Tausende Touristen in bunten Plastikregenmänteln, bewaffnet mit Spritzschutz für Handy und Tablet und Selfie-Sticks auf schaukelnden Booten. So oder so ähnlich hatten wir uns die Iguazú-Wasserfälle vorgestellt. Nein, danke! Und wie toll kann so ein Wasserfall überhaupt sein?
Ziemlich toll, wie sich herausstellen sollte. Nachdem uns selbst viele Argentinier von den “cataratas” vorschwärmen, geben wir während unserer Woche in Buenos Aires schließlich nach. Wir buchen uns relativ bequeme Liegesitze im Fernbus El Rápido Argentino nach Puerto Iguazú und läppische 19 Stunden später stehen wir dort morgens am Busterminal.

Die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien verläuft mitten durch die Iguazúfälle, deshalb kann man sie von beiden Länderseiten aus besuchen. Die zwei Nationalparks haben verschiedene Rundwege am und über dem Wasser, so dass man das Naturschauspiel wirklich aus jedem Winkel bewundern kann.

Nachdem wir erst mal in unser AirBnB Zimmer einchecken um unsere Rucksäcke dort abzustellen, entscheiden wir uns, die brasilianische Seite zuerst anzugehen. Wir haben gehört, dass der Rundweg dort kürzer ist und ein paar Stunden dafür ausreichen. Wir erwischen gerade noch den letzten Bus auf die brasilianische Seite um 14:30 Uhr. Für die Hin-und Rückfahrt zahlt man etwa 5€ (ARS 80,00, Stand: September 2016), wird an die Grenze gefahren, durch Passkontrollen geschleust und bis zum Eingang des Parque Nacional do Iguaçu gebracht. Drinnen fahren Busse die Besucher näher an die Wasserfälle. Für uns heißt es: Hopp, hopp! – denn bei unserer Ankunft ist es schon 15:30 Uhr und der letzte Bus zurück nach Puerto Iguazú fährt um 17:00 Uhr. Wir müssen also den Rundweg im Schnelldurchlauf angehen.

Gleich beim ersten Aussichtspunkt wird uns klar, woher die ganze Begeisterung für die Wasserfälle kommt. Die schiere Masse an Wasser, die sich den Weg durch den Dschungel, über Felsen und riesige Klippen hinunter bahnt, ist einfach überwältigend. Von Brasilien aus hat man den besten Panoramablick, links der Garganta del Diablo (Teufelsschlund), in der Mitte die Isla San Martín, die von mehreren Wasserfällen eingerahmt wird, und rechts die Wassermassen des Río Iguazú, die sich noch vom Sturz in die Tiefe erholen und in Richtung Dreiländereck weiterfließen.

Aber auch um die Wasserfälle herum gibt es viel zu entdecken. Die Pflanzenwelt erinnert uns an das Dschungelbuch (Felix pfeift ständig „Probier’s mal mit Gemütlichkeit) und man sieht immer wieder kleinere und größere Regenbogen. Hoch oben gleiten Condore und Adler durch die Luft und nach einigen Metern auf dem Rundweg sehen wir schon die ersten „coatís” (= Nasenbären). So süß die Tiere auch aussehen, mit ihnen ist anscheinend nicht gut Kirschen essen. Auf Schildern wird überall davor gewarnt, dass sie Touristen Essen aus den Rucksäcken klauen und aggressiv werden können. Vielleicht verständlich, wenn man ständig fotografiert wird und so viel schlechte Publicity über sich ertragen muss.

Das Ende des Rundwegs führt uns über einen Steg direkt an den Rand des Teufelsschlunds. Man hat eine Wand aus Wasser vor sich, spätestens jetzt ist jeder pitschnass. Wir sind begeistert und wedeln wie wild mit der GoPro herum, vergessen über der Euphorie sogar die Zeit ein wenig. Am Ende sprinten wir zum Ausstieg. Felix kann es trotzdem auf dem Weg nicht lassen, noch ein paar coatís mit der Kamera hinterherzujagen und wir schaffen gerade noch den letzten Bus zurück nach Puerto Iguazú.

Als wir wieder in Puerto Iguazú ankommen, ist es noch früher Abend. Wir machen uns auf zur Hito Tres Fronteras, dem Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay, das gleich ums Eck von unserer Unterkunft liegt. Von einer Aussichtsplattform aus blickt man auf die Mündung von Río Iguazú in den Río Paraná. Wir sehen Jogger, Familien, die ihre Mate-Thermoskannen spazieren führen, und wie immer viele Streunerhunde.

Am nächsten Morgen machen wir uns früher auf den Weg, denn wir haben einiges vor: es gibt im argentinischen Iguazú-Nationalpark einen Lower und Upper Circuit, einen Rundweg über den Garganta del Diablo (diesmal aus einer anderen Perspektive) und eine kleine Bimmelbahn, die alle Einstiegspunkte mit einer Rekordgeschwindigkeit von 5 km/h miteinander verbindet.

Als erstes gehen wir den Circuito Garganta del Diablo, einen Rundweg, der als Steg über den Río Superior Iguazú führt, welcher an dieser Stelle etwa 1.000 Meter breit ist. Auf dem Weg begegnen wir wieder einigen coatís, die auf den Geländern balancieren und neugierig darauf sind, welche leckeren Pausenbrote die Touristen ihnen heute wieder mitgebracht haben. Wir sehen riesige Karpfen, die um einen Brückenpfeiler kreisen, auf dem sich eine Schildkröte sonnt. Als wir unsere Blicke weiter über den Fluss schweifen lassen, stellen wir fest, dass auf fast allen Steinen Schildkröten ihre Köpfe in die Höhe recken.

Zwischendurch wird der Steg etwas schmaler. Er führt durch Bäume, von denen Schlingpflanzen hängen. Ein Schild warnt vor Schlangen, die anscheinend von Bäumen fallen. Wir ziehen unsere Schultern hoch bis zu den Ohren und laufen ein bisschen zügiger weiter. Irgendwann lichtet sich der Urwald wieder und das Ende des Rundwegs kommt in Sicht: der Teufelsschlund.

Diesmal kommen wir von der anderen Seite und stehen hoch oben am Rand des höchsten Wasserfalls im Park. Hier stürzt das Wasser 82 Meter in die Tiefe. Die Gischt spritzt haushoch, so dass man den Fluss von oben gar nicht sieht. Das Einzige was bleibt, ist eine riesige weiße Wolke, das laute Rauschen und dutzende Vögel die auf Beutejagd immer wieder ins weiße Nichts abtauchen. Der Steg ist hier natürlich überfüllt mit Menschen, Kameras, Rucksäcken und Selfie-Sticks (ganz falsch war unsere Annahme also doch nicht), deswegen treten wir bald wieder den Rückweg an. Es gibt ja noch zwei weitere Pfade zu bewältigen.

Wir nehmen uns als nächstes den Oberen Rundweg mit Aussicht auf die Insel San Martín vor, der über die Wasserfälle Dos Hermanas und Adam&Eva führt. Der ganze Weg führt über kleinere Flussabschnitte, teils durch dichten Urwald. Felix wird ständig von Schmetterlingen belagert und Lisa entdeckt immer wieder neue Arten von Luftpflanzen (Tillandsien) an den Bäumen. Hinter jeder Ecke erwarten uns weitere Wasserfälle und wir geben irgendwann auf, mitzuzählen.

Am Nachmittag sind wir schon ziemlich müde, wollen aber auf jeden Fall noch den Lower Circuit gehen. Dieser führt durch noch dichteren Urwald bis an den Bosetti Wasserfall, der ein paar Meter vor uns hinunterbricht. Stellt man sich direkt ans Geländer, ist eine Komplettdusche vorprogrammiert. Auf dem Weg dorthin kann man mit Glück Fledermäuse sehen, die in den umliegenden Höhlen leben. Leider riechen wir sie nur (denkt an Moder und Patchouli!), dafür erspähen wir aber ein paar Affen und natürlich weitere verfressene Nasenbären. Wer noch etwas Restgeld übrig (und eine weitere Dusche nötig) hat, kann eine Bootstour machen, die einen ganz nah an die Wasserfälle bringt. Uns ist das allerdings zu teuer und so treten wir den Rückweg über den Green Trail an, bei dem man sich die wilde Fahrt mit der Bimmelbahn spart.

Wir sind froh, dass wir den Umweg nach Puerto Iguazú auf uns genommen haben. Denn auch wenn man noch 100 andere Touristen neben sich stehen hat, sind die Iguazú-Wasserfälle unbeschreiblich faszinierend und einzigartig schön!

Info zu den Iguazú-Wasserfällen:

Eintritte

brasilianische Seite: BRL 56,00
(ca. 16 €)
argentinische Seite: ARS 330,00
(ca. 20 € – muss bar bezahlt werden! ATM am Parkeingang)

Busse

Puerto Iguazú – Eingang brasilianische Seite:
40 ARS (one way)
Puerto Iguazú – Eingang argentinische Seite:
65 ARS (one way)

Unterkunft

Puerto de Iguazú und Foz do Iguazú sind Orte, die auf Touristen ausgerichtet sind. Es gibt zahlreiche Hotels, Hostels und Pensionen (B&B), WiFi Cafés, Supermärkte und Restaurants. Wir haben über AirBnB ein Doppelzimmer bei Carlos gebucht und waren super zufrieden. Carlos war sehr nett und bemüht, hat sogar unsere Taschen noch nach unserem Checkout sicher bei sich verwahrt. Sein Haus liegt zwar ein bisschen weiter weg vom Bus Terminal und dem Ortszentrum, dafür liegt aber die Spazierstrecke Tres Fronteras und ein kleiner Supermarkt gleich ums Eck und alle 20 Minuten fährt ein Bus ins Zentrum.

Links

Nationalpark Iguazú argentinische Seite

Nationalpark Iguazú brasilianische Seite

 

(Stand Mitte Okt. 2016)