schöne Dinge. Der Plaza 9 de Julio mit seinen Orangenbäumen, die drei auffälligen bunten Kirchen, Catedral Basilica de Salta (rosa), Iglesia la Viña (blau) und die Iglesia San Francisco (rot), sowie die Calle Balcarce mit ihren hübschen Cafés und Läden.

Am Sonntag steigen wir auf Saltas Stadtberg, den Cerro San Bernardino. Eine alte Schweizer Seilbahn (teleferico) befördert Besucher in wenigen Minuten auf die Aussichtsplattform und gilt anscheinend als große Attraktion. Nach unserer langen Busreise inklusive Studentendiät (= Chips, Kekse, Instantkaffee, Cracker, noch mehr Kekse…) wollen wir uns aber ein bisschen Sport gönnen und wählen den Fußweg. Nach etwa 30-40 Minuten über zahlreiche Stufen, durch einen kargen Dornenwald, erreichen wir den “Gipfel”.

Von oben hat man einen guten Überblick darüber, wie weit Salta sich erstreckt. Es gibt ein Café mit Terrasse, Popcorn-Verkäufer, diverse Kunsthandwerkstände, einen Stand mit Weinverkostung … und das war’s auch schon wieder. Der Himmel ist bedeckt und so können wir leider die riesigen Berge, die Salta umgeben, nicht sehen. Wir sind aber nicht zu lange enttäuscht, denn hier gibt es, wie in allen bisher besuchten argentinischen Parks und Freiflächen, einen kleinen Fitness-Parcours. Nach ein paar Klimmzügen und Sit-Ups geht’s für uns zum Cool-Down nochmal die vielen Stufen hinunter.

Direkt am zentralen Plaza 9 de Julio gibt es das Museo de Arqueología de Alta Montaña – MAAM. Das Museum beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung der andinen Urbevölkerung. Das MAAM ist klein aber kurios, denn es beherbergt drei komplett erhaltene Mumien von Inka-Kindern aus dem 16. Jahrhundert. In der Ausstellung befindet sich jedoch immer nur eine der Mumien, luftdicht und bei -20° in einem Glaszylinder eingeschlossen.

Doch bevor wir vor dem kleinen ca. 400 Jahre alten Mädchen stehen, bewegen wir uns erst durch einige kleinere, schwach beleuchtete und heruntergekühlte Räume. Dort erfahren wir anhand von Relikten, wie kleinen Figuren aus Metall und Stein, Textilien und Keramiken, von den Traditionen des ehemaligen Inkareichs. Das Museum ist auf jeden Fall einen kurzen Besuch wert (man braucht maximal eine Stunde). Fotografieren ist aus Respekt vor der Totenruhe verboten. Einzigster Kritikpunkt ist, dass nicht alle Infotexte ins Englische übersetzt sind.

Schon vor unserer Abreise war klar, dass ich (Felix) irgendwann einen Spanischkurs in Südamerika machen will. Allein schon, um die Kommunikation in den spanischsprachigen Ländern nicht allein Lisa zu überlassen. Aber ich wollte auch unserem Blog-und Reise-Motto getreu einfach mal wieder etwas Neues ausprobieren. In Deutschland habe ich mich mit der App Duolingo schon ein bisschen an Spanisch herangetastet, lernte aber vor allem skurile Sätze wie “El cangrejo bebe leche”. Mir war klar, dass wir in Argentinien wenige Krabben, die Milch trinken, finden werden – ein richtiger Spanischkurs musste also her. Die Sprachschule Idiomas Salta hat online gute Bewertungen und ist auch preislich OK.

Der Unterricht mit Graziella und Carmen ist super locker aufgebaut. Es gibt kein strenges Lernschema, der Kurs wird vielmehr flexibel an meine Lernfortschritte angepasst. Dazu gibt es immer frischen Kaffee und interessante Geschichten zu Salta und Argentinien.

Mein Spanisch ist natürlich noch fern von fließend, aber für rudimentäre Kommunikation reicht es und ich muss jetzt natürlich dranbleiben und lernen. Das Vokabelheft ist bereits gekauft …!

Soy un estudiante del español y quiero aprender mucho! ¡Ahora vamos!

Weil ich (Lisa) während unserer Woche in Salta nicht untätig in unserer Pension herumsitzen will, hilft mir Idiomas Salta auch, ein kurzes Freiwilligenprojekt für mich zu organisieren. Ich fahre jeden Morgen mit dem Bus in das barrio Juan Cachaqui um dort in einer Kindertagesstätte mitzuhelfen. Der Tag beginnt in der guardería für die Kinder (3-9 Jahre alt) mit einem kleinen Frühstück, dann teilen sie sich auf. Ich soll die “Großen” im Computerraum beaufsichtigen. Erst wird sich um den besten Drehstuhl, die beste Maus und den schnellsten PC gestritten und dann kleben sie alle gebannt an den Bildschirmen, malen mit Paint oder schreiben kurze Texte. Die Verständigung läuft holprig. Die Kinder sprechen sehr schnell und dass ich Spanisch zwar grundsätzlich verstehe, vielleicht aber nicht alles perfekt ausdrücken kann, will ihnen einfach nicht in den Kopf gehen. Nach dem Mittagessen müssen alle zum Spielen an die frische Luft und wir spielen Verstecken oder singen Kinderlieder in der spanischen und englischen Version. Die Zeit mit den Kindern macht mir viel Spaß aber eine halbe Woche ist natürlich zu wenig, um sich richtig intensiv einzubringen.

Im Zentrum von Salta (Calle Buenos Aires & Plaza 9 de Julio) reiht sich eine Reiseagentur an die nächste und alle bieten dieselben vier Ziele an: das Humahuaca-Tal, das Cachi-Tal, die Salinas Grandes und die Stadt Cafayate im Süden Saltas. Weil wir vor allem wegen der vielversprechenden Umgebung nach Salta gekommen sind, buchen wir eine Tour durch die Quebrada de Humahuaca. Die soll den ganzen Tag dauern und uns an dem berühmten Cerro Siete Colores (siebenfarbener Hügel) und dem Städtchen Purmamarca, einer alten Inka-Ruine, einer traditionellen Töpferei und schließlich in die Stadt Humahuaca führen, eine Siedlung im Kolonialstil, die auf fast 3.000m Höhe liegt. Pünktlich um 07:15 Uhr werden wir vom Reiseführer im Mini-Bus abgeholt und klappern noch weitere Hotels ab. Dann fliegen wir förmlich über sämtliche Speed-Bumps auf der Schnellstraße nach Purmamarca. Felix und ein Franzose sind die einzigen, die nur wenig Spanisch verstehen und so wiederholt der Guide alle Infos noch einmal auf Englisch und freudestrahlend in perfektem Deutsch (letzteres, weil er die Übung nicht verlieren möchte). Wir sind immer wieder erstaunt, wenn er Wörter wie “Ameisenbär”,  “Gürteltier“ oder sogar “Sandsteinschlucht”, nahezu akzentfrei, auspackt.

Was es draußen, jenseits der verschmierten Fensterscheiben, zu sehen gibt, ist sagenhaft. Jede Straßenbiegung bringt eine neue Landschaft zum Vorschein: Zuckerrohrfelder, Sandsteinschluchten, Kakteenfelder, Steinwüsten…

Nachdem wir einen kurzen Foto- und Pinkel-Stopp in Purmamarca eingelegt haben (“In 30 Minuten treffen wir uns wieder am Bus”) geht es weiter zur Töpferei mitten im Nirgendwo, und anschließend zur Pucará de Tilcara, einer restaurierten Inka-Ruine mit Lama-Gehege und botanischem Garten.

In der Stadt Humahuaca entscheiden wir uns, mit der ganzen Gruppe in einem traditionellen Restaurant zu Mittag zu essen, obwohl wir uns eigentlich geschworen hatten, nicht mehr Touri-Quatsch als unbedingt nötig mitzumachen. Wir kommen aber bald mit einem sehr netten Paar aus Bariloche ins Gespräch und machen uns über das überteuerte, aber sehr leckere, 3-Gänge-Menü her. Empanadas, Lama-Geschnetzeltes (Felix)/Quinoa-Salat (Lisa) und Karamell-Flan.

Als die traditionelle Hausband mit Gitarre, Mandoline und Panflöte erscheint, ergreift uns im ersten Moment der Fluchtreflex. Fernab der heimischen Fußgängerzone ist die Musik aus der Andenregion (“Llorando se fue”, bei uns bekannt als “Lambada”) aber sogar ganz erträglich. Nach dem Essen erkunden wir die kleine Stadt noch auf eigene Faust.

Auf dem Rückweg stoppen wir an einer “sehr alten Kirche” mit “sehr schönen Gemälden” und außerhalb von Maimara, wo sich ein seltsamer Friedhof über zwei Hügel erstreckt. Am Ende sind wir hundemüde und froh, ins Hostel zurückzukehren. Trotz des unglaublich netten Tourguides schwören wir uns, ab sofort auf solche organisierten Touren zu verzichten. Die meiste Zeit haben wir uns wie ein Bus Japaner gefühlt, die an jeder Sehenswürdigkeit für einige Fotos aus dem Bus ausgespuckt werden. Am nächsten Tag mieten wir uns fürs Wochenende ein Auto und erkunden die Region auf eigene Faust.

Dazu mehr im nächsten Blogeintrag!

Unsere Tipps für Salta

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